Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: „Klinik der Kuscheltiere“

Archivartikel

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Dass kleine Kinder gerne Arzt und Patient spielen, ist nicht neu. Das obligatorische Köfferchen mit Spritze, Schere, Fieberthermometer, Stethoskop, Pinzette, Hämmerchen, Pflaster und Puder gehört zum Inventar von vielen Kinderzimmern.

Ich selbst bin schon oft behandelt und operiert worden und habe schwere Wunden (verursacht beispielsweise durch eine Piratenmuskete oder ein Ritterschwert) und gefährliche Krankheiten dank der professionellen ärztlichen Betreuung durch meine Kinder immer gut überstanden.

Die Tage habe ich mich mal wieder einen Stock höher geschlichen, nachdem es im Obergeschoss bestimmt eine halbe Stunde so ruhig blieb, dass ich misstrauisch wurde. Wenn beide Kinder alleine oben sind, ist schon eine Viertelstunde eine lange Zeit. Egal.

Nachdem ich ein verwaistes Zimmer meines Sohnes vorfinde, horche ich an der Kinderzimmertür seiner Schwester und nehme ganz leise Stimmen wahr. Sie unterhalten sich und überlegen offenbar gerade, wie sie irgendwas ganz Wichtiges möglichst schnell geregelt bekommen. Ich frage mich, was da wieder im Busch ist.

Als ich vorsichtig die Tür öffne und bereits mit bemalten Wänden oder beschädigten Einrichtungsgegenständen rechne, blicke ich in ein Zimmer, in dem auf dem ganzen Boden Kuscheltiere liegen – in Reih und Glied. Bären, Eule, Pferd, Drache, Schwein, Hase, Einhorn und Co. – insgesamt bestimmt 20 Tiere und Fabelwesen. Die meisten zugedeckt, manche auf dem Bauch liegend, manche auf dem Rücken.

Inmitten dieser Szene stehen meine Kinder. Der eine mit Stethoskop um den Hals, die andere mit Schleife um den Kopf und Spritze in der Hand. Beide tragen Mundschutz und schauen mich ernst an, können ein Grinsen unter der Maske aber kaum unterdrücken.

„Pssst Papa. Leise sein. Das ist ein Krankenhaus“, sagt mein Sohn. „Die haben alle Corona und müssen schlafen“, ergänzt meine Tochter während sie einem dicken Igel die Spritze in den Po rammt. Ich frage, wie es den Patienten denn geht. „Manchen sehr schlecht, manchen schon besser“, erklären mir die kleinen Ärzte ernst und weisen mich darauf hin, dass ich eigentlich auch eine Maske tragen müsse, aber das ja nur ein Spiel sei. Mir fällt nichts ein, was ich dazu sagen soll. Also schweige ich, beobachte das Schauspiel und bin mal wieder verblüfft, wie präsent, aber auch selbstverständlich dieses Virus und der Umgang damit im Alltag unserer Kinder geworden ist.

„Keine Sorge Papa. Alle werden wieder gesund“, schiebt mein Sohn nach, als wolle er mich beruhigen. „Da bin ich aber froh“, entgegne ich und verlasse die „Klinik der Kuscheltiere“ – mal wieder total geplättet.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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