Tauberbischofsheim

Leserbrief Zum Bericht „,Dynamische Verkehrsregelung’ sinnvoll“ (FN, 18. Februar)

„Bekannte Fakten werden unterschlagen“

Zur Zeit ist es im Kreise ökologisch bewegter Zeitgenossen schick geworden, in dieser Zeitung Leserbriefe zugunsten eines generellen Tempolimits auf unseren Autobahnen zu veröffentlichen. Alle, die gegen ein solches Tempolimit sind, werden pauschal als „PS-Angeber, Drängler und Raser“ verunglimpft, die „mit über 180 km/h auf den Friedhof rasen“ und „entgegen aller Vernunft einen massiven CO2-Ausstoß erzeugen“.

Hier werden lange bekannte Fakten bewusst unterschlagen: Auf mehr als der Hälfte aller deutschen Autobahnen ist schon jetzt ein striktes Tempolimit wirksam, daher liegt schon seit langem das Durchschnittstempo auf unseren Autobahnen unter 120 km/h – wenn Sie das nicht glauben, dann fahren Sie doch einmal versuchsweise von hier aus zum Stuttgarter Flughafen und bringen Sie dabei Ihr Herz zum Jubeln! Weil der Pkw-Verkehr auf allen Straßen nur rund elf Prozent der CO2-Emissionen verursacht, ist der Effekt eines Limits marginal und liegt eindeutig weit unter den angeblichen ein bis zwei Prozent. Darüber hinaus sind unsere Autobahnen mit Abstand die sichersten Straßen im Land, im Vergleich zu Landstraßen ist bekanntlich das Risiko, auf einer Autobahn getötet zu werden, viermal geringer. Ein Zusammenhang zwischen generellem Tempolimit und dem Sicherheitsniveau auf Autobahnen lässt sich im internationalen Vergleich nicht feststellen, es scheint viel eher eine Verbindung mit feurigem südländischem Temperament, nordeuropäischer Coolness oder der Verkehrsdichte zu geben.

Keinesfalls geht es den Gegnern eines Tempolimits darum, verantwortungslos rasen zu können: Mein Reisetempo liegt beispielsweise zwischen 140 und 160 km/h und ich werde bei diesem Tempo extrem selten von Rasern – die es zweifellos gibt – belästigt.

Es ist wichtig, superschlaue und angeblich ökologisch korrekte Argumente kritisch zu hinterfragen, wenn sie auf völlig falschen Voraussetzungen basieren. Trotz allem: Es geht um ein kleines Stückchen Freiheit in einem Land, in dem es immer mehr und nicht immer weniger Grenzen gibt.