Tauberbischofsheim

Badische Landesbühne Neue Spielzeit wird mit Daniel Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung der Welt“ eröffnet

Auf Grat zwischen Scheitern und Erfolg

Die Badische Landesbühne eröffnet ihre neue Spielzeit in Tauberbischofsheim mit Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ in einer Inszenierung von Arne Retzlaff.

Tauberbischofsheim. Die Badische Landesbühne (BLB) bringt den philosophischen Abenteuerroman und Weltbestseller anlässlich des 250. Geburtstags des herausragenden Universalgenies Alexander von Humboldt (1769 bis 1859) auf die Bühne. Die Vorstellung in der Kreisstadt findet am Montag, 30. September um 19.30 Uhr in der Stadthalle statt. Zuvor erfolgt für alle Interessierten um 19 Uhr eine Einführung in die Produktion.

Zwei bedeutende Gelehrte

Zum Inhalt des Stücks: Der Naturforscher Alexander von Humboldt und der Mathematiker Carl Friedrich Gauß sind zwei der bedeutendsten deutschen Gelehrten im beginnenden 19. Jahrhundert. Zwei Wissenschaftler, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch vereinte sie ein Leben lang ein und dasselbe Ziel: die Vermessung der Welt.

Während sich der Empiriker Humboldt zusammen mit Aimé Bonpland durch Urwald und Steppe kämpfte, den Orinoko befuhr, in Erdlöcher kroch, die höchsten Berge bestieg und unzählige Selbstversuche machte, bewies der Analytiker Gauß die Krümmung des Raums von seinem Schreibtisch aus.

1828 lädt Humboldt den Mathematiker zum Naturforscherkongress nach Berlin ein. Gauß, ein mürrischer Eigenbrötler und Misanthrop, hat jedoch keine große Lust, seine Heimatstadt zu verlassen. Da Humboldt aber hartnäckig bleibt, steigt er schließlich doch, wenn auch höchst widerwillig, in die Kutsche. Begleitet wird er von seinem Sohn Eugen, den Gauß für einen völlig beschränkten Nichtsnutz hält.

So kommt es, dass sich die beiden mittlerweile gealterten Geistesgrößen zum ersten Mal begegnen. Während sie darüber debattieren, wer von ihnen seinem Lebensziel näher gekommen sei und was wahre Wissenschaft ausmache, verteilt Eugen Flugblätter in der großen Stadt. Er träumt von einem freien Deutschland und wird prompt verhaftet.

Mit hintergründigem Humor zeichnet Kehlmann in „Die Vermessung der Welt“ das Bild zweier bedeutender Männer mitsamt ihren Sehnsüchten und Schwächen – und schildert fantasievoll ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg.

Daniel Kehlmann wurde 1975 in München geboren. An der Universität Wien studierte er Philosophie und Germanistik. 1997 erschien mit „Beerholms Vorstellung“ sein erster Roman.

Zahlreiche Preise

Kehlmann schreibt Essays und Rezensionen für verschiedene Magazine und Zeitungen und hatte Poetikdozenturen in Mainz, Wiesbaden und Göttingen inne. Er wurde mit zahlreichen Preisen, unter anderem mit dem Kleist- und dem Thomas-Mann-Preis, ausgezeichnet. 2018 erhielt er den Friedrich-Hölderlin- und den Frank-Schirrmacher-Preis. Mit „Die Vermessung der Welt“ hat Kehlmann einen der erfolgreichsten deutschen Romane der Nachkriegszeit vorgelegt.

Bei der Aufführung ist nach Angaben der BLB-Verantwortlichen folgende Rollenbesetzung vorgesehen: Alexander von Humboldt: David Meyer; Carl Friedrich Gauß: Martin Behlert; Erzähler/Eugen Gauß/Aimé Bonpland: Elena Weber; Daguerre/Forster/Johanna Gauß und andere: Sina Weiß; Goethe/Büttner/Graf von der Ohe zur Ohe/Lama und andere: Stefan Holm; Herzog von Braunschweig/Lampe/Kant und andere: Hannes Höchsmann. Für die Inszenierung zeichnet Arne Retzlaff, für die Ausstattung Ella Späte verantwortlich. Als Puppenspieler fungiert Detlef Heinichen.