Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Winken oder „Meldeknopf“

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Es war eines der ganz besonders schönen Erlebnisse während der Corona-Krise, die es ja zum Glück auch immer mal wieder gibt: Unser Sohn hat nach Wochen der Trennung von Freunden und Schulkameraden endlich mal wieder die Gelegenheit bekommen, wenigstens ein paar seiner Kollegen zu sehen.

Auf Initiative seiner Klassenlehrerin wurde ein Gruppenchat via Internet organisiert. So hatten immer mehrere Kinder der Klasse Gelegenheit, sie und eine Hand voll andere Schüler am heimischen Bildschirm zu sehen.

Das Ganze ist gut organisiert. Die Lehrerin hat die Eltern über die technischen Voraussetzungen sowie den Zeitpunkt des Treffens im Vorfeld informiert. Nun wird dieses besondere Ereignis von unserem Erstklässler mit Spannung erwartet, um nicht zu sagen herbeigesehnt.

Überpünktlich sitzt der kleine, große Junge vor dem Bildschirm und fragt, wann man denn da endlich mal jemanden sieht. „Ganz ruhig“, sagen wir, „es ist gleich soweit“.

Offenbar war die Vorfreude auf dieses multimediale Wiedersehen bei den anderen Kindern genauso groß. Denn als sich die Lehrerin zuschaltet und in die Kamera lächelt, sind alle sieben Mädchen und Jungen der Gruppe längst online.

Anfangs ist das Ganze noch etwas steif. Die jungen Schüler sitzen ganz still und ehrfürchtig auf ihren Stühlen und blicken gebannt auf die acht kleinen Videofenster. Die Lehrerin übernimmt die „Moderation“ und erklärt zunächst die Spielregeln. Im Prinzip läuft es wie im Klassenzimmer. Wer etwas sagen möchte, muss sich erst melden, sonst droht Kuddelmuddel. Entweder winken oder den „Meldeknopf“ drücken, lautet das Motto. Und das läuft gut.

Nach kurzer Eingewöhnung sind die Kinder voll bei der Sache. Es gibt kein Halten mehr. Alle erzählen, was sie so treiben während Corona, zeigen gebastelte Werke oder neues Spielzeug in die Kamera und freuen sich tierisch, einander zu sehen und zu hören.

Die Lehrerin erzählt ein bisschen und stellt verschiedene Fragen in die Runde. Etwa, was den Kindern an der schulfreien Zeit gefällt. Die einhellige Antwort: Dass sie morgens länger schlafen können. Bei der Frage, was sie sich wünschen, herrscht ebenfalls Einigkeit: „Dass Corona endlich vorbei ist und wir wieder in die Schule und unsere Freunde sehen können.“

Als das Treffen endet, haben meine Frau und ich Pipi in den Augen. Es war so berührend zu beobachten, wie sich die Kinder freuten und wie gut ihnen dieses Treffen tat. Bald seht Ihr Euch alle wieder – dann (hoffentlich) im echten Klassenzimmer!

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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