Tauberbischofsheim

Vortragsabend Mirjam Hitzelberger referiert am 4. November zu Thema „Impressionen Bangladesch“

Ein Land – so fern und doch so nah

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Wie geht es tatsächlich zu in den Textilfabriken, in denen die großen Modeunternehmen Kleidung nähen lassen? Haben sich die Arbeitsbedingungen seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza im Jahr 2013 verbessert? Und wie leben die Menschen in Bangladesch abseits der großen Städte?

„Wir sind seit vielen Jahren eng mit Bangladesch verbunden“, sagt Helena Bieber, Sprecherin Weltladen Tauberbischofsheim. Über das Hilfswerk Netz unterstütze das Team die Menschen vor Ort durch Spendenprojekte sowie den Verkauf fair gehandelter Produkte.

Auch die Textilproduktion und insbesondere die faire Mode zählen seit langem zu den bedeutsamen Themen des Weltladens.

Nun veranstaltet das Team des Weltladens einen Vortragsabend: Die Bildungsreferentin des Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg, Mirjam Hitzelberger, war vor wenigen Wochen in Bangladesch, wo sie Textilfabriken besuchte und sowohl mit Unternehmern als auch mit Gewerkschaftsvertreterinnen sprach. Außerdem war sie zu Gast bei Partnern der Hilfsorganisation Netz.

Hitzelberger wird von positiven Veränderungen, wie dem Abkommen Accord, berichten – unter anderem europäische Unternehmen haben sich dabei verpflichtet, den Brandschutz und die Gebäudesicherheit der Textilfabriken zu gewährleisten. Sie wird aber auch vom knappen gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 8000 Taka im Monat (rund 80 Euro) sprechen und von den Sorgen der Näherinnen, weil der Lohn nicht zum Leben reicht. Sie hat Gewerkschafterinnen kennengelernt, die Angst haben, ihren Job zu verlieren oder ins Gefängnis zu kommen, wenn sie öffentlich für mehr Lohn demonstrieren. Sexualisierte Gewalt, Arbeitstage von zehn bis zwölf Stunden an sechs Wochentagen – der ständige Druck macht die Näherinnen mürbe. Mit 37 Jahren seien sie, so Hitzelberger, körperlich erschöpft und werden entlassen.

Doch Hitzelberger hat Bangladesch auch fernab der großen Städte besucht. Gemeinsam mit Mitarbeitenden der Hilfsorganisation Netz sprach sie mit Frauen und Mädchen über das Leben und ihren Alltag auf dem Land. Gewalt ist weit verbreitet, Kinderehen keine Seltenheit. Doch mit viel Mut machen sich die Frauen auf, ihre Rechte einzufordern. Sie klären auf, arbeiten an neuen Denk- und Verhaltensmustern und beziehen auch die Männer in diese neue Bewusstseinsbildung mit ein. Hitzelberger kann von mutigen Menschen, cleveren Schülerinnen und klugen Projekten berichten.

Bangladesch ist weit entfernt und doch näher als man denkt. Viele Produkte kommen aus dem schönen Land der Flüsse. Hitzelberger bringt den Besuchern der Veranstaltung des Weltladens Land und Leute näher und gibt auf Wunsch Tipps, wie unter anderem durch einen bewussten Konsum mithelfen können, das Leben der Näherinnen und Näher auch in Bangladesch zu verbessern.