Tauberbischofsheim

Evangelische Kirchengemeinde Pfarrer Gerd Stühlinger nach 20-jährigem seelsorgerischem Wirken in der Kreisstadt verabschiedet / Großes Engagement gewürdigt

Ein Mann mit ausgleichendem Wesen

Mit viel Lob für sein seelsorgerisches Wirken in Tauberbischofsheim verabschiedete die evangelische Kirchengemeinde Pfarrer Gerd Stühlinger.

Tauberbischofsheim. 20 Jahre war Gerd Stühlinger Pfarrer der evangelischen Gemeinde in Tauberbischofsheim, 20 Jahre, in denen er das Gemeindeleben mit seinem seelsorgerlichen Wirken, seinem ausgleichenden Wesen, seinem Engagement und seinem Humor geprägt hat. Im Rahmen eines festlichen Gottesdienstes wurde er nun von Dekan Hayo Büsing „entpflichtet“, wie das im kirchlichen Amtsdeutsch heißt, und mit einem Segenswort bedacht.

In seiner Ansprache ging Büsing auf Stühlingers segensreiches Wirken in Tauberbischofsheim ein und wünschte ihm alles Gute für seinen Ruhestand.

In seiner letzten Predigt in Tauberbischofsheim hatte Gerd Stühlinger mit dem Vers aus dem Petrusbrief „Alle Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch“ der Gemeinde einen vertrauensvollen Blick in die Zeit der Vakanz gewünscht. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst vom Gospelchor, der ihm auch für das in ihn gesetzte Vertrauen dankte; von den Jüngsten der Gemeinde aus der Kita, die ihm ein Bäumchen mit vielen auf bunten Blüten geschriebenen guten Wünschen überreichten, sowie vom Posaunenchor, der ihm auf seinen Instrumenten einen irischen Segensspruch interpretierte.

Von melancholisch bis heiter

Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die geladenen Gäste und die Gemeinde im Johannes-Sichart-Haus, um dort in teils heiterer, teils melancholischer Atmosphäre von Gerd Stühlinger Abschied zu nehmen. Begrüßt wurden die Gäste zunächst von den Alphornbläsern, dann führte Antje Bauer vom Kirchengemeinderat locker durch den späteren Nachmittag.

In einer Reihe von Grußworten wurde zunächst das jeweilige Engagement des scheidenden Pfarrers gewürdigt. Und so würdigten die Redner/-innen den scheidenden Pfarrer mit nachdenklichen, dankbaren und auch heiteren Worten. Den Beginn machte Bürgermeisterin Anette Schmidt, da sie noch einen anderen Termin wahrnehmen musste. Sie habe Gerd Stühlinger in der kurzen Zeit hier als ausgesprochen angenehmen Gesprächspartner kennengelernt, wünschte ihm und seiner Frau einen guten Ruhestand und der Gemeinde einen guten adäquaten Nachfolger.

Ursula Blutbacher vom Liebenzeller Gemeinschaftsverband schätzte seine stete Bereitschaft der Zusammenarbeit auf verschiedenen Arbeitsfeldern. Christoph Brandt vom Partnerschaftsausschuss Ghana freute sich über das Engagement, das Gerd Stühlinger für die Arbeit der Partnerschaft gezeigt habe. „Und du kennst das Land ja auch aus eigener Anschauung“.

Das Diakonische Werk hatte für Gerd Stühlinger ein Bäumchen, dekoriert mit vielen Wünschen für eine gutes Gedeihen – im Garten und im Bereich von gelingenden Beziehungen im neuen Zuhause.

Für Birgit Frey, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates der katholischen Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim, ist Gerd Stühlinger ein Mensch, der nicht zuletzt durch seien offene, verbindliche und verbindende Art dazu beitrug, dass die Menschen der beiden Konfessionen hier in Tauberbischofsheim „gut miteinander konnten“.

Gutes Miteinander

Thomas Hämmerle (zukünftiger Orts-Pfarrer in Wachbach) betonte, dass er sich auch als ehemaliger Militärpfarrer immer in der Kirchengemeinde vor Ort willkommen gewusst habe.

Pfarrer Gerhard Hauk von der katholischen Schwestergemeinde würdigte das stets gute ökumenische Miteinander und wünschte ihm und seiner Frau mit seinem Geschenk, einem Vogelhaus, dass sich Mensch und Tier in der neuen Heimat wohlfühlen mögen. Pfarrerin Heike Dinse hatte ihn als Person stets als wohltuend empfunden, sei es als Mitgestalter der Seelsorgekurse, sei es als Kollegen, der ohne zu murren Vertretungen übernommen habe, sei es als ein Mensch, der immer ausgleichend wirken konnte.

Wichtiger Impulsgeber

In einem von Schuldekanin Cornelia Wetterich gedichteten Lied dankten die Mitglieder des Bezirkskirchenrates „ihrem Gerd“ für all sein Engagement in den verschiedenen Gremien und wünschten ihm einen gesegneten Ruhestand.

„Die badische Landeskirche hat einen großen Fehler gemacht“, erklärte Pfarrer Volker Wahlenmeier (Aglasterhausen) und nach einer Kunstpause „dass sie Ihnen, lieber Herr Stühlinger, nicht eher einen Vikar geschickt hat. Ich hatte eine wunderbare Zeit bei Ihnen,“ erinnerte er sich gern an die zwei Jahre in der hiesigen Gemeinde.

Alfred Wetterich schließlich hob sein großes Engagement für den „Verein für Jugend- und Sozialarbeit“ hervor. Der sei eine ganz wichtige Anlaufstelle für junge Menschen, die ohne Unterstützung Schwierigkeiten hätten, sich in einen Arbeitsprozess eingliedern zu können. So hatte sich Gerd Stühlinger auch statt Geschenken eine Spende für diesen Verein gewünscht.

Nach einem weiteren Gitarrensolo von Lucca Craciunescu kam die Gemeinde zu Wort. Günter Muesse hatte zur Einführung von Pfarrer Gerd Stühlinger vor 20 Jahren – analog zu dessen Namen – eine Geschichte mit den verschiedensten Stühlen geschrieben, die alle nicht den entsprechenden Anforderungen entsprachen – mit Ausnahme eines Schaukelstuhls für notwendige Mußestunden.

Diese Geschichte lasen – damals wie heute – Mitglieder des Kirchengemeinderates.

Dann gab es noch den 23. Psalm, den vom guten Hirten, den man – ohne dass man in irgendeiner Weise ketzerisch sein wollte – auf den „Pastor“ umgedichtet hatte. Da fragten sich etwa einzelne Gemeindeglieder, wer „uns künftig auf rechter Straße des Glaubens“ führen wird, und das ohne erhobenen Zeigefinger; wer „uns im Angesicht von Widersachern verteidigt, den Rücken stärkt oder wer künftig die Stabführung des Vereins für Jugend.- und Sozialarbeit innehaben wird“.

Dann bekam Gerd Stühlinger ein dickes, selbstgestaltetes Buch mit vielen Bildern und Dankesworten von den Gruppen der Gemeinde aber auch aller am kirchlichen Leben Beteiligter überreicht.

Dank für Mitgestaltung

Gerd Stühlinger selbst war nach all diesen Worten sichtlich gerührt, dankte allen, die nicht nur in guten, positiven Tagen mitgearbeitet, mitgedacht, mitgestaltet hatten, sondern ihn auch in schwieriger Zeit unterstützt hatten. „Und wenn ich jemandem nicht gerecht geworden bin in all diesen Jahren, so bitte ich um Verzeihung“, war ihm noch wichtig zu sagen.

Mit vielen guten Gesprächen, manch traurigem Abschiedswort aber auch Segenswünschen für das gemeinsame Leben ging schließlich der Tag zu Ende. evki