Tauberbischofsheim

Hier hat der Leser das Wort Zu „Für viele Juden eine Fahrt in den Tod“ (FN, 7. November)

Es geht nicht um Anklage, sondern um Bewältigung

Archivartikel

Danke für diesen Artikel! Er war überfällig. An vielen Orten im Land wurde dieser Aktion am 22. Oktober 1940 gedacht.

Warum wurde in Tauberbischofsheim geschwiegen? Diese Frage richte ich an Bürgermeisterin und Gemeinderat. Gerne erwarte ich eine öffentliche Erklärung dazu. Dabei könnte auch das Thema „Stolpersteine“ neu bedacht werden. Das Thema Judenverfolgung ist in unserer Stadt ein sensibles Thema, da im sogenannten Dritten Reich namhafte Familien engagiert mitgemacht haben. Doch unsere Stadt war nur eine von 10.000 Städtchen im Reich, in denen überall das gleiche Muster ablief, von der Bücherverbrennung bis zur Deportation.

Doch es gab auch mutige Bürger, die geholfen haben. Die könnte der Heimatverein hervorheben. Mit einer Erinnerungstafel im Rathaus, an der Peterskapelle und der Erinnerungsstätte im Limbach-Haus alleine ist es nicht getan; alles wenig besuchte Orte.

In einer Zeit der Wiederkehr des Antisemitismus, der auch durch Rechtsaußenparteien geistig befördert wird, sind sensible und mutige Bürger und politische Vertreter zu klaren Haltungen gefordert, überall in unserem Land.

Pfarrer Ghiraldin hat zu der Geschichte der Juden im Taubertal Basisarbeiten geliefert, die jedem zugänglich sind. Zusätzliche empfehle ich das Buch des jungen Autors Martin Bartholme, der mit der Erzählung „Schokolade zum Frühstück“ das Geschehen vor unserer Haustür ergreifend schildert. Bei meinen Aufenthalten im Ausland habe ich festgestellt, dass der offene Umgang mit diesem dunklen Kapitel deutscher Geschichte die beste Art der Bewältigung ist und diese Offenheit anerkannt wird

. Ich werde im Oktober 2021 eine persönliche Stadtführung zu dem Thema „Das Dritte Reich in Tauberbischofsheim“ anbieten, um zur Bewältigung dieses Kapitels beizutragen.

Es geht nicht um Anklage, es geht um Bewältigung, und das ist nur durch Offenheit möglich.