Tauberbischofsheim

Kabarett Urban Priol gastierte am Samstag vor ausverkauftem Haus in der Tauberbischofsheimer Stadthalle

Ein krachender Rundumschlag

Archivartikel

Urban Priol begeisterte in der ausverkauften Tauberbischofsheimer Stadthalle mit seinem neuen Programm „Im Fluss“.

Tauberbischofsheim. Ein Mann der leisen Töne war Urban Priol auf der Bühne noch nie. Das stellte der Aschaffenburger Kabarettist auch am Samstag bei seinem Auftritt in der ausverkauften Tauberbischofsheimer Stadthalle wieder unter Beweis.

Mit seinem neuen Programm „Im Fluss“ zeigte er sich dieses Mal noch bissiger und angriffslustiger als bei vorherigen Bühnenprogrammen. Als „Abteilung Attacke“ präsentierte er sich rund drei Stunden lang in Hochform und feuerte eine verbale Breitseite nach der anderen ab, was vom Publikum mit viel Heiterkeit und Beifall honoriert wurde.

„Miss Pillepalle“

Ein Thema liegt Priol bei seinem neuen Programm besonders am Herzen, nämlich der Klimawandel. Dementsprechend krachend fiel sein Rundumschlag gegen die deutsche Klimapolitik aus. An dieser ließ der Unterfranke kein gutes Haar. Vor allem seiner „Lieblingsfeindin“ Angela Merkel las er ordentlich die Leviten. „Miss Pillepalle“, wie er die Kanzlerin nannte, sei mit ihrer „dämlichen Aussitzerei und Trickserei“ verantwortlich dafür, dass 18 Jahre lang nichts in der Klimapolitik vorangegangen sei.

Wenig Gutes hatte er auch über den Umgang der Politik mit der „Fridays-for-Future“-Bewegung zu sagen. „Natürlich kann man sich nicht vorstellen, dass die jungen Leute sich Sorgen machen“, merkte er voller Polemik an. Die jungen Demonstranten seien daher sicherlich von finsteren Mächten verführt worden – wahlweise vom Teufel, oder noch schlimmer, vom Russen. Vermutlich sei Putin persönlich verantwortlich. Und Greta Thunberg sei in Wahrheit bestimmt eine russische Agentin, die mit richtigem Namen „Greta Thunbergskowskaja“ heiße.

„Rotzlöffel“ Lindner

Nicht nur gegen die Kanzlerin schoss Priol an diesem Abend scharf. Sein Fett weg bekam zum Beispiel auch FDP-Vorsitzender Christian Lindner für seine Aussage, Klimaschutz sei eine Sache für Profis. „Ein Rotzlöffel, der noch nie etwas geleistet hat“, sei Lindner. „Mit der heißen Luft, die er ausstößt, verschlechtert sich die CO2-Bilanz stündlich“, ätzte Priol. Und überhaupt: Ob es wirklich besser ist, wenn Profis am Werk sind? „Schließlich wurde die Arche Noah ja auch von einem Amateur gebaut, die Titanic hingegen von Profis“, unkte der Kabarettist.

Ein ähnlich vernichtendes Urteil wie über Linder fällte er auch über CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer. Dieser sei „das größte Zäpfchen der Autolobby“. Aber das sei ja kein Wunder, schließlich habe er sein Handwerk ja auch als Staatssekretär bei „Verkehrsministerlegende“ Peter Ramsauer gelernt, wie Priol mit unverhohlenem Sarkasmus anmerkte.

Lok ohne Waggons

Nachdem er sich die Klimapolitik vorgenommen hatte, war der Kabarettist aber noch lange nicht fertig. Ganz im Gegenteil. Jetzt kam er erst richtig in Fahrt und setzte zur Generalabrechnung mit der Politik an. Sein Vorwurf: Die beiden Großparteien CDU und SPD hätten sich völlig von ihrer Basis entfernt. „Die sitzen alleine in der Lok und merken gar nicht, dass die Waggons schon längst abgekoppelt sind“, so seine mit viel Zwischenapplaus bedachte Diagnose.

Welchen Stellenwert der Bürger noch habe, das habe ja auch die Europawahl gezeigt. Den Zorn des Unterhaltungskünstlers erregte vor allem die Wahl von Ursula von der Leyen zur neuen Kommissionspräsidentin.

Dies sei ein „Shakespeare’sches Schurkenstück“ gewesen, erzürnte er sich.

„Warum hält man dem Bürger so offensichtlich die rote Karte hin und zeigt uns, dass man sich einen Scheißdreck für uns interessiert“, ließ Priol seinem Unmut freien Lauf. Mit Blick auf die neue Kommissionspräsidentin von der Leyen, Kanzlerin Merkel und die neue europäische Zentralbankchefin Lagarde konstatierte er: „Drei alte weiße Frauen zerstören Europa“.