Tauberbischofsheim

Land und Leute Die Tauberbischofsheimerin Dagmar Wolf hat in ihrem Buch 80 „Glücksorte in Würzburg“ gefunden

Domstadt mit ganz anderen Augen sehen

Ein Stadtbummel kann viele Facetten haben. Dagmar Wolf hat „Glücksorte in Würzburg“ aufgesucht und in einem Buch veröffentlicht.

Tauberbischofsheim. Wenn Dagmar Wolf von den Glücksorten in Würzburg erzählt, dann strahlen ihre Augen. Sie liebt die Stadt. Und sie hat einige besondere Stellen in der Metropole am Main gefunden. Auch begeisterte Würzburg-Besucher, die meinen, schon alles zu kennen, finden in ihrem Buch noch den einen oder anderen Flecken, der überrascht.

„Was würde mich in einer Stadt interessieren?“. Diese Frage hat Dagmar Wolf an den Anfang gestellt. „Ich habe mir Würzburg mit ganz anderen Augen angesehen“, erinnert sie sich an einen sonnigen Herbsttag, als sie sich auf Ideensuche gemacht hat. 80 für sie wichtige Orte sind zusammengekommen, die Sport und Kultur, Gesellschaft und Religion, Musik und Geschäftswelt verbinden.

Details im Blick

Ihre eigene Vorgabe war klar: „Ich wollte erkunden, was für mich die Stadt ausmacht.“ Es waren die Details, die sie berühren und den Charme versprühen: geschichtlich bedeutsame, kulturell anspruchsvolle oder einfach unterhaltsame, quirlige und ruhige, aktivierende und entspannende. Und auch der Wandel hat sie inspiriert. „Die Stadt hat das Recht sich zu verändern.“

Selbst entdecken war für die Tauberbischofsheimer Journalistin also angesagt. „Die Auswahl ist sehr subjektiv. Was mir gefällt und was mich angesprochen hat, wurde aufgenommen.“ Da sind ganz verschiedene Museen, spannende Cafés und die unterschiedlichsten Ruhepole in einer pulsierenden Stadt.

Natürlich waren manche Orte schnell auf der Liste. Der Frankoniabrunnen vor der Residenz oder die Schoppenmeile auf der Alten Mainbrücke, das Kino Central auf dem alten Bürgerbräu-Gelände oder auch die Annaschlucht. Bei anderen war sie nicht ganz so spontan. „Ich wusste gar nicht, dass Würzburg so viele Hausmadonnen hat“, erzählt sie. Und Dagmar Wolf hat auch einige Schätze ausgegraben. Die Statue des Heiligen Aquilin in der Hörleingasse beispielsweise, das Sieboldswäldchen oder auch die Sammlung Ruppert im Kulturspeicher, die für sie die Liebe zur Geometrie verkörpert. Oder die imposante Hausmalerei in der Laufergasse.

Was macht für sie einen Glücksort aus? Dagmar Wolf zögert nicht lange. „Ein Ort, der ein Erlebnis vermittelt und den ich erstöbern kann“, ist ihre Antwort. Dazu müsse man mit offenen Augen durch die Straßen laufen, den Blickwinkel verändern, die Stadt bewusst wahrnehmen. Vor allem auch mal in die Höhe schauen: So entdeckte die Autorin für sich viel Spannendes.

Wichtig war bei der Recherche, dass die Orte gut zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und für kleines Geld zu besuchen sind. Etwa wenn man die bewachsene Pyramide am alten Gartenschaugelände besteigen will. Oder die Kunst im öffentlichen Raum am Kiliansplatz hinter dem Dom. „Das ist mehr als pure Dekoration für den Platz. Die Figuren erzählen eine Geschichte, wenn man sich darauf einlässt und sich die Zeit nimmt.“ Zeit hat sie sich auch für das Lusamgärtchen genommen, in dem angeblich Walther von der Vogelweide begraben sein soll. Der schmucklose Stein wäre ihr kaum eine Erwähnung wert gewesen, die kleine Oase der Ruhe, die sich je nach Lichteinfall anders gibt, schon.

Auf Zeitreise

„Ich bin ein Bewegungsmensch“, sagt die 57-Jährige, die bei VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken für den Bereich Kommunikation zuständig ist, von sich. Eine Joggingrunde oder ein Besuch im Schwimmbad gehören für die Diplom-Sportlehrerin zu jedem Städtetrip dazu. Das hat sie auch für ihr Buch verinnerlicht, „weil man dabei viel mehr von einer Stadt erleben kann“, findet sie. Das Wolfgang-Adami-Bad etwa atmet für sie Geschichte. Auf eine Zeitreise schickt die Autorin den Stadtbummler übrigens im 60er-Jahre-Parkhaus in der Haugerpfarrgasse und an der Litfaßsäule in der Innenstadt. Hier scheint die Zeit stillzustehen.

Natürlich sei auch ihre Vorliebe für Musik und Tanz bei einigen Punkten miteingeflossen, wie man beim Durchblättern merkt. In ein paar Geschäften und Cafés darf man die Seele baumeln lassen und einfach nur genießen. Ihr Tipp: Die Atmosphäre im Nähcafé Edeltraud ist einzigartig, weil dort häufig die Nähmaschinen surren.

Das Projekt hat ihr großen Spaß gemacht. Auch weil die Anfrage über eine Freundin aus dem Netzwerk Schreibender Frauen kam. „Der Verlag hatte die Idee zu dem Buch und so wurde ich gefragt.“ Was andere über Würzburg schon geschrieben und veröffentlicht haben, hat sie bewusst nicht in Betracht gezogen.

Dagmar Wolf hat nicht nur die prägnante einseitige Beschreibung ihrer sehens- und erlebenswerten Orte in der „fränkischen Perle“ geliefert, sondern zeichnet auch für zahlreiche Bilder im Buch verantwortlich. Das hat ihren Blick zum Perspektivwechsel geschult: „Ich freue mich schon auf meinen nächsten Städtetrip. Dann werde ich genau auf die Kleinigkeiten achten.“