Tauberbischofsheim

Distelhäuser Bauernmuseum Sammlung von Bertold Hollerbach ermöglicht Besuchern einen Ausflug in die Historie der regionalen Landwirtschaft

Ein Hort der Geschichte ländlichen Familienlebens

Archivartikel

Distelhausen.Der Mann ist 79 Jahre alt. Doch wenn Bertold Hollerbach in seinem Bauernmuseum im Herzen der kleinen Gemeinde Distelhausen steht, dann wird aus ihm ein wahrer Jungbrunnen. Dann fangen seine Augen an zu leuchten, dann schweift sein Blick von rechts nach links, von oben nach unten, dann fängt er an zu erzählen, und selbst wenn man von Haus aus keine allzu enge Verbindung zur Landwirtschaft hat, kann man sich der Begeisterung des gestandenen Landwirts nur schwer entziehen.

So recht glauben mag man es gar nicht, dass sich hinter der eher unscheinbaren Mauer an der Diselhäuser Ortsdurchfahrt ein Hort der Geschichte verbirgt. Und das nun schon seit 35 Jahren.

1984 hatte Bertold Hollerbach damit begonnen, museale Gegenstände zusammenzutragen, die ihn über sein ganzes Arbeitsleben begleitet haben und die ihm bei seiner Arbeit als Landwirt stets eine große Hilfe waren.

Hollerbach ist kein studierter Museumswissenschaftler und doch steckt in seiner Ausstellung so viel System, so viel Ordnung, als wäre hier ein gestandener Museumsprofi am Werk. Wie oft geht es uns so, dass man Traktoren auf der Straße vor allem als ziemlich träge Landmaschinen empfindet, die vor allem den Verkehr behindern und die man möglichst schnell überholen und hinter sich lassen möchte.

Wenn aber Bertold Hollerbach beginnt, seine „Kraftprotze der Felder“ zu erklären, wenn man die alten Landmaschinen der Marken Fendt, Lanz oder Hanomag aus nächster Nähe sehen, anfassen und bestaunen kann, dann weiß man ziemlich schnell, dass man diesen Fahrzeugen doch mit etwas mehr Ehrfurcht und Respekt begegnen sollte. Die kleine Armada an Traktoren im Distelhäuser Museum – sie hat so manchen Pflug gezogen, so manche Ernte eingebracht und ist nun im wohlverdienten Ruhestand in Hollerbachs Museumsscheune. Die Ausstellung hier, sie hat aber noch weitaus mehr zu bieten als ausrangierte Landmaschinen.

Eine kleine Wohnung gibt Aufschluss darüber, wie sich das ländliche Familienleben vor vielen Jahren abspielte. Viele persönliche Urkunden und Schriftstücke aus Hollerbachs Familie und der Familie seiner Frau erwecken Geschichte hier wieder zum Leben. Dieses Empfinden hat der Besucher auch, wenn er in den liebevoll hergerichteten Ausstellungsbereich kommt, in dem Werkzeuge und Hilfsmittel der fast schon in Vergessenheit geratenen Berufsgruppen des Schmieds oder Stellmachers zur Schau gestellt werden. Viele Ausstellungsstücke hat Bertold Hollerbach selbst zusammen getragen, viele sind ihm in den vergangenen Jahren aber auch von Freunden und Besuchern zur Verfügung gestellt worden. Sein Museum, das in diesem Jahr den 35. Geburtstag feiert ist nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Wer sich aber vorher mit ihm in Verbindung setzt, dem wird Hollerbach seine „Heiligen Hallen“ ganz sicher auch an anderen Tagen öffnen. Thomas Koch