Tauberbischofsheim

Corona-Kolumne: Anruf aus dem All

Archivartikel

Fabian Greulich zum Familienleben während der Corona-Krise

Was würden wir nur ohne unsere Verkleidungskisten machen? In den letzten Jahren hat sich da einiges angesammelt. Viele Sachen sind noch von meiner Frau und mir – alte Fastnachtskostüme. Vieles haben wir für die Kinder angeschafft. Einiges wurde uns von Freunden und Verwandten geschenkt. Ob Steinzeitmensch, Mönch oder Schneewittchen, Bär, Löwe oder schwarzes Schaf, Ritter, Eiskönigin oder Prinzessin, Sheriff, Bankräuber oder Sträfling – unser Fundus ist ziemlich groß. In Corona-Zeiten ist das ganze Zeug auf einmal Gold wert. Die Kinder genießen es, ständig in andere Rollen zu schlüpfen.

Das geht oft schon morgens los, wenn eine kleine Dame in edlem Gewand und mit Glitzerkrönchen unser Schlafzimmer betritt und auf uns herumtrampelt, oder ein etwas größerer junger Herr mich – noch im Bett schnarchend – in Handschellen legt. Früh morgens kann ich diesen Spielen zwar noch nicht viel abgewinnen. Wenn sich Bruder und Schwester jedoch (zumindest immer wieder mal für einige Zeit) alleine beschäftigen können und auch noch Spaß daran haben, ist das doch prima.

Die Tage haben die beiden Schätzchen zwei Kostüme ausgegraben, von deren Existenz ich gar nicht mehr wusste. Umso entzückter bin ich, als plötzlich zwei kleine Astronauten vor mir in der Küche stehen. „Ich hoffe, Ihr kommt in Frieden“, sage ich. „Ja, ja. Aber wir kommen nicht, wir fliegen zum Mars“, antwortet der süße Astronaut in Sandalen und mit weißer Kapuze, die er auf links trägt. „Da gibt es kein Corona“, ergänzt die etwas kleinere Astronautin mit Goldschläppchen und Spuren von Schokocreme im Gesicht. „Dafür aber Aliens“, sagt der andere. „Vermutlich das kleinere Übel“, melde ich mich wieder zu Wort.

Zwischenzeitlich hat meine Frau ihr Smartphone gezückt und nach einem Beweisfoto einen Videoanruf beim Opa im Ruhrgebiet gestartet. Als die beiden Astro-Enkel auf seinem Display erscheinen, muss er erstmal herzhaft lachen. Er freut sich riesig über den Anruf aus dem All.

Gefühlt sind wir dank Corona aktuell ja wirklich Lichtjahre voneinander entfernt. Rein räumlich. Nicht zuletzt dank der Kinder, ihres Ideenreichtums und ihrer Lebensfreude sind wir uns alle in letzter Zeit aber auch irgendwie näher als sonst. Klingt paradox, nicht wahr?! Und zum Glück gibt es die moderne Technik, um das alles „teilen“ zu können.

Bereits am Nachmittag des gleichen Tags werden wir aber schon wieder in die Steinzeit versetzt, denn zwei putzige Neandertaler bedrohen uns mit ihren Keulen und fordern Süßigkeiten.

Liebe Eltern, liebe Kinder, bleibt gesund und fröhlich.

Glück auf!

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