Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Rinder in den Tod gequält“ und „Ein echter Skandal“ (FN, 16. Februar)

„Beschämend und traurig“

Zu Recht stellte Redaktionsleiter Fabian Greulich in seinem Kommentar am 16. Februar zum Skandal im Schlachthof in Tauberbischofsheim die Fragen: „Wie kann es sein, dass sich in einem alteingesessenen Unternehmen mitten in Tauberbischofsheim solch schreckliche Szenen abspielen?“ und „Wie kann es sein, dass das Veterinäramt permanent vor Ort ist, aber nichts unternimmt?“

Im August 2017 fragte auch ich mich: „Wie kann es sein, dass mitten in Tauberbischofsheim hinter den großen Discountern Tiere in Tiertransportern bei 30 Grad in der Sonne stehen, ohne Versorgung mit Wasser, mindestens 15 Minuten lang.

So lange hielt ich das Muhen der offensichtlich stark gestressten Tiere aus, die im Transporter unruhig trampelten und versuchten, durch die hoch angebrachte vergitterte Öffnung Luft zu bekommen. Wie lange sie noch standen war nur zu erahnen, denn die Tiertransporter „standen Schlange“.

Verstöße in Schlachthäusern gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen sind schon lange bekannt und keine Einzelfälle.

Nach dieser Szene kam bei mir daher sofort die Frage auf: „Wie sieht die Einhaltung der Tierschutzauflagen im Schlachthof Tauberbischofsheim aus?“

Der Tatbestand, dass von Tierschutzorganisationen massive Verstöße in Schlachthäusern aufgedeckt wurden, überzeugte anscheinend die verantwortlichen Behörden nicht, Auskünfte zur Einhaltung der Tierschutzbestimmungen einzuholen, was meines Erachtens nahe liegen würde.

Nun hat sich der Tatverdacht bestätigt – zu spät für rund 16 000 Tiere, die seit dieser Szene im August bis heute (nach einer Schlachtquote von rund 200 Tieren täglich) – im örtlichen Schlachthof „in den Tod gequält“ wurden, wie der Artikel am 16. Februar in den Fränkischen Nachrichten betitelt wurde.

Und wieder war es eine Tierschutzorganisation, die die Missstände durch heimliche Videoaufnahmen aufdeckte. Die verantwortlichen Behörden wie das örtliche Veterinäramt des Landratsamts, versagten.

Es ist beschämend und traurig. Genauso beschämend und traurig wie die Bezeichnung „Schlachtvieh“: Nicht mal im Tod wird den Tieren ihre Würde zurückgegeben.

„Schlachtvieh“, zum Abschlachten legalisierte Tiere, lediglich für den Zweck geboren, gezüchtet, qualvoll gemästet und abgeschlachtet, um letztendlich bei uns auf dem Teller zu landen.

Vielleicht stört es den Verbraucher daher nicht, wenn, wie in Tauberbischofsheim, hinter den Discountern Tiere um ihr Leben muhen.

Vielleicht will man dies gar nicht hören und nicht sehen, oder wie der Philosoph Theodor W. Adorno (1903 bis 1969) es ausgedrückt haben soll: „Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und denkt – es sind ja nur Tiere“.