Tauberbischofsheim

Kultur „Murzarella“ begeisterte mit ihrer „Music Puppet Show“ das Publikum im Tauberbischofsheimer engelsaal

Brillanter und herzerfrischender Auftritt

Archivartikel

Tauberbischofsheim.„Murzarella“ – das ist nicht der Name einer italienischen Käsesorte, sondern der Künstlername der aus Gelsenkirchen stammenden Sängerin, Comedienne und Bauchrednerin Sabine Murza, die mit ihrer „Music Puppet Show“ im Engelsaal des Kunstvereins ihr Debüt feierte und sich von dem coronabedingt diesmal etwas weniger vollen Saal nicht abhalten ließ, mit einer fulminanten, etwa zweistündigen Vorstellung ihre außergewöhnliche Klasse auf dem Feld der Stimm-Artistik zu demonstrieren.

Attraktive Erscheinung

„Murzarella. Das ist zunächst eine ausgesprochen attraktive Erscheinung in stilsicheren Outfits und mit mehr als nur einem Hauch von Glamour, dazu eine gleichermaßen stilistische vielseitige wie selbstbewusste Sängerin.

Weiterhin ein komödiantisches Naturereignis, quirlig und temperamentgeladen, mit umwerfender Power und mitreißender Dynamik, dazu ausgestattet mit einem urwüchsigem Mutterwitz, der seine Herkunft aus dem Ruhrpott weder verleugnen kann noch will.

Äußerst virtuos

Last but not least ist die Dame aber eine virtuose Bauchrednerin erster Güte, die den Vergleich mit prominenten Kollegen wie Sascha Grammel oder Sebastian Reich durchaus nicht zu scheuen braucht. Zum Wesen der Bauchrednerei gehört ja, dass sich der Akteur/die Akteurin gewissermaßen aufspaltet oder vervielfacht, in ein oder mehrere „alter egos“ in Gestalt von Handpuppen, mit denen er seine möglichst spontan wirken sollenden (in Wahrheit freilich überwiegend einstudierten) Dialoge führt.

„Murzarella“ hat gleich drei davon, die nicht nur sprechen, sondern auch singen, und man kann davon ausgehen, dass mindestens zwei davon – nämlich der liebenswert rotzfreche Kakadu „Dudu“ und die prollige Kanalratte „Kalle“ mit dem blauweißen Schalke 04-Schal auch Facetten bzw. Möglichkeiten der eigenen Person verkörpern, während die dritte im Bunde, die schon etwas angejahrte „Managerin“ Adelheid in ihrer altmodischen, gutbürgerlichen Betulichkeit so etwas wie ein liebenswert-komisches Gegenmodell dazu darstellt.

In den diversen Songs oder auch virtuosen Gesangsduellen, bei denen alle möglichen Gattungen zwischen Koloraturgesang (natürlich die furios gebrachte Rachearie der „Königin der Nacht“ aus der „Zauberflöte“) und heavy metal (hier durch „Highway to hell“ von AC/DC vertreten), mit Soul von Stevie Wonder und Aretha Franklin, Jazz, Schlager und Chanson sich ein Stelldichein geben, und schnoddrigen Dialogen vorwiegend über Frauenthemen (einmal allerdings werden auch „Männer im Baumarkt“ porträtiert) entrollt sich ohne Atempause, mit atemberaubender Stimmakrobatik und präziser, lebendiger Charakterisierungskunst der Figuren das Programm, wobei nur die etwas abrupten, inhaltlich nicht vorbereiteten Übergänge zwischen den einzelnen Nummern verbesserungsfähig erscheinen.

Davon abgesehen genoss man im Engelsaal in der Kreisstadt zwei Stunden lang brillantes, herzerfrischendes Entertainment einschließlich zweier Zugaben – genau das Richtige für so beklommene Zeitläufte, wie wir sie gegenwärtig erleben müssen.