Tauberbischofsheim

Krankenhaus Tauberbischofsheim Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie wurde vor 40 Jahren gegründet / Blick in die Geschichte

„Ein Grundpfeiler der medizinischen Versorgung“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Vor 40 Jahren, im Oktober 1979, wurde die Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Krankenhaus Tauberbischofsheim gegründet. Seither werden hier Menschen mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen behandelt – unter einem Dach mit körperlich kranken Patienten.

Nur 13 Jahre nach Eröffnung des damaligen Kreiskrankenhauses in der Albert-Schweitzer-Straße erkannten die Verantwortlichen des Main-Tauber-Kreises die Notwendigkeit für die Gründung der Abteilung am Standort Tauberbischofsheim. Ausschlaggebend war die 1975 vom deutschen Bundestag verabschiedete Psychiatrie-Enquete, eine Initiative von Angehörigen von psychisch Kranken, engagierten Politikern und Fachleuten der damaligen Zeit. „Die Psychiatrie-Enquete wurde verabschiedet, um die völlig unzureichende psychiatrische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Diese erfolgte unter schwierigsten Bedingungen in großen Landeskrankenhäusern mit teilweise über 1000 Betten mit unzureichenden Personalressourcen. Eine Handvoll Ärzte kümmerte sich um die Patienten. Psychologen und Sozialarbeiter gab es überhaupt nicht und die Krankenpflege konnte sich nur um eine rudimentäre Körperpflege kümmern. Von einem qualifizierten therapeutischen Anspruch konnte keine Rede sein“, erklärt Dr. Mathias Jähnel, Chefarzt der Abteilung für Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor des Krankenhauses, die Situation bis in die 1970er Jahre.

Die Enquete verfolgte aber noch weitere Ziele: Psychisch kranke Menschen sollten somatisch (körperlich) Kranken gleichgestellt und ein Ende der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen erreicht werden. „Seit Ende der 1970er Jahre ist die Suizidrate stark gesunken, dies ist sicher auch auf das besser ausgebaute und schließlich flächenübergreifende Netz der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung zurückzuführen“, so Dr. Jähnel.

Abteilung mit 80 Betten

Im Main-Tauber-Kreis folgte man dem Ansatz und eröffnete die Psychiatrische Hauptfachabteilung am Krankenhaus in Tauberbischofsheim am 1. Oktober 1979 mit 80 Betten – als zweite Abteilungspsychiatrie in Baden-Württemberg überhaupt. 1979 wurde dann auch die Seniorenwohnanlage Haus Heimberg in Betrieb genommen. „Mit der Einrichtung der Psychiatrie als Hauptfachabteilung ging der Kreis einen neuen zukunftsweisenden Weg. Denn es wurde erstmals die Versorgung von körperlich und psychisch kranken Menschen unter einem Dach mit einem engen Austausch zwischen den Fachbereichen möglich“, lobt Dr. Jähnel, gleichzeitig wurde betreutes Wohnen für Senioren etabliert. Den Verantwortlichen des Main-Tauber-Kreises sei großer Respekt zu zollen, schon damals solche modernen und wegweisenden Konzepte umgesetzt zu haben.

Heute sei die Abteilung ein Grundpfeiler der medizinischen Versorgung am Krankenhaus Tauberbischofsheim. Inzwischen werde die komplette Behandlungskette für psychische kranke Menschen aus dem Kreis und weit darüber hinaus angeboten. Als erste Anlaufstelle für die Patienten dient die Ambulanz. In akuten Krankheitsphasen werden die Patienten auf den vier Stationen versorgt. Patienten, die eine stationäre Behandlung nicht (mehr) benötigen, für die eine ambulante Behandlung aber nicht ausreicht, werden in der Tagesklinik therapeutisch begleitet. Jährlich werden rund 1600 Patienten stationär und teilstationär behandelt und rund 6500 Patienten ambulant betreut.

Präzise geplanter Neubau

Dieses Rundumkonzept hat mit Eröffnung des Neubaus in der Albert-Schweitzer-Straße 2016 auch sehr gute räumliche Rahmenbedingungen unter Einhaltung des vorgegebenen finanziellen Budgets erhalten, wie Chefarzt Dr. Jähnel erklärt: „Der Neubau wurde von uns ganz präzise geplant und auf die Bedürfnisse der Abteilung zugeschnitten, Mitarbeiter und Patienten wurden bei der Gestaltung und der räumlichen Konzeption miteinbezogen.“ Der Neubau wurde direkt an das bestehende Haus I des Krankenhauses angegliedert. Ein gemeinsamer barrierefreier Eingang verbindet Somatik und Psychiatrie. Das architektonisch überaus gelungene Gebäude erhielt einen Preis für beispielhaftes Bauen der Architektenkammer Baden-Württemberg. Der enge Austausch zwischen den verschiedenen Fachbereichen ermöglicht spezielle Behandlungsangebote etwa für Menschen mit psychosomatischen Schmerzerkrankungen oder Alterspatienten. Neben der Erwachsenenpsychiatrie ist auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Johannes-Diakonie Mosbach im Neubau untergebracht.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung, die unsere Abteilung genommen hat und planen aber auch für die Zukunft. Aktuell prüfen wir weitere Entwicklungsmöglichkeiten, um den Menschen in der Region einen wohnortnahen Zugang zu einer Therapie zu erleichtern“, so der Chefarzt. khtbb