Tauberbischofsheim

Musikverein Hochhausen Rund 200 Zuschauer kamen zur Sommerserenade im besonderen Ambiente des Grünauer Hofs

Alle Register der Blasmusik gezogen

Nicht nur traditionelle Blasmusik allein: Mit ihrer anerkannten Bandbreite überzeugten wieder einmal die Hochhäuser Musiker bei der etablierten Serenade in spezieller Umgebung.

Hochhausen. Der Vorsitzende nannte abschließend das gerade eben zuvor Dargebotene eine „Superleistung“, und das sichtlich begeisterte Publikum unterstrich diese euphorische Aussage mit ausdauerndem Beifall und nicht zu überhörenden „Zugabe“-Rufen: Das Serenaden-Konzert im herrlichen Ambiente des mit etwas mehr als 200 Besuchern gut besuchten Grünauer Hofs bestätigte wieder einmal über knapp zweieinhalb Stunden – mit obligatorischer und verdienter kurzer Pause – die Ausnahmestellung des Musikvereines Hochhausen, der sich mit seinem vielfältigen Repertoire seit Jahren bereits auf dem Niveau der Mittel-/Oberstufe bewegt.

Einstand von Dirigent Rödinger

Die diesmal exakt 27 aktiven Musiker demonstrierten hierbei ihr Können erneut in den verschiedensten Bereichen, ob traditionelle oder moderne Blasmusik im Bigband-Sound sowie Werken aus der Klassik, wobei sie damit gleichzeitig für eine vollauf gelungene Premiere sorgten: Seit nunmehr neun Monaten im Amt, feierte der neue Dirigent Reiner Rödiger nämlich seinen „Einstand“ in diesem geschichtsbehafteten und idyllischen Umfeld, mündend in die in diesem Rahmen getroffene Vereinbarung, die bisher reibungslos verlaufene Zusammenarbeit auch in der Zukunft weiterzuführen.

Man habe wieder fleißig geprobt und beabsichtige, an diesem Abend einen Querschnitt dessen zu bieten, wozu man sich in der derzeitigen Besetzung in der Lage sehe, hatte eingangs der Vorsitzende Wendelin Bundschuh vorausgeschickt. er freute sich über den guten Zuspruch – und dies bei unbeständigen Witterungsverhältnissen. Die Akteure sorgten mit ihren heißen Rhythmen schon dafür, dass eine etwa später aufkommende Kälte in den Reihen der Zuhörer keinen Einzug halte, fügte Bundschuh an, eine Zusicherung, unter anderem vom Vizepräsidenten des Blasmusikverbandes Tauber-Odenwald-Bauland, Alois Schreck, und dem ersten Stellvertreter des Bürgermeisters, Gerhard Baumann, bekräftigt.

Einen Marsch zum Auftakt

Den endgültigen Einstieg, und zwar auf beschwingte und harmonische Weise, in das zweigliedrige Programm der Sommer-Serenade bildete schließlich der Einzugsmarsch aus dem dritten Akt „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauß Sohn, eine schon zu Lebzeiten des Komponisten sehr populäre Operette, deren Uraufführung 1885 im „Theater an der Wien“ über die Bühne ging. Hatte hierzu der Vorsitzende noch einige erklärende Worte verloren, so gehörte ab sofort das Mikrofon der Schriftführerin Birgit Schubert, die in bewährter Manier mit viel Hintergrundwissen zu den einzelnen Stücken aufwartete und damit das Auditorium bestens auf eine Ebene brachte, um die jeweiligen Titel entsprechend einzuordnen.

Von Walzer bis Filmmusik

Der erste Teil fand hier erstmal seine Fortsetzung mit dem „Kaiserwalzer“ (Opus 437) von Johann Strauß, eine ab 1889 per Noten ausgedrückte und quasi zementierte deutsch-österreichische Freundschaft, ehe nacheinander der Konzertmarsch „Arsenal“ (Jan Van der Roost), 1996 im benachbarten Belgien uraufgeführt, die Böhmische Polka „Musikantensehnsucht“ des 1997 seinen ersten öffentlichen Auftritt im ZDF feiernden Angehörigen eines Bundeswehr-Orchesters Guido Henn und der Walzer „Fast Himmelblau“ folgten, aus der Feder des 58-jährigen Unterallgäuers Kurt Gäble stammend, der sich selbst als „christlichen Ökologen“ tituliert.

Mit dem „Solo für Flügelhorn“ glänzte danach Hermann Lauer bei „My Dream“ des Österreichers Peter Leitner, Chef von 13 Musikern, worauf sich nach einer kurzen Pause der zweite Abschnitt anschloss, hier jedoch aufgrund der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit von Fackelschein illuminiert, tapfer und mit stoischer Ruhe beigesteuert von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Hochhausen.

Nicht fehlen durften zwischendurch noch eine Art geballte Sternschmeißer, bevor an den schmissigen Dixie-Beitrag „Derby Time“ (Georg Stich) das Italo-Western-Medley „Moment For Morricone“ des 2008 mit dem Oscar ausgezeichneten Ennio Morricone andockte, der mehr als 50 Millionen Tonträger verkaufte. Ohrwürmern wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Zwei glorreiche Halunken“ standen daraufhin die Soundtrack-Highlights „Pirates Of The Caribbean“ (Klaus Badelt) in nichts nach, bezogen auf die mittlerweile fünfteilige Kinoreihe mit dem Schauspieler Johnny Depp in der Hauptrolle, gestartet 2003.

Gar bereits Ende der 1930er Jahre erregte der zu diesem Zeitpunkt auf den Markt geworfene Comic „Batman“ rege Aufmerksamkeit, eine später unter diesem Fledermaus-Namen eines Superhelden von Denny Elfman/Prince zu Papier gebrachte musikalische Fassung intonierte im Anschluss die stets überzeugende Hochhäuser Kapelle bravourös, ehe der Charleston „The Black River“ (Walter Schneider) mit Erinnerung an die Goldenen 20er mit Josephine Baker nicht nur in die Gehörgänge, sondern zudem auch in die Beine ging. Dies traf ebenso auf den Rumba- oder Tangoähnlichen Tanz Beguin unter dem Titel „Blue Night“ (ebenfalls Walter Schneider) zu, wonach durchaus laute „Zugabe“-Rufe die Szene im Areal des Grünauer Hofes bestimmten.

Bevor nun die fast 30-köpfige Truppe mit den Melodienfolgen „Daheim in Böhmen“, „Ein junger Egerländer“ und der Art Hymne „Böhmischer Traum“ das eh schon abwechslungsreiche Programm noch einmal gekonnt verlängerte, würdigte der Vorsitzende in erster Linie die vier teilweise gar kurzfristig eingesprungenen Aushilfen, die erkennbar den Klangkörper verstärkten, sowie ausdrücklich die zahlreichen eifrigen Mitwirkenden im Hintergrund, um dann noch gezielt auf eine besondere Aktion aufmerksam zu machen.

Bläserklasse für Erwachsene

Unter dem griffigen Slogan „Es ist nie zu spät, ein Instrument zu erlernen“ beabsichtige der Musikverein Hochhausen, bei ausreichendem Interesse nach den Sommerferien ab September eine Bläserklasse für Erwachsene einzurichten. Damit biete man ohne Altersbegrenzung nach oben künftig eine sinnvolle Möglichkeit für Spät- oder Wiedereinsteiger, ergänzte dazu Wendelin Bundschuh, offen für unverbindliche Anmeldungen ab sofort unter Telefon 09341/2067.

Info: Im normalen Jahreslauf probt die Kapelle jeweils donnerstags ab 19.30 Uhr im alten Schulhaus von Hochhausen.