Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Internet kaputt

Archivartikel

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Ein ganz normaler Corona-Tag: Mama ist im Homeoffice verschwunden und schlägt sich mit den Tücken der Arbeitswelt herum. Papa hat Kurzarbeit und übernimmt den Betreuungsdienst für die Rasselbande.

Plötzlich ein Schrei. Das wäre jetzt nicht weiter ungewöhnlich, käme er aus einem der Kinderzimmer im Obergeschoss, oder aus dem Garten. Doch die Kinder stehen putzmunter neben mir und der Schrei kommt aus dem Büro, dem sich jetzt zehn Beine (Papa, Sohn, Tochter und unser Dackel) im Laufschritt nähern.

Auf dem Weg hören wir erneut Schreie, die sich anhand der Wortwahl eindeutig als lautstarkes Fluchen definieren lassen. Unser Schritt wird langsamer. Vorsichtig öffne ich die Tür und alle vier stecken von oben nach unten ihre Köpfe durch den Türspalt. Wir sehen meine Frau, wie sie wild fluchend auf ihrer Tastatur herumhackt.

Aus Erfahrung wissen wir, dass jetzt behutsames Vorgehen gefragt ist. „Was ist passiert?“, frage ich vorsichtig. „Hast Du Dir weh getan?“, fragt unser Sohn besorgt. „Was hast Du kaputt gemacht?“, schließt sich unsere Tochter etwas weniger sensibel an, während Joschi IV ganz aufgeregt an Frauchen hochspringt.

„Der blöde Computer ist abgestürzt. Und ich hatte nicht gespeichert“, bricht es aus ihr heraus. Die Kinder bemerken sofort, dass der Rechner noch immer an seinem Platz steht. Ich komme ihnen zuvor und sage, dass vermutlich nicht der Computer streikt, sondern die Onlineverbindung. Kurz darauf haben wir Klarheit. Wir sind offline.

„Das Internet ist kaputt, so ein Mist. Ich krieg die Krise. Das war wichtig. Wie soll ich denn so arbeiten?“, quillt es aus meiner Frau heraus, während ich versuche, die Verbindung wieder herzustellen.

Wenig später muss sie trotz allem schallend lachen, und ich auch. „Die Oma hat das Internet kaputt gemacht“, sagt nämlich mein Sohn im Brustton der Überzeugung. Seine Schwester pflichtet ihm bei. „Genau, das hat die Oma gemacht.“ Es dauert einen Moment, dann dämmert uns, wieso jetzt die arme Großmama schuld sein soll. Wir haben vor einiger Zeit ein Buch vorgelesen, das hatte den Titel „Der Tag, an dem die Oma das Internet kaputt gemacht hat“ (Autor Marc-Uwe Kling). Das hat offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen.

Nachdem sich alle wieder etwas beruhigt haben, können wir den Kindern glaubhaft versichern, dass die Oma unschuldig ist. Kurz darauf steht die Leitung wieder und das Homeoffice geht wieder in Betrieb. Die Daten sind auch noch da. Waren gesichert. Alles gut – ein ganz normaler Corona-Tag eben.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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