Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Mein lieber Kokoschinski

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Herzlichen Glückwunsch. Sie haben jetzt zehn Wochen Ausnahmezustand hinter sich. Überstanden. Geschafft. Gemeistert. Wie Sie wollen. Auf jeden Fall sind sie rum. Das muss man erstmal realisieren, um dann festzustellen, was für eine verdammt lange Zeit das ist. Und wie schnell (trotz allem) sie verging.

Den ganz Genauen, die jetzt den Finger heben, weil es ja erst am Dienstag (26. Mai) soweit ist, dass Schulen und Kindergärten in Baden-Württemberg seit zehn Wochen geschlossen sind, sage ich: „Mir egal. Für mich sind das zehn Wochen, weil jetzt das zehnte Mal Wochenende ist. So.“

Und wenn ganz Schlaue jetzt feststellen, dass die Schulen und Kitas ja längst wieder geöffnet haben, dann antworte ich zwar noch freundlich, aber doch sehr bestimmt: „Aber halt nur für einen ganz kleinen Teil der Kinder.“

Ich glaube, wir sind uns einig darin, dass die allermeisten Familien mit kleinen Kindern die „volle Dröhnung“ abbekommen und die ganzen zehn Wochen durchgehalten haben. Blieb ihnen ja auch nix anderes übrig. Und wenn ein Kind mal ein paar Stunden in die Schule oder in den Kindergarten durfte, dann in aller Regel nicht, damit Papa oder Mama (oder beide) mal die Füße hochlegen konnten (was sie sich sicher verdient hätten), sondern um ihnen zu ermöglichen, arbeiten zu gehen. Um dann wieder nach Hause zu hetzen und die Kinder abzuholen, zu bespaßen, sie zu trösten, mit ihnen zu spielen und zu lernen, und sie satt zu machen. Aber ich schweife mal wieder ab. Eigentlich wollte ich die Gelegenheit nutzen und anlässlich des zehnten Wochenendes seit dem „Shutdown“ alle Mütter, Väter und Erziehungsberechtigten, aber auch alle Kinder, alle großen Schwestern und Brüder mal so richtig amtlich hochleben lassen (denken Sie sich jetzt bitte einen Konfettiregen).

Zehn Wochen. So lange am Stück habe ich nie meine Eltern mit meiner durchgehenden Anwesenheit beehrt, ohne wenigstens mal für ein paar Stunden am Tag in Schule oder Kindergarten zu verschwinden. Oder zu meinen Kumpels. Oder zum Sportverein. Oder, oder, oder.

Mein lieber Herr Gesangsverein. Oder, wie es der Opa im Ruhrgebiet sagen würde: Mein lieber Kokoschinski. Das hat einfach großen Respekt verdient, denn das ist, wenn man es genau nimmt, absoluter Rekord. Und den wird – so hoffe ich für uns alle – niemals wieder jemand nur annähernd in Gefahr bringen.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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