Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Pirschfahrt mit Disco

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Eigentlich will ich nach dem Rasenmähen nur schnell Grüngut wegfahren. Als ich mich verabschiede, kommen beide Kinder angerannt – sie wollen mitfahren. „Ok“, sage ich, „also rein mit Euch.“

Auf dem Weg sagt mein Sohn, ich soll langsam fahren, er will ein Reh sehen. Seine Schwester ergänzt, dass sie gerne einen Hirsch am Waldrand entdecken möchte. „Das mit dem Reh ist realistisch, die Sache mit dem Hirsch eher unwahrscheinlich“, ordne ich kurz die Erfolgsaussichten ein.

Aber das interessiert die beiden nicht. Nachdem wir die Hauptstraße verlassen haben und den Waldrand entlang fahren, sind sie längst im Suchmodus. Ich lasse den Wagen langsam rollen, die Pirschfahrt hat begonnen. Leider ist wenig los auf den Feldern. In der Vergangenheit hatten wir schon öfter mal mehr Glück. Außer ein paar Krähen und Spatzen ist kein Tier zu sehen.

„Mach mal Musik“, sagt meine Tochter plötzlich in die Stille hinein. „Bitte“, sage ich. „Bitte“, sagt sie, „aber laut“.

Das passt ja gut zu einer Pirschfahrt, denke ich mir, starte meine Playlist und drehe am Lautstärkeregler. Der folgende „Dialog“ ist ungekürzt: „Weiter“ (Sohn), „weiter“ (Tochter), „gut“ (Sohn), „blöd, weiter“ (Tochter), „ja, gut, lassen und lauter“ (beide). Endlich haben wir ein Lied gefunden, das die beiden Herrschaften in den Kindersitzen gut finden. Im Rückspiegel sehe ich die Kleine mit dem Kopf nicken, während sie weiter die Umgebung nach einem Hirsch absucht.

Ich bin froh, dass die beiden eher auf Metallica und Volbeat abfahren, als auf DJ Ötzi oder Helene Fischer. Insofern macht mir die ausgedehnte Kriechtour ebenfalls viel Spaß. Das Grüngut haben wir längst abgeladen. Die ganze Aktion dauert statt 15 Minuten eine ganze Stunde. Meiner Frau tat die kleine Auszeit aber auch ganz gut. Insofern hatten alle was davon.

Als wir wieder in den Hof fahren, ist es extrem ruhig geworden auf der Rücksitzbank. Kein Wunder, denn meine beiden Strategen sind auf der Disco-Pirschfahrt bei voller Pulle Hardrock einfach eingepennt. Ich nehme an, sie träumen von Rehen und Hirschen mit langen Haaren und Lederjacken.

Kaum habe ich den Motor abgestellt, sind die beiden aber auch schon wieder wach. Und beschweren sich, dass die Musik aus ist und sie jetzt aussteigen müssen. „Mensch Papa, wir haben doch noch gar kein Reh gesehen“, protestiert mein Sohn. „Und keinen Hirsch“, schimpft meine Tochter. „Doch“, entgegne ich, „im Traum.“

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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