Tauberbischofsheim

Integration Ali A. Rezaei hat Anfang Februar seine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Mechatroniker abgeschlossen und wurde als Geselle unbefristet übernommen

Das Können und die gute Hand zählen

Archivartikel

Vor eineinhalb Wochen hat Ali A. Rezaei seine Ausbildung als Mechatroniker abgeschlossen. Ein nicht immer einfacher, aber letztlich erfolgreicher Weg mit viel Unterstützung liegt hinter ihm.

Tauberbischofsheim. Ali A. Rezaei strahlt Zufriedenheit aus. Seit Oktober vergangenen Jahres lautet der Aufenthaltsstatus des 31-Jährigen unbefristet. Genauso wie der Arbeitsvertrag, den er seit Abschluss seiner Lehre in der Tasche hat. Sein Chef Manuel Arlt, Geschäftsführer des Karosserie- und Lackierzentrums Taubertal, ist voll des Lobs über seinen Mitarbeiter. Für ihn ist es selbstverständlich, einen so guten Mann zu halten. „Ich versuche selbst, meine Auszubildenden heranzuziehen und sie dann zu übernehmen“, sagt er.

Ali A. Rezaei kommt aus Afghanistan. Nach dem Tod seines Vaters floh er aus politischen Gründen mit Mutter und Schwester nach Deutschland. Sein Vater war Goldschmied, ein Beruf, den auch er wählte. „Seit ich sieben Jahre alt war, ging ich den halben Tag zur Schule, um anschließend im Geschäft meines Vaters mitzuhelfen“, erzählt er. In seiner Heimat hatte er sich einiges aufgebaut: ein eigenes Geschäft, ein Haus. Doch die politische Situation, die ständige Bedrohung durch die Taliban ließen die Hoffnung auf eine Zukunft in Afghanistan dahinschmelzen. Letztlich blieb im September 2010 nur die Flucht.

Belastende Zeit

Von der damaligen zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Karlsruhe ging es für die Familie nach Bad Mergentheim in die Unterkunft „Zwischen den Bächen“. „Obwohl ich Arbeit hätte finden können, durfte ich dreieinhalb Jahre nicht arbeiten“, beschreibt Rezaei die für ihn äußerst belastende Zeit. Denn er wollte etwas tun und nicht bloß den Tag totschlagen. „Das war furchtbar“, sagt er, „eine verlorene Zeit in meinem Leben.“ Auch einen Deutschkurs bekam er damals, anders als heute, lange nicht bewilligt.

Dreieinhalb Jahre dauerte es, bis der junge Mann seine Anerkennung von den deutschen Behörden erhielt. Gemeinsam mit Mutter und Schwester, die derzeit eine Ausbildung zur Krankenschwester in Bad Mergentheim absolviert, zog er um, lernte Deutsch, machte den Führerschein. Beim damaligen Besitzer des Karosserie- und Lackierzentrums, Stefan Münch, fand er den Ausbildungsplatz in Tauberbischofsheim.

Manuel Arlt hat Ali A. Rezaei bei der Übernahme des Betriebs als Azubi weiterbeschäftigt und fertig ausgebildet. „Er hat immer zu mir gesagt: Ali, du musst Gas geben“, berichtet der junge Mann, der mittlerweile verheiratet und stolzer Vater eines Sohnes ist. Diesen Rat hat er beherzigt.

Pauken am Wochenende

Er lernte Deutsch, paukte auch am Wochenende und nahm die ihm angebotene Hilfe gerne an. Arlt hatte einen früheren Meister engagiert, der ihm den letzten Schliff bei Fachbegriffen versetzte, sowie einen Deutschlehrer. Darüber hinaus nahm Ali A. Rezaei die ausbildungsbegleitenden Hilfen beim Kolping-Bildungswerk wahr. Alle Mühen haben sich gelohnt, die Ausbildung ist geschafft.

Das freut auch Manuel Arlt. Als Chef hat er einen Blick dafür, ob jemand etwas kann oder nicht. „Nach ein oder zwei Wochen zeigt sich, ob jemand eine gute Hand hat“, so seine Erfahrung. Wenn das so ist, eröffnet er Chancen, egal ob jemand Deutscher ist oder aus einem anderen Land kommt. Vorurteile hat Arlt nicht. Er setzt vielmehr darauf, Menschen zuzuhören und sie kennenzulernen. Da seien schon harte Schicksale dabei, weiß er. Er habe allerdings auch schon erlebt, dass Kunden nicht mehr kämen, weil er „Asylanten“ beschäftige.

Was Arlt auch ein wenig ärgert, ist die Vorspiegelung falscher Tatsachen von Eingliederungsinitiativen. Da werde manchmal von Fähigkeiten geschwärmt, die beim Praxistest keinen Bestand hätten, so seine Erfahrung. Manuel Arlt will motivierte Leute mit Geschick, die ins Team passen.

„Die Jungs, die bei mir rauskommen, sind gute Gesellen“, ist er überzeugt. Das zeige sich auch daran, dass jemand, der Arbeit in einer anderen Stadt sucht, ruckzuck einen neuen Job hat, wie gerade bei einem Ausgelernten geschehen.

Froh und dankbar

Ali A. Rezaei ist froh über seine Festanstellung nach der Ausbildung. Daran, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen, der vielleicht näher an seinem Wohnort liegt, hat er nie gedacht. Rezaei: „Die Firma hat mir so viel geholfen. Es wäre undankbar, zu gehen.“