Tauberbischofsheim

Archäologie Keltische Grabhügel im Wald bei Dienstadt freigeschnitten und beschildert / Wissenschaftliche Untersuchungen stehen noch aus

Die mysteriösen Grabstätten in Dienstadt

Archivartikel

Über die frühsten Niederlassungen von Menschen gibt es keine Urkunden. So ist auch bei den Dienstadter Hügelgräbern abschließend zu klären, ob es sich um keltische Ruhestätten handelt.

Dienstadt. Die ältesten Spuren menschlichen Lebens auf der heutigen Gemarkung Dienstadt finden sich im Wald nördlich des Dorfes. Es sind mehrere Hügelgräber, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit von Kelten stammen und in den letzten Jahren durch Baumbestand und Gestrüpp kaum noch erkennbar waren. Jetzt wurden sie in ehrenamtlicher Arbeit von dichtem Bewuchs befreit; ein Info-Schild verweist seit kurzem auf die Jahrtausende alten Bodendenkmale.

Über die frühesten Niederlassungen von Menschen gibt es keine Urkunden; Nachweise ihrer Präsenz in grauer Vorzeit liefern nur archäologische Funde und Befunde. Die ältesten Siedlungsrelikte auf der Gemarkung des 1314 erstmals urkundlich erwähnten Dorfes Dienstadt sind mehrere vermutlich weit über 2000 Jahre alte Grabhügel. Einer davon liegt im Gewann „Wanne“ nahe der L 504, die drei anderen – darunter die größte der Erdaufschüttungen und ein bei Wegebaumaßnahmen vor Jahren weitgehend eingeebneter Tumulus – befinden sich ein paar Hundert Meter nordwestlich davon im „Dienstadter Wald“ neben der Zubringerstrecke zur Landesstraße Richtung Külsheim.

Von Menschen gemacht

Die Hügel sind zwar uralt, sie wurden aber erst vor wenigen Jahren in die Liste der baden-württembergischen Bodendenkmale aufgenommen, nachdem Martin Waltert als Mitglied des Organisationskomitees der Dienstadter 700-Jahr-Feier (2014) das Archäologische Landesamt auf die Erdaufschüttungen aufmerksam gemacht hatte.

Dass die mehr oder weniger auffälligen Bodenerhebungen im Wald oberhalb von Dienstadt in der Frühgeschichte von Menschenhand geschaffen wurden, ist bereits vor Jahrzehnten unter anderem vom Forscher Hugo Stang festgestellt worden. Dieser verwies im 1955 erschienenen Buch „Tauberbischofsheim – Aus der Geschichte einer alten Amtsstadt“ auf etliche Grabhügel in der Region, darunter in Dienstadt, die er der Hallstattzeit (circa 800 bis 400 vor Christus) zuordnete.

Tatsächlich ist, wie auch im Dienstadter Heimatbuch (2014) beim Blick in die Vorgeschichte beschrieben wird, davon auszugehen, dass das mittlere Taubertal zwischen 1800 und 800 vor Christus allenfalls spärlich besiedelt war und es im Gebiet westlich der Tauber und damit auch auf der heutigen Dienstadter Gemarkung in der Jungsteinzeit und bis hinein in Hallstattzeit (benannt nach einem großen Gräberfeld am Hallstätter See in Österreich) gar keine Besiedlung gegeben hat. Ab dem 6./5. Jahrhundert vor Christus lebten in der Region die geheimnisumwitterten Kelten, deren Stämme in ganz Europa verbreitet waren. Die Kelten gelten zwar als das erste namentlich bekannte Volk Mitteleuropas, sie selbst haben von sich indes keine schriftlichen Überlieferungen hinterlassen. Beschreibungen liefern neben wenigen Berichten antiker griechischer und römischer Schreiber vor allem die Comic-Figuren Asterix und Obelix. Fest steht, dass die Kelten hervorragende Ackerbauern, Viehzüchter und Eisenschmiede waren und Fernhandel betrieben. Archäologische Funde dokumentieren eine ausgeprägte Kultur und hoch entwickelte soziale Strukturen der keltischen Stämme, die das heutige Südwestdeutschland bis ins 1. Jahrhundert vor Christus prägten.

So sind auch in der Region viele Zeugnisse keltischer Geschichte zu Tage gefördert worden, insbesondere aus der Latene-Zeit (jüngere Eisenzeit) – vom eindrucksvollen Oppidum Burgstall bei Finsterlohr, einer stadtartig angelegten Siedlung, über die ebenfalls eindrucksvolle Keltenschanze bei Brehmen bis hin zu kaum beachteten Grabhügeln wie in Dienstadt. Auf diese Zeugnisse frühesten menschlichen Lebens wollte man schon im Rahmen des 700. Jubiläums der urkundlichen Ersterwähnung Dienstadts aufmerksam machen.

Mangels näherer Informationen blieb es aber bei der Absicht. Nachdem die schon zuvor im Wald kaum erkennbaren Erdaufschüttungen in den letzten Jahren weiter zugewachsen waren, hat Albert Blank in den vergangenen Monaten in ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen nach Absprache mit dem Revierleiter und der Ortschaftsverwaltung das teils dichte Gestrüpp und kleinere Bäume entfernt, so dass sich die Konturen der Bodendenkmale wieder deutlich abzeichnen. Am Waldweg in der Nähe der größten Erdaufschüttung weist seit einigen Wochen ein auf einem Findling angebrachtes Schild die Wanderer und Spaziergänger auf die Spuren der ersten Dienstadter hin. Der frühere Ortsvorsteher Herbert Häfner hat den mächtigen Stein besorgt, antransportiert und zusammen mit Albert Blank aufgestellt, der sich dann auch um die Beschilderung kümmerte.

Verwandte von Asterix und Co.

Ob es sich bei den Erdaufschüttungen im Wald bei Dienstadt tatsächlich um eisenzeitliche und somit um keltische Grabhügel handelt, ist allerdings noch nicht zweifelsfrei geklärt, denn wissenschaftliche Untersuchungen haben laut Datenbank des Archäologischen Landesamtes noch nicht stattgefunden. Somit bleibt auch offen, was sich im Untergrund verbirgt. Es ist jedoch ziemlich wahrscheinlich, dass die Hügelgräber von den ersten Menschen angelegt wurden, die vor über 2000 Jahren dauerhaft auf Dienstadter Gemarkung zu Hause waren, sozusagen Verwandte von Asterix und Co.