Tauberbischofsheim

Hilfstransport Tauberbischofsheimer Arzt Dr. Sigurd Zapf begleitete Freundeskreis Oradea bei Fahrt nach Rumänien

„Dieses Land ist schrecklich schön“

Menschen in Not beistehen: Das will Dr. Sigurd Zapf nicht nur in seiner Funktion als Arzt. Deshalb hat er einen Hilfstransport des Freundeskreises Oradea nach Rumänien begleitet.

Tauberbischofsheim. Der Verein hat seinen Sitz in Villingen-Schwenningen. Schon viele Jahre unterstützt der Tauberbischofsheimer Mediziner dessen Ziel, die akute Not armer Menschen in der Region um die rumänische Stadt Oradea zu lindern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Dazu bringt er immer wieder Sachspenden, vor allem medizinisches Gerät, in die Doppelstadt im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Dort verfügt der Verein über ein eigenes Lager, wo die Hilfsgüter sortiert werden, ehe die ehrenamtlichen Helfer sie zu den Empfängern nach Rumänien bringen. Benötigt werde alles, was für das tägliche Leben gebraucht wird und noch verwendbar ist, betont Zapf. Spontan zählt er als Beispiele Dinge wie Kleidung, Schuhe, Fahrräder, Brillen, Besteck und Hygieneartikel auf.

Irmgard Rösch ist „Bindeglied“

Als „Bindeglied“ zwischen dem 72-Jährigen und dem Freundeskreis fungiert dessen Schatzmeisterin Irmgard Rösch, geborene Geier. Sie kennt Sigurd Zapf schon sein Leben lang. „Ihre Wurzeln liegen im Kreis Tauberbischofsheim“, erzählt er im Gespräch mit den FN. Der Vater stammte aus Königheim, die Mutter aus Külsheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie 13 Jahre lang in der Kreisstadt. Hier war sie in der DLRG aktiv. Später zog sie mit ihrem Mann Hans Rösch nach Villingen.

Irmgard Rösch war 13 Jahre alt, als sie bei den Zapfs als „Kindermädchen“ wirkte. „Sie hat auf mich und meine Schwester Margot aufgepasst“, erinnert sich der Mediziner und seine Augen strahlen.

Noch heute ist er der Villingerin eng verbunden. Mit Bewunderung spricht er von dem Engagement der 85-Jährigen, die von Freunden und Helfern liebevoll „Mutter Teresa von Rumänien“ genannt werde. „Sie hat auch die passende Einstellung dazu“, betont Zapf.

Spontan hat er in diesem Jahr Röschs Einladung angenommen, einen Transport des Freundeskreises nach Oradea zu begleiten. „Und jetzt hat mich das Virus gepackt“, ist er zurückblickend von seinen auf der elftägigen Fahrt gesammelten Eindrücken begeistert – obwohl er dabei viel Armut zu sehen bekam.

Mit im Gepäck hatten die Helfer viele medizinische Geräte, die Zapf organisiert hatte. Sie waren für eine Arztpraxis in der Nähe von Brasov bestimmt. Bevor gespendete medizinische Apparate in Rumänien eingesetzt werden dürfen, werden sie von einer speziellen Kommission auf ihre Funktion überprüft, beschreibt der Tauberbischofsheimer das Prozedere. Bei den jetzt mitgebrachten Geräten sei die Zuteilung erteilt worden, schreibt Irmgard Rösch in ihrem Bericht, in dem sie den Hilfstransport zusammengefasst hat.

Die Apparaturen wie EKG, Ultraschall, Sterilisator und Einmalartikel, die in Deutschland aussortiert werden, sollen in einer Gemeinschaft ärztlicher Hauspraxen zum Einsatz kommen, welche die Verantwortlichen demnächst gründen wollen. Die beteiligten Mediziner haben vor, die Geräte untereinander auszutauschen. Denn, so Zapf: „Ein niedergelassener Arzt in Rumänien verdient umgerechnet nur 500 Euro im Monat. Und davon muss er auch das benötigte Material bezahlen.“

Einen Stopp legten die ehrenamtlichen Helfer auch bei einer Infektionsklinik in Brasov ein. Wie die Besucher dabei erfuhren, nimmt der Mangel an Fachärzten in Rumänien immer weiter zu. Wegen des schlechten Verdienstes wanderten diese zunehmend ins Ausland ab, so Rösch. Gleichzeitig werden pensionierte Ärzte, die bisher in den Kliniken noch wertvolle unbezahlte Arbeit leisteten, nach EU-Vorschrift entlassen. Somit müssen ganze Abteilungen geschlossen werden, bedauern Rösch und Zapf.

Groß sei in Pflegeeinrichtungen der Bedarf an Hilfsmitteln wie Betteinlagen und Windeln, da viele ältere Menschen keine oder nur eine ganz geringe Rente haben. Letzteres Problem bereitet auch den für das vom Freundeskreis Oradea gegründete Altersheim „Christiana“ in Sacele bei Brasov Sorgen. Überall fehle das notwendige Geld. Dennoch „ist die Versorgung der Leute vorbildlich“, lobt Sigurd Zapf.

Mit den vom Freundeskreis Villingen gelieferten Hilfsgütern wurden Secondhandläden in den Heimen eingerichtet, mit deren Erlös ein Teil der Kosten bezahlt wird. „Ohne diese Hilfe können diese sozialen Einrichtungen nicht weiterbestehen“, erklärt Irmgard Rösch.

Die Liste der Stationen, an denen die Villingerin und ihr Team mit ihren Hilfsgütern sehnlichst erwartet wurden, ist lang: Empfänger waren unter anderem ein Schüler-Internat der Caritas, ein Kinderdorf, das Deutsche Forum mit seinen 45 Zweigstellen und eine Behinderten-Organisation sowie das – nach den Worten Zapfs – „vergessene Dorf“ Pädurea Neagre (deutsch: Schwarzwald). Dort bedeute „ein Lebensmittelpaket oft echte Überlebenshilfe“, so Rösch.

Eines war überall gleich. Zapf: „Die Leute sind so dankbar für die Hilfe. Wenn man ankommt, dann strahlen sie.“ Bei diesen Worten ist dem Mediziner anzusehen, wie sehr ihn das Erlebte noch immer bewegt. So sei die Region Siebenbürgen, in der Oradea liegt, landschaftlich wunderschön und eigne sich wunderbar für Rad- und Motorradfahrer. Gleichzeitig herrsche in vielen Gegenden große Armut und Arbeitslosigkeit.

Während einst marode Straßen auch mit Geld von der EU hergerichtet sowie Bauten und Plätze in Städten saniert worden seien, verfallen auf dem Land die Häuser und landwirtschaftliche Flächen liegen brach. „Dieses Land ist schrecklich schön“, bringt der Tauberbischofsheimer diesen Kontrast auf den Punkt.

Hinzu komme, dass viele Landstriche auszusterben drohen. Zapf bestätigt Irmgard Röschs Feststellungen: „Wer noch halbwegs arbeitsfähig ist, geht ins Ausland zum Arbeiten. Auch der Mangel an Handwerkern wird deshalb immer größer. Die Häuser zerfallen zusehends und man trifft dort nur noch alte Menschen und kleine Kinder an.“ So sieht es auch in Pädurea Neagre aus. Dort lebten vor der Wende über 1000 – meist deutschstämmige – Menschen, heute sind es noch 300.

„Entwurzelungssyndrom“

Zapf ist überzeugt, dass viele Migranten fern der Heimat unter einem „Entwurzelungssyndrom“ leiden. Sie würden bestimmt „viel lieber“ in ihrer Heimat bleiben. Deshalb wäre es „viel besser, ihnen vor Ort zu helfen“. Das möchte Sigurd Zapf im nächsten Jahr wieder tun, und einen Hilfstransport nach Rumänien begleiten.