Tauberbischofsheim

„Fridays for Future“ Klima-Demo startet am Freitag um 11 Uhr am Schlossplatz / Gemeinsame Vorgehensweise abgesprochen

Die Schulleiter zeigen sich tolerant

Archivartikel

Die Schulen in Tauberbischofsheim und Lauda wollen ihre Schüler nicht bestrafen, wenn sie am Freitag an einer der Klimademonstrationen im Kreis teilnehmen.

Tauberbischofsheim/Lauda. Nichts spaltet die öffentlichen Diskussionen im Moment so sehr wie die Klimadebatte. Sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik, wird die Thematik wieder und wieder diskutiert. Selbst in den Schulen sind die Kontroversen über den Klimawandel und seine Folgen längst ein Alltagsbegleiter geworden.

Die Bewegung „Fridays For Future“, losgetreten von der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg, setzt sich dafür ein, dass die Politik mehr für den Klimaschutz tut und fordert einen radikalen Kurswechsel. Seit rund einem Jahr sind jeden Freitag, Schüler auf der ganzen Welt in den Innenstädten unterwegs und protestieren für das Klima.

Auch in Deutschland haben sich bereits viele Ortsgruppen der „FFF-Bewegung“ gebildet. Während in Großstädten wöchentlich große Demos stattfinden, beschränken sich die Kundgebungen im Main-Tauber-Kreis nur auf bestimmte Anlässe. Ein solcher Anlass ist am Freitag, wenn, im Rahmen einer weltweiten Kampagne für Klimaschutz, auch in Tauberbischofsheim Schüler auf die Straße gehen werden (die FN berichteten).

Anwesenheitspflicht für Schüler

Doch ein Streik im Beruf unterscheidet sich von einem Schulstreik in einem ganz wesentlichen Punkt: In der Schule herrscht Anwesenheitspflicht und den Schülern ist rechtlich keine Möglichkeit zum Streiken gegeben.

Dementsprechend schwer ist es auch für die Schulleiter der ortsansässigen Schulen mit Schülern, die ohne Entschuldigung dem Unterricht fernbleiben, umzugehen.

Gemeinsame Vorgehensweise

Der Schulleiter des Schulzentrums am Wört in Tauberbischofsheim, Christian Wamser; sagte gegenüber den FN: „Grundsätzlich ist Schule natürlich unpolitisch, das heißt, ich kann nicht als Bildungseinrichtung dafür werben, auf eine Demonstration zu gehen oder ihr fernzubleiben.“ Die Schulen im Raum Tauberbischofsheim hätten sich diesbezüglich aber auf einen Kurs geeinigt. „Es werden keine Schüler für die Demo freigestellt und es wird dokumentiert, wer unentschuldigt fehlt“, erklärt Wamser. „Wir haben uns aber darauf geeinigt, dass wir das Fehlen nicht bestrafen werden.“.

Auch Robert Dambach, Schulleiter der Kaufmännischen Schule Tauberbischofsheim, sieht in der Absprache eine solide Einigung: „Die Regelung ist etwas gutes. Wir können die Demo nicht aktiv bewerben, werden aber auch keine Strafen aussprechen.“.

Selbiges gelte auch für die Gewerbliche Schule und das Matthias-Grünewald-Gymnasium, wie dessen Schulleiterin Martina Schlegel auf Anfrage der FN bestätigte, sofern es sich um einen Einzelfall handele. Sollten sich diese Aktionen häufen, könne man unentschuldigtes Fehlen nicht ohne weiteres mittragen, so der einhellige Tenor der Schulleiter.

Verständnis für Anliegen

Auch in Lauda-Königshofen machen sich die Rektoren Gedanken darüber, wie mit demowilligen Schulpflichtigen umgegangen werden soll. Jochen Groß, Chef der Josef-Schmitt-Realschule Lauda, erklärte: „Wir lassen Plakatwerbung in unserer Schule gerne zu, ich habe aber noch von keinem Schüler gehört, dass er zur Demo will. Aber wir werden niemand aktiv daran hindern.“

Auch Dr. Rainer Gsell, Konrektor der Gemeinschaftsschule Lauda-Königshofen sieht in der „Fridays for Future“ Kampagne kein Problem und würde seine Schüler für die Demonstration sogar freistellen. „Auf dem Land ist das ja nicht ganz so spektakulär wie in den Städten und ich denke, dass das für uns eine einmalige Sache ist.“ Wenn sich die Aktionen im Kreis jedoch häufen sollten, müsste man sich auch hier Gedanken machen, wie mit den Fehlzeiten umzugehen ist.

Für demonstrationswillige Schüler ist also der Weg am Freitag frei, der Kundgebung in Tauberbischofsheim beizuwohnen. Zumindest an den Schulen, die in diesem Artikel auftauchen, stoßen die Jugendlichen auf keinen Gegenwind - sofern der Aktionstag in Zukunft nicht ständig wiederholt wird.