Tauberbischofsheim

Verein Tauberländer Streuobstwiesen Obstbauern aus dem Landkreis setzen internationale Nachhaltigkeitsziele der UN um und schützen so Landökosysteme

Apfelsaftschorle wird weiteres Produkt

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Was haben die weltweit agierenden Vereinten Nationen mit einem Verein, dessen Fokus auf dem regionalen Raum liegt, gemeinsam? Was verbindet sie? Auf den ersten Blick sicherlich wenig, scheinen ihre Ziele und Anliegen doch eher nicht deckungsgleich. Doch der Schein trügt. Vor allem, wenn man die Sustainable Development Goals (SDGs) betrachtet. Dabei handelt es sich um 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die am 25. September 2015 von 193 Staats- und Regierungschefs auf dem Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York verabschiedet wurden und die auch von Kommunen umgesetzt werden sollen.

Aber was hat dies nun mit dem kleinen Verein Tauberländer Biostreuobstwiesen zu tun, wenn die hohe Politik solche Dinge beschließt? Im Endeffekt jede Menge. Denn gerade die Umsetzung dieser SDGs sollte auch im lokalen Umfeld erfolgen. In der internationalen Politik ist Papier oft geduldig. Die Orientierung an Richtschnüren ist im Lokalen oftmals effektiver als im Globalen.

„Es ist schon überraschend und auch beeindruckend, wie viele der 17 Ziele von uns nicht nur verfolgt, sondern auch tatsächlich umgesetzt werden“, stellt der Vereinsvorsitzende Henry Mühlbauer fest. „Und dabei stellen wir noch ein Produkt her, das nicht nur schmeckt, sondern auch gesund und nachhaltig ist – unseren naturtrüben Apfelsaft.“

Es könne jeder sein Scherflein zum globalen Umweltschutz beitragen, sind Henry und Irmtraud Mühlbauer überzeugt. „Wir sind bei neun der 17 nachhaltigen Umweltziele der UN auf einem guten Weg.“ Landökosysteme schützen, Sofortmaßnahmen Klimawandel, nachhaltiger Konsum und Produktion, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Wasser- und Sanitärversorgung, Gleichstellung der Geschlechter, Bildung, gesundes Leben sowie Ernährung sichern zählt der Vorsitzende als Punkte auf und erklärt: „Durch den Verzicht auf Spritzmittel und möglichst wenige Eingriffe in die Streuobstwiesen sorgen wir für eine biologische und nachhaltige Produktion der Äpfel sowie für Lebensraum für viele Pflanzen- und Insektenarten, so dass wir auch dem Artensterben entgegenwirken.“ Darüberhinaus würden die Bäume Wasser binden, was nicht nur dem Grundwasserschutz dient, weil Regenwasser in der Region gehalten werde, und damit dem Landökosystem zugute komme. Durch die regionale Produktion und auch den regionalen Absatz beuge man zu großem CO2-Ausstoß durch kurze Liefer- und auch Produktionsketten vor. Auch die Annahmestellen der Äpfel sind in unmittelbarer Nähe der Obstbauern. „Regional produziert für den regionalen Markt lautet unsere Devise“, ergänzt Irmtraud Mühlbauer und stellt fest: „Leider wissen nur wenige Verbraucher, dass in den meisten der herkömmlichen Billigsäfte und -schorlen Äpfel aus China stecken, die dort zu Konzentrat verarbeitet wurden. Darum freuen wir uns, wenn die Leute einfach mal testen, wie unterschiedlich die auf dem Markt befindlichen Produkte schmecken. Wer zum ersten Mal einen echten, naturreinen Saft probiert, der quasi direkt von der Kelter in die Flasche gefüllt wurde, der erlebt einen richtigen Wow-Effekt. Diese Fülle an Aromen, die nur durch die Sortenvielfalt einer traditionellen Streuobstwiese entstehen kann, ist einfach ein Traum.“

Im Tauberländer Saft gibt es einen hohen Gehalt an Polyphenolen, Phenolverbindungen und Pektin. Dies sind Stoffe, die den Apfel besonders gesundheitsfördernd machen und auf die auch der Spruch ’An apple a day keeps the doctor away“ (Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern), zutrifft.“ Diese Antioxidantien wirken gegen freie Radikale und werden in der Krebsprävention eingesetzt. Vor allem trüber Apfelsaft hat eine hohe Wirksamkeit. Überwiegend alte Apfelsorten zeichneten sich durch Polyphenole aus.

Auf der anderen Seite hätten Laboruntersuchungen ergeben,dass in den Äpfeln der Tauberländer Biostreuobstwiesen, die vor allem auch aus alten Apfelsorten bestehen, kein Patulin enthalten ist. Dies ist ein sekundäres Stoffwechselprodukt (Mykotoxin), das von Schimmelpilzen der Gattung Aspergillus- und Penicillium gebildet wird.

Vor allem Äpfel und Apfelerzeugnisse sind davon betroffen, nicht so jedoch bei den Bio-Obstbauern des Vereins. „Wir legen großen Wert auf eine gute Produktion und schauen auch genau hin“, stellt Henry Mühlbauer fest.

Alle Streuobstwiesen der Mitglieder des Vereins seien zertifiziert. „Dies könnten einzelne Besitzer von Streuobstwiesen gar nicht leisten, weil es zu zeit- und kostenintensiv ist“, meint der Vorsitzende.

Naturschutz auch am Computer

Und noch etwas heben Irmtraud und Henry Mühlbauer hervor: „Naturschutz ist nicht allein auf die Tätigkeit in Feld und Flur beschränkt.“ Die Bürokratie nehme mittlerweile einen breiten Raum ein, auch in der Vereinsarbeit. „Wir bräuchten dringend noch Computer-Freaks für die EDV, das würde uns viel Arbeit abnehmen.“