Tauberbischofsheim

Regionale Fachtagung 61 Proben von sieben Sorten eingereicht / Patrick Trabold aus Königheim holte die meisten Punkte / Interessante Vorträge

Biobraugerstenanbau nur eine Nische

Archivartikel

Die Braugerstenschau ist die einzige regionale Fachtagung in Baden-Württemberg neben der überregionalen Landesbraugerstenschau.

Distelhausen. „Die Tauberregion ist das bedeutendste Anbaugebiet von Sommergerste in Baden-Württemberg, daher steht es gut zu Gesicht, diesem in vielerlei Hinsicht ,speziellen Getreide‘ einen eigenen Thementag zu widmen“, unterstrich Roland Andre als Geschäftsführer der Distelhäuser Brauerei bei seiner Begrüßung zur Braugerstenschau 2020. Diese Fachtagung, die einst von Helmut Baumann vom Landwirtschaftsamt Bad Mergentheim ins Leben gerufen wurde, ist die einzige regionale Braugerstenschau in Baden-Württemberg neben der überregionalen Landesbraugerstenschau.

Anbau hat lange Tradition

Der Anbau der Braugerste hat im Taubertal eine lange Tradition. Dies legt sicher auch daran, dass die Braugerste aufgrund ihrer einfachen agronomischen Bedürfnisse und ökologischen Eigenschaften gut in die wasserarme Region mit ihren steinigen Böden passt. Gerade unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit hat sich der heimische Braugerstenanbau als sehr segensreich erwiesen, wenn man an die Erfolge im Gewässerschutz und die Verringerung der Nitratgehalte im Grundwasser denkt.

Michael Wahl moderierte die vom Landwirtschaftsamt des Main-Tauber-Kreises organisierte Fachtagung. Amtsleiter Meinhard Stärkel berichtete von einem stabilen Anbauumfang von ungefähr 8500 Hektar Braugerste, wobei die Auflockerung der Fruchtfolge und die Erleichterung des Pflanzenschutzes die Braugerste begünstigen.

Überzeugendes Konzept

Im ersten Beitrag erfuhren die vielen Landwirte und ihre Dienstleister von Johannes Ehrnsperger Anschauliches über „Landwirte, Lieferketten und Lebensqualität“. Johannes Ehrnsperger ist Inhaber und Geschäftsführender Gesellschafter der Lammsbräu, Neumarkt/Oberpfalz. Die Lammsbräu hat sich schon sehr früh und über viele, auch schwierige Jahre hinweg mit Zielstrebigkeit und Konsequenz von einer konventionellen bayrischen Landbrauerei zur erfolgreichsten Bio-Brauerei Deutschlands mit einem überzeugenden Nachhaltigkeits-Konzept entwickelt.

Ehrensperger kehrte mit seinem Erfahrungsbericht an seine alte Wirkungsstätte zurück, denn er absolvierte bis 2017 in Distelhausen seine Brauerlehre und sein Bachelor-Studium im Fach Brauwesen, bevor er zuhause die Verantwortung für sein Familienunternehmen übernommen hat. „Mit 141 Mitarbeitern werden Bio-Produkte, die 100 Prozent Bio sind und aus regionalen Rohstoffen stammen, erzeugt, führte der leidenschaftliche Jungunternehmer aus. Vermarktet wird über den Getränkehandel und die Naturkostschiene. „Unsere Markenkennwerte sind fürsorglich, ursprünglich, mit Leidenschaft fürs Produkt, richtungsweisend, ökologisch engagiert, ganzheitlich, konsequent oder „enkeltauglich“, fasste Ehrnsperger die Firmenphilosophie zusammen.

So gebe es langfristige, verlässliche und ehrliche Lieferantenbeziehungen auf Augenhöhe, denn die Bio-Rohstofflieferanten seien die wichtigsten Partner. Bio-Landwirte erhalten Fünf-Jahres-Verträge mit Fixpreisen deutlich über dem Marktniveau. Die 170 Vertragslandwirte bewirtschaften rund 5000 Hektar Bio-Fläche. Mit seinen Bio-Getränken wären richtungsweisende branchenweite Trends sowohl in der Wertschätzung als auch in Qualität und Geschmack gesetzt worden. Anders als bei den Wettbewerbern würden in der Neumarkter Limoküche kein Sirup, sondern eigene, regionale Rohstoffe verwendet. Der Kontakt und die Information der Verbraucher wird beispielsweise durch vielerlei Aktivitäten einer Naturschutzfachberaterin gefördert. Mit drei Biofachverbänden werde zusammengearbeitet.

Konsequent ökologisch

Beim Bier gälten die gleichen Qualitätsansprüche wie beim konventionellen Kollegen. Entscheidend sei, dass der Absatz gewährleistet sei, denn nur könnte dem Erzeuger der deutlich höhere Braugerstenpreis garantiert werden. Deutlich wurde: Der Erfolg der Neumarkter Lammsbräu ist nur möglich, weil eine transparente und konsequent ökologische Produktion betrieben wird, welche die Erzeuger, die Mitarbeiter, die Umwelt und die Verbraucher vertrauensvoll umschließt.

Ralf Bund und sein Sohn Andreas aus Reicholzheim berichteten, wie die Erzeugung von Braugerste in einem Biobetrieb gelingen kann. Der Anbau erfolgt nach Winterung, dabei dürfen keine Leguminosen als Vorfrucht dienen. Eine Winterfurche habe sich bewährt, wenn der Erosionsgefahr durch einen Mulchpflug begegnet wurde. Angebaut wurden zwei Hektar nur für die Saatgutvermehrung. Die wichtigsten Arbeitsschritte waren ein zügiger Stoppelsturz und die Aussaat der Zwischenfrucht, eine Winterfurche, die Saatbettbereitung, die Aussaat, das Blindstriegeln, das Striegeln oder Hacken und die Ernte. Für den Anbau der Braugerste im Bio-Betrieb sprächen die Entzerrung und Erweiterung der Fruchtfolge, eine vermarktungsfähige Sommerung mit wenig Anspruch, die als abtragende Frucht mit wenig Nährstoffen zurecht kommt, und eine hohe Eignung für die Untersaaten Klee und Luzerne.

Vermarktung vor Aussaat

Bei einem Ertrag von 35 dt Bio-Braugerste ist der Deckungsbeitrag deutlich höher als im konventionellen Betrieb. Jedoch sei der Markt für Bio-Braugerste mit gerade mal einem Prozent sehr eng und nur mit einem Kontrakt sinnvoll. „Vor der Aussaat muss die Vermarktung geregelt sein“, bilanzierten Vater und Sohn vom Biohof Bund. Sie hoffen auf mehr Ökobrauereien und stärkere Nachfrage der Verbraucher.

Während der Veranstaltung waren die Braugerstenproben aus der Ernte 2019, die von zahlreichen Landwirten aus dem Kreis zur Bewertung eingereicht wurden, zur Besichtigung ausgestellt. Eine Kommission aus Vertretern der Landwirtschaft, des Brauereigewerbes, des Handels und der Landwirtschaftsverwaltung hatte die Proben im Vorfeld der Schau bewertet und die Gersten mit den besten Qualitätsmerkmalen ausgewählt.

Welche Qualitätskriterien und Merkmale gelten? Eiweiß mindestens neun, maximal 11,9 Prozent und optimal 10,0 bis 10,9. Vollgerste mindestens 85, maximal 100 Prozent und optimal 97 bis 100 Prozent, Wasser maximal 15 und optimal unter 14,0 Prozent. Neben diesen inneren Werten wurden die Proben visuell untersucht. Es wurden 61 Proben von sieben Sorten eingereicht.

Die Sieger

Möglich waren maximal 41 Punkte. Patrick Trabold, Königheim, erreichte mit der Sorte RGT Planet 36 Punkte, zwei zweite Preise gingen an Markus Döhler (Wermutshausen) und Alexander Wild (Uiffingen) , fünf dritte Preisean Steffen Appel (Poppenhausen), Martin Gemminger (Eiersheim), Stefan Lanig (Unterbalbach), Harald Scherer (Kützbrunn) und Josef Schmitt (Oberwittighausen). Alle diese Landwirte bauten die Braugerstensorte Avalon an.

Die Bewertung des derzeitigen Agrarmarktes und ein Ausblick ins Jahr 2020 stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Christoph Kunz von der ZG Raiffeisen eG. Er konnte nur wenig Konkretes und Hoffnungsvolles berichten, denn die Politik spiele eine große Rolle bei der Preisbildung.

So schwankte der Kurs zwischen Dollar und Euro in wenigen Monaten stark. So war auch das Kursfeuerwerk zum Jahreswechsel nicht strukturell , sondern zufallsbedingt durch die Streiks in Frankreich, die neuen russischen Exportregularien und Brände in Australien. Die Gerste mache nur fünf Prozent der gesamten Weltgetreideproduktion aus und Braugerste weniger als zwei Prozent. Die Flächenaussichten für Sommerbraugerste in Europa seien von widrigen Herbstaussaatbedingungen geprägt und deshalb stark steigend erwartet.

Auch die Düngeverordnung könne die Flächenausdehnung begünstigen.

Das Potenzial des Biobraugerstenmarktes sei genauso wie der übrige Markt von Angebot und Nachfrage geprägt, und das Angebot steige durch die vielen Umstellungsbetriebe.