Tauberbischofsheim

Nachgeschaut in Büscheme Der zweite Blick – (Un-)vergänglichkeit alter Ansichtskartenmotive / Heute: der „Deutsche Hof“

Ein Haus mit vielen Innenleben

Archivartikel

Gebäude im Spiegel der Zeit: Heute fällt der Blick auf den ehemaligen „Deutschen Hof“.

Tauberbischofsheim. Die FN berichten in einer Reihe von alten Gebäuden und ihrem heutigen Aussehen. Auf diese Weise wird „alt Büscheme“ wieder für viele teilweise wiedererweckt und man wird künftig aufmerksamer durch die Stadt gehen.

Ein besonderes Gebäude ist auch der ehemalige „Deutsche Hof“ an der Ecke Hauptstraße Burgplatz (heute Schlossplatz). In der Stadtchronik Müller/Gehrig kann man darüber Näheres und Interessantes erfahren.

Ursprünglich war das genannte Gebäude eine Brauerei. Es war nicht unüblich, dass frühere Gastwirtschaften ihr eigenes Bier brauten und eben auch eine eigene Brauerei betrieben. Manchesmal besaß auch die Ortsgemeinde eine Brauerei und der Bürgermeister veranlasste einen neuen Sud vorzubereiten.

Im unterfränkischen Ort Sesslach wird heute noch aus touristischen Gründen auf diese Weise das Bier gebraut, und man kann in Tragebutten das Bier für den Gastwirtschaftsgebrauch holen und dort mit Milchkannen Bier für den Hausgebrauch kaufen. In manchen Orten ist heute noch das alte Brauereisymbol an Gaststätten zu sehen; der sechszackige Stern, der oft irrtümlich mit dem Davidstern verwechselt wird (so zum Beispiel zu sehen am Tor einer Gaststätte in Wittighausen).

1844: Johann Anton Schnarrenberger, Wirt und Bierbrauer, war zugleich Stadtrat in Tauberbischofsheim. Er baute das obengenannte Gebäude zu einer Gaststätte um. Wahrscheinlich war der neue, zuerst nicht genehmigte Bau, inmitten alter spätmittelalterlicher Fachwerkhäuser eine neue Moderne. Die Schildgerechtigkeit kaufte Johann Schnarrenberger 1855 vom dahin nicht mehr betriebenen Gasthaus „Zum Riesen“. Das ehemalige Gasthaus „Zum Riesen“ 100 Meter oberhalb des Marktplatzes ist durch das Standbild des Riesen heute noch erkennbar. (Schildgerechtigkeit ist seit Beginn der Neuzeit das von der Stadtverwaltung vergebene Recht eine Gastwirtschaft vermittels Anbringung eines Schilds als solches kenntlich zu machen).

Im Saal des „Deutschen Hofes“ fanden viele Veranstaltungen statt, so zum Beispiel am 7. Juli 1868 ein Konzert unter Mitwirkung des Gesangvereins Liederkranz, 1872 und 1885 war in dem Saal jeweils ein großer Weinmarkt.

1878 übergab Johann Schnarrenberger die Gaststätte an seinen Sohn Gottfried Schnarrenberger, Wirt, Bierbrauer und Metzger, seit 1878 mit Margareta, geborene Lurz aus Unterwittighausen verheiratet. Von 1904 bis 1909 gehörte er dem Gemeinderat an. Von 1909 bis zu seinem Tod 1911 war er Bürgermeister in Tauberbischofsheim.

Als Bürgermeister musste er auf seinen Beruf als Gastwirt verzichten und übergab deshalb die Gaststätte 1913 an seinen Sohn Friedrich, Wirt und Metzger. 1913 verkaufte Friedrich Schnarrenberger die Gastwirtschaft an den Metzger Fritz Hörner und kaufte das Gasthaus „Zur Krone“ in der oberen Vorstadt. Die „Krone“ und die dazugehörige Metzgerei sind noch vielen Tauberbischofsheimern bekannt.

Das Gebäude „Deutscher Hof“ wurde sehr unterschiedlich genutzt: Spar und Waisenkasse, Kaiserliches Postamt, Polizeidienststelle mit Dienstwohnung des berittenen Polizeimeisters Loosmann, Geschäftshaus, und längere Zeit sogar als Kino.

Im Jahr 1961 kaufte Alois Hörner das Gebäude von der Sparkasse zurück und betrieb darin zehn Jahre lang eine Metzgerei.