Tauberbischofsheim

Pfarrkirche St. Martin Organist Matthias Wamser widmete dem vor 20 Jahren verstorbenen Musikpädagogen und Komponisten Heinz Auner ein Konzert

Das Erscheinungsfest stand im Mittelpunkt der Kompositionen

Tauberbischofsheim.Dem Gedenken an einen verdienten, zu Lebzeiten von vielen hoch geschätzten Musiker und Musikpädagogen war ein Konzert gewidmet, das der Organist Matthias Wamser in der zu diesem Anlass gut besuchten Martinskirche gab.

Geschätzter Musikpädagoge

Heinz Auner (1921 bis 1999), an dessen Person und Wirken hier erinnert wurde, ein studierter Kirchen- und Schulmusiker war von 1966 bis zu seiner Pensionierung 1984 Musiklehrer am Matthias Grünewald Gymnasium und wirkte darüber hinaus auf zahlreichen Veranstaltungen im Main-Tauber-Kreis als Dirigent, Organist, Pianist beziehungsweise Cembalist, engagierte sich bei der Gründung der Richard-Trunk-Musikschule und gab darüber hinaus zahlreichen Schülern aus der Region Privatunterricht.

Sein besonderes Interesse galt zudem dem Theater, er trat dabei als Regisseur und Schauspieler in Erscheinung und sorgte bei dem von ihm geleiteten Schulaufführungen für die Textbücher und die Bühnenmusik. Viele, die zu seiner Zeit das Gymnasium besucht haben, werden sich an sein Wirken und seine eigenwillige Persönlichkeit lebhaft erinnern. Last but not least schrieb Auner auch Kompositionen für sein Lieblingsinstrument, die Orgel, mit denen er freilich nur selten in die Öffentlichkeit trat.

Ein Schüler von Heinz Auner, der aus Tauberbischofsheim stammende und gegenwärtig in Basel tätige Kirchenmusiker, Chorleiter und Organist Matthias Wamser war vom Verein Tauberfränkische Heimatfreunde gebeten worden, mit einem Konzert an den vor gut 20 Jahren verstorbenen Organisten und Komponisten zu erinnern. Er nutzte die Gelegenheit, zuvor in einer kleinen Einführung einzelne Züge der Persönlichkeit des Lehrers und Musikers ins Gedächtnis zu rufen. Dabei fügte er auch eigene Erinnerungen hinzu und sprach von der „komödiantischen Ader“ Auners, seinem zuweilen sarkastischen Humor, aber auch von seiner persönlichen Bescheidenheit.

Inhaltlich bezog sich das knapp einstündige Orgelkonzert in der Martinskirche auf das Erscheinungsfest, gegeben wurden Stücke von Komponisten, die der Musiker Auner verehrte, denen er sich vielleicht auch wesensverwandt fühlte. Darunter zählten natürlich Bach, aber auch der große Organist und Komponist Max Reger(1873 bis 1916) und schließlich auch Johann Nepomuk David(1895 bis 1977), ein österreichischer Musiker, der als Komponist, Organist und Lehrer in Leipzig und Salzburg wirkte und in den verschiedenen Gattungen der Vokal- und Instrumentalmusik, vor allem aber der Kirchenmusik, fruchtbar war. Von ihm wurden drei Ricercare, eine von der Renaissance herrührende Gattung, und das Choralvorspiel „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ gegeben: Erstere bildeten mit ihrem sparsamen, fast asketischen Klangbild und der meditativen Haltung einen ruhenden Pol in der Nummernfolge des Konzerts, während Davids Vorspiel zu der Choralmelodie von Philipp Nikolai in seiner klaren und schlichten Eindringlichkeit einen aufschlussreichen Gegensatz zu der zuvor gespielten Version des gut 20 Jahre älteren Max Reger bildete: Hier war noch etwas vom romantischen Geist der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg zu spüren, sowohl in den sphärischen, entrückt wirkenden Klangfarben der Einleitung als auch in den manchmal pompös anmutenden, akkordischen Steigerungen zum Schluss, ebenso in Regers Choralvorspiel zu „Nun komm der Heiden Heiland“ mit seiner durch das gedämpfte Kolorit erzeugten, geheimnisvollen Stimmung.

Jedenfalls muss sich die zwischen 1984 und 1987 entstandene, bis heute wahrscheinlich nur einmal ( kurz nach ihrer Entstehung in der Stiftskirche in Wertheim) aufgeführte, vierteilige Choralsonate von Heinz Auner vor den Stücken seiner Kollegen keineswegs verstecken: Sie besteht aus einer Bearbeitung von vier Adventsliedern und stellt eigentlich die „modernste“ Musik dar, die in diesem Konzert gespielt wurde, allerdings im Sinne der „klassischen“ Moderne der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die in ihrem Kern auf die nun freier behandelten, tonal erweiterten Stile der Renaissance- und Barockepoche zurückgeht.

Kompositionen Auners

Matthias Wamser, der die Komposition schon zu seiner Zeit als Schüler Auners kennengelernt hatte, hob in seiner Einführung das „Spannende“ und „Faszinierende“ seiner Orgelkompositionen hervor, und dies bestätigte sich beim Hören der Stücke, die mit „Chaconne“, „Toccatina“(also kleine „Toccata“) und „Fantasie“ überschrieben sind. Dazu kommt noch ein klassischer Orgelchoral über die Melodie „Im Ernst ihr Menschenkinder“. In der (bei diesem Konzert zweimal gespielten) Chaconne über „Nun komm der Heiden Heiland“, dem Adventslied von Martin Luther, wird die Weise, nur kurz vorgestellt, sogleich verarbeitet, fragmentiert und in verschiedene Stimmen und Tonlagen aufgefächert, noch stärker in der munteren und farblich brillanten Toccatina über „Ihr lieben Christen freut euch nun“, die bald in eigenwillige, originelle Dissonanzen und Akkordballungen mündet, der folgende Orgelchoral weist eine ernste, verhaltene und relativ einfache Sprache auf, wogegen in der (ebenfalls mit geringen Veränderungen zweimal vorgetragenen) Fantasie über „Nun jauchzet all ihr Frommen“ die oft jähen Wendungen und überraschenden Einfälle des Orgelkomponisten womöglich noch stärker in den Vordergrund treten. Das macht jedenfalls Neugier auf mögliche weitere Entdeckungen aus dem hinterlassenen Werk von Heinz Auner . . .

Schlussendlich durfte bei dem Gedenkkonzert in der Martinskirche auch das Alpha und Omega der Kirchenmusik in Person von Johann-Sebastian Bach nicht fehlen: In den sinnigerweise an Anfang und Ende gesetzten, von Matthias Wamser souverän interpretierten Präludium und Fuge C-Dur BWV 547. the