Tauberbischofsheim

Lionsclub Tauberbischofsheim Vortragsveranstaltung mit Professor Dr. Wolfgang Reinhart zum Thema Europa

„Die europäische Idee weiterentwickeln“

Main-Tauber-Kreis.„Gerade in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen um den Brexit gilt es die Europäische Idee weiterzuverfolgen und weiterzuentwickeln“, so der Landtagsabgeordnete für den Main-Tauber-Kreis, Professor Dr. Wolfgang Reinhart, anlässlich seines Vortrags vor dem Lions Club Tauberbischofsheim. Der Club hat das Thema Europa in diesem Jahr als Schwerpunkt seiner Clubarbeit definiert.

Wenn sich in diesen Tagen der deutsche Überfall auf Polen zum 80. Mal jährt, werde erneut bewusst, wie wertvoll diese längste Friedensperiode in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs sei, so Reinhart zu Beginn seiner Ausführungen. Die Idee eines vereinten Europas, die in der Stimmung nach der Katastrophe des Weltkriegs geboren wurde, habe bis heute nichts von ihrer Faszination verloren. Auch Helmut Kohl habe dies treffend formuliert: „Europa ist unsere Zukunft. Europa ist unser Schicksal.“ Letzteres mache sich aktuell besonders vor dem Hintergrund des „politischen Dramas“ des Brexits bemerkbar. Dieses hätte so auch aus der Feder des britischen Literaten Shakespeare stammen können, so Reinhart. Beinahe täglich würden die Bürger des Vereinten Königreichs mit neuen ungeahnten Wendungen konfrontiert. Diese Entwicklung schade auch der gesamten europäischen Gemeinschaft. Die Wirtschaft reagiere zunehmend nervös. So habe die Finanzindustrie bereits über 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien abgezogen. Auch die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook sei hier ein weiteres Kapitel der turbulenten Geschichte.

Enger zusammengerückt

Jedoch habe der Brexit auch eine positive Auswirkung: Die übrigen 27 Staaten Europas seien enger zusammengerückt. Sie eine die klare Haltung gegenüber dem Brexit. Dies sei eine große Chance, auch den Bürgern Europas die Vorteile des geeinten Europas vor Augen zu führen. In einer sich ändernden Welt müsse das geeinte Europa seinen Platz immer aufs Neue behaupten. Dies sei nur in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Staaten möglich. Die Herausforderungen für das weltweit einmalige Gebilde aus souveränen Staaten seien mit Blick auf Grundrechte, Rechtsstaat und Demokratie immens. „Mit Populismus, Nationalismus und Protektionismus ist für uns Europäer im 21. Jahrhundert nichts zu gewinnen“, so Reinhart. Nur gemeinsam sei man stark. Im Konzert der Welt wolle man auch künftig die „erste Geige“ spielen, nicht „nur die Triangel“.

Gerade Baden-Württemberg profitiere vom europäischen Binnenmarkt. Die Exporte in die EU von über 105 Milliarden Euro pro Jahr erhöhten das Einkommen im Land um 13,2 Milliarden Euro für die Bürger. Die äußerst niedrige Arbeitslosenquote von nur 2,7 Prozent im Main-Tauber-Kreis sei eine der positiven Auswirkungen dieser wirtschaftlichen Entwicklung. Auch der ehemalige Ministerpräsident des Landes, Erwin Teufel, habe betont: „Jeder, der bei Verstand ist, ist Europäer.“ Die Menschen im Land dürften kein negatives Bild der einzigartigen Konstruktion der Europäischen Union bekommen. Dies sei oftmals bei Themen wie der Datenschutzgrundverordnung oder besonders bei der Frage der Verteilung von Geflüchteten im Mittelmeerraum keine einfache Aufgabe. Die Ergebnisse der letzten Europawahlen im Mai hätten gezeigt, dass viele Menschen in Europa mit der aktuellen Politik nicht zufrieden sind. Dies müsse Ansporn für alle Politiker in den 27 Staaten sein, die Menschen wieder für die europäische Idee mit all ihren Vorzügen zu begeistern, denn nur so sei eine Fortschreibung dieser einmaligen Erfolgsgeschichte möglich, so Reinhart abschließend.

Präsident Reinhold Rüger und Past Präsident Dieter Braun vom Lionsclub Tauberbischofsheim dankten Reinhart für den Einblick in die Historie und die aktuellen Herausforderungen Europas. Als Lionsclub verstehe man sich auch als Multiplikator innerhalb der Gesellschaft um die Europäische Idee weiterzuentwickeln. lctbb