Sommerserie

Zarte Perle am Main

Archivartikel

Der Rokokogarten Veitshöchheim ist eine Gartenanlage, die europaweit ihresgleichen sucht. Die Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe ist noch im Originalstil erhalten.

Das hätte sich Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim vor mehr als 250 Jahren nicht träumen lassen: Gemeines Volk lustwandelt in seinem Gartenparadies, liegt auf den Bänken und lässt Kinder im See spielen. Unter der hohen Geistlichkeit hätte es im Rokokoschloss von Veitshöchheim wohl eher für dessen Amüsement und das der geladenen Gäste herhalten müssen, statt für das eigene.

Aus dem kleinen Jagdschloss am Main, um 1680 unter Fürstbischof Peter Philip von Dernbach erbaut, wurde eine behagliche Residenz – Platz für prunkvolle Feste, für Musik und Jagden. Entstanden ist eine kleine Perle, die täglich zahlreiche Besucher anzieht.

Für den Umbau und die Vergrößerung war 1753 kein Geringerer als Balthasar Neumann zuständig, der auch für die Würzburger Residenz verantwortlich zeichnete. Kleiner und weniger pompös, aber nicht minder stattlich ist das Gebäude, das sich im Zentrum des Orts erhebt. Nach dem Ende der Restaurierung 2005 erstrahlt es in einem neuen Glanz, der dem Prunk der weltlichen und geistlichen Macht im nahen Würzburg gerecht wird.

Wer die Räume besichtigen will, die mit Stuckaturen von Antonio Bossi geschmückt sind, muss sich noch etwas gedulden. Aufgrund der Corona-Krise bleiben die Türen verschlossen, hinter denen sich auch die „Toscanaräume“ verbergen – Gemächer des Großherzogs Ferdinand von Toskana mit den sehenswerten Papiertapeten.

Nicht verschlossen, sondern für die Bevölkerung offen zugänglich, ist der weitläufige Rokokogarten, strukturiert und geometrisch gestaltet, mit verschwenderisch schönen Formen. Ganz im Sinne der Zeit. Herzstück dieser grünen Oase ist für die meisten Besucher der große See mit dem Musenberg Parnaß und dem Pegasus an dessen Spitze. Die Wasserspiele, die immer zur vollen Stunde erfreuen, laden ein, sich auf die Steinbänke zu setzen und dem munteren Treiben der Enten auf und der Karpfen im See zuzuschauen. Vielleicht wird man dabei von Putti beobachtet, von griechischen Göttern oder von in Stein gemeißelten Allegorien und Fabelwesen: Die fast 300 Figuren der Gartenanlage wurden von Würzburger Hofbildhauern erschaffen und strahlen eine faszinierende Lebendigkeit aus.

Symmetrisch angelegt sind die Gartenflächen mit den heckengesäumten Wegen, auf denen man flanieren kann wie einst die bessere Gesellschaft. Oder man wandelt durch dichte Laubengänge zu einem der hübschen Holzpavillons. Bewusst den Blick führen die Sichtachsen, die durch die Fenster der Pavillons auf Skulpturen oder Fontänen weisen. Vom Heckentheater erreicht man über die Orangerie die Grotte, in der Fabel- und Tierwesen aus Muscheln die Exotik der Zeit widerspiegeln.

Der kleine Bruder des Würzburger Hofgartens mit seinen zwei Seen lockt mit Farben und Düften. Die bunte Blütenpracht rund um das Schloss wird ergänzt von einem Kräuter- und Gemüsegarten sowie zahlreichen Obstbäumen.

Gleich neben dem Park befindet sich die Pfarrkirche St. Vitus mit einem prächtigen Portal. Der Heilige Veit gab dem Ort seinen Namen, die Kirche ihm ein markantes Gesicht.

Über schmale Gassen, vorbei an schmucken historischen Hoftoren der Weinbaugemeinde, erreicht man das Mainufer. An warmen Tagen zieht es Einheimische wie Touristen gerne her. Südländisches Urlaubsflair lockt. Und ein exponierter Blick auf den Jachthafen von Margetshöchheim sowie die Bootsanlegestelle der Mainschifffahrt. Die Uferpromenade an der Mainlände mit den Blumenbeeten sorgt seit 2009 für einen besonderen Farbtupfer. Damals hatte die Gemeinde am Wettbewerb „Entente Florale“ teilgenommen und noch heute darf man sich an der Pracht erfreuen.

Kunstwerke bereichern das Areal rund um die Mainfrankensäle, in denen die Faschingshochburg Veitshöchheim alljährlich bei „Fastnacht in Franken“ den närrischen Spiegel vorhält. Dafür haben kleine Gäste wohl weniger einen Blick. Sie zieht es zum Spielplatz, der mit einem riesigen Schiff zum Toben einlädt. Für die Eltern gibt es jede Menge Bänke und schattige Plätzchen für eine Pause, bevor man der Synagoge und dem jüdischen Kulturzentrum einen Besuch abstattet. Jüdisches Leben im Ort wird über Jahrhunderte dokumentiert und gibt interessante Aufschlüsse.

Oder man lässt den Tag in einem Restaurant oder Biergarten mit Mainpanorama ausklingen.

Zum Thema