Tauberbischofsheim

Leserbrief Zur Möblierung des Marktplatzes in Tauberbischofsheim

„Bunte Teile“ werfen Fragen auf

Mit der Absage des Altstadtfests wegen Corona erlosch bei mir das Fünkchen Hoffnung, dass die schrille Möblierung auf dem Marktplatz wenigstens zeitweise verschwindet, ja vielleicht sogar vergessen wird und nicht wieder auftaucht.

Jeder Raum – öffentlich oder privat – bedarf einer Gestaltung und einer Möblierung. Eine Möblierung soll Funktion bieten.

Im öffentlichen Raum sind folgende Funktionen gefragt: Verweilen, Ausruhen, Kommunikation und vieles mehr. Hiermit leisten Möbel auch einen sozialen Beitrag im Stadtleben.

Möblierung – im öffentlichen Bereich und auch privat – setzt immer auch gestalterische Akzente. Auf dem historischen Marktplatz in Tauberbischofsheim stehen die bunten Teile im Spannungsverhältnis mit historischen Fachwerk- und Barockbauten.

In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende Fragen:

Wird mit diesem Design, dieser Farbgebung und dem Material der Möbel erreicht, dass beide – der historische Platz mit seinen Baudenkmälern und die moderne Möblierung – harmonieren?

Erreicht diese Möblierung die Akzeptanz der Bevölkerung? Schließlich ist Akzeptanz ja die Voraussetzung für die Belebung eines jeden Orts.

Laden diese Möbel an dieser Stelle zum Verweilen, zum Ausruhen ein? Erhebliche Bedenken sind angebracht. Gelungene Kombinationen von historischer Bausubstanz mit moderner Planung sind Ergebnis von Einfallsreichtum, Kreativität und Vorstellungsvermögen.

Noch unter Bürgermeister Vockel fiel im Gemeinderat nahezu einstimmig die Entscheidung, diese Enzis/Enzos anzuschaffen.

Die preisgekrönten Enzis/Enzos sind seit 2003 fester Bestandteil der Hofmöblierung des Wiener Museumsquartiers und erfreuen sich dort – jedes Jahr in einer neuen Farbe – in einer völlig anderen, von modernen Gebäuden geprägten Umgebung, größter Akzeptanz. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass das MuseumsQuartier (MQ) mit einer Fläche von über 90000 Quadratmetern zu den zehn größten Kulturarealen der Welt gezählt wird, „TBB meets Wien“. Was in Wien top ist, wird ja wohl auch einen Teilbereich des Tauberbischofsheimer Marktplatzes (Gesamtgröße immerhin zirka 2500 Quadratmeter) aufpeppen, so vermutlich die Denkweise der Entscheidungsträger. Einfallsreichtum? Kreativität? Vorstellungsvermögen?

Nun ja, einen Vorteil haben die bunten Designerstücke schon. Im Gegensatz zur Fußgängerzone lässt sich in diesem Fall die Panne durch einfaches Wegräumen wieder beseitigen. Wörtplatz, die Mauer an der Tauber oder das Schwimmbad scheinen einen Versuch wert. Als letzte Möglichkeit bleibt immer noch eine eBay-Kleinanzeige.