Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Comeback der Kassette

Archivartikel

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Im Zeitalter von CD, MP3, Podcast und Co ist ein gutes, altes Stück Plastik total in Vergessenheit geraten. Viele Kinder wissen heutzutage gar nicht mehr, was eine Hörspielkassette ist. Ich habe diese Tonbandträger in meiner Kindheit so geliebt.

Als Teenager wäre ich sicher so manche Nacht schwerer in den Schlaf gekommen, hätte ich nicht Teil der spannenden Abenteuer von Justus, Peter und Bob von den „Drei ???“, Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby von „TKKG“, oder Julian, Dick, Anne, George und Timmy, dem Hund von den „Fünf Freunden“ sein können.

In den Wochen der Corona-Pandemie ist es ein geradezu erfreulicher Nebeneffekt, dass ich so richtig schön in Kindheitserinnerungen schwelgen und das Comeback der Kassette feiern kann. Mit meinem Sohn habe ich dafür den perfekten Gefährten.

Während wir gemeinsam Playmobil oder Lego spielen, läuft eigentlich immer eine Kassette, und – das ist faszinierend – an vielen Stellen kann ich oft noch den Text mitsprechen. 25 bis 30 Jahre nachdem ich sie zuletzt angehört habe. Und so sitzen wir da oben stundenlang, spielen und hören andächtig zu. Herrlich. Das ist viel besser als fernsehen.

Selbst meine Tochter ist gerne dabei, auch wenn sie den wilden Detektiv-Geschichten noch nicht so folgen kann. Aber: Kassette hören hat definitiv etwas Beruhigendes. Das ist fast schon meditativ. Man begibt sich tief in eine Fantasiewelt, wo ein Abenteuer das nächste jagt und am Ende immer das Gute gewinnt. Natürlich habe ich aus meiner „historischen Sammlung“ einiges aussortiert, was für einen Siebenjährigen noch zu spannend ist. Da sind noch Schätze wie die Klassiker „20 000 Meilen unter dem Meer“ und „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“, die schon so alt sind, dass beim Abspielen immer ein lautes Rauschen zu hören ist. Ich freue mich schon drauf.

Der „Hörstoff“ geht uns jedenfalls nicht aus. Außerdem – Sie kennen das vielleicht – hat man schnell seine Lieblingsepisoden, die man immer und immer wieder hört. Zwischendurch gibt es auch mal ein altes Märchen wie „Ali Baba und die 40 Räuber“.

Bei „Die zertanzten Schuhe“ wurde meine Tochter hellhörig und meldete dann auch gleich für „Rotkäppchen“, „Der gestiefelte Kater“ und „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ Besitzansprüche an. Ihr Bruder war schlau genug zuzustimmen und ihr die Kassetten zu überlassen. Das sorgt nämlich dafür, dass die beiden sich zumindest zeitweise in Ruhe lassen und jeder für sich abtaucht, in die Welt der Sagen, Märchen und Abenteuer.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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