Sommerserie

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Archivartikel

Interessante Wanderung auf den Spuren frommer Mönche und eines rauen Gesellen zur letzten noch betriebenen historischen Spessart-Hammerschmiede.

Der Rundweg von etwa 14 Kilometern führt von Schollbrunn über die Ruine der Markuskapelle zur Kartause Grünau, entlang des Kropfbachtals, vorbei an „Hasenstabkreuz“, Forsthaus Kropfbrunn und Wildpark zurück zum Ausgangspunkt.

„Halt, falscher Weg! Fast alle laufen hier falsch“, warnt ein aufmerksamer Anwohner. Tatsächlich scheint das Wanderzeichen „Europaschiff“ geradeaus, vorbei am Anwesen der Gartenstraße 2 zu weisen. Nach gelungenem Start in Schollbrunn vom Parkplatz Neugereuth erfährt der verblüffte Wanderer, dass er sich vor Haus Nummer 2 nach links zu wenden und ein kleines Stück bergab zu gehen habe, um dann rechts in den ersten Schotterweg einzubiegen.

Entlang am „Äppeläquator“

Und da ist es wieder, das gelbe Schiff mit Sternen auf blauem Grund, dem sich der Wanderer getrost anvertrauen kann. Von nun an führt es ihn sicher den „Äppeläquator“, einer bedeutenden Sprachgrenze, entlang. Sie trennt den main- vom rheinfränkischem Dialekt, sprich den „Apfel“ vom rheinfränkischen „Äppel“ bzw. den „Oepfelmoust“ vom „Äppelwoi“. Der Weg lässt den Ort hinter sich und mündet in einen Wiesenpfad. Ein Blick zurück zeigt die beiden das Ortsbild bestimmenden Kirchtürme der katholischen und der evangelischen Kirche. Sie weisen auf die im Spessart einzigartige Situation hin, dass in Schollbrunn bereits seit der Reformation Katholiken und Protestanten gleichberechtigt sind. Der Weg überquert ein kleines Sträßchen und setzt sich auf der gegenüberliegenden Seite fort. Beruhigt nimmt der Wanderer das „Europaschiff“ etwas versteckt am Stamm des ersten Apfelbaums zur Kenntnis. Vor seinen Augen öffnet sich die Hochfläche von Schollbrunn mit ihren Spätsommerwiesen und gelben Stoppelfeldern, im Hintergrund die dunkle Kulisse des Waldes.

Bäume und Sträucher zeichnen ihr Licht- und Schattenmuster auf den Weg, der nach etwa zwei Kilometern in Mischwald eintaucht. Bei aller Begeisterung für die zauberhafte Natur sollte der Wanderer das inzwischen vertraute Wanderzeichen nicht aus den Augen lassen. Gemächlich senkt sich der Weg bergab. Upps! Eine Linksabzweigung ist leicht zu übersehen!

Von dunkelgrünem Farn gesäumt führt der abschüssige Weg zur ersten Etappe der Wanderung, der Markuskapelle. Wie eine der reich bebilderten Schautafeln des „Archäologischen Spessartprojekts“ informiert, ist ihre Geschichte eng mit dem Kartäuserkloster Grünau verbunden, dessen fromme Mönche die Marienwallfahrt förderten. 1216 wird das Kirchlein erstmals erwähnt, das damals der Muttergottes, dem Hl. Laurentius und Hl. Nikolaus geweiht war. Mit der einstweiligen Aufhebung des Klosters während der Reformationszeit verfiel die Kapelle.

Bevor der Wanderer den Weg Richtung Kartause Grünau fortsetzt, empfiehlt sich ein Abstecher zum einzigartigen historischen Eisenhammer. In der alten Hammerschmiede zischt und brodelt, knallt und kracht es auch heute noch. Wer sich für Technikgeschichte interessiert, sollte unbedingt den Besuch des Hammermuseums auf dem Gelände des heutigen Technikkonzerns Kurtz Ersa einplanen.

Kleine Jause in der Kartause

Noch ein kurzes Stück auf schattigem Weg und schon tauchen die Mauerreste des ehemaligen Kartäuserklosters Grünau auf. 1328 gründete Elisabeth von Hohenlohe, Tochter des Grafen Popo IV. von Wertheim, hier im entlegenen Kropfbachtal die erste fränkische Kartause.

Mit der Zerstörung während der Bauernkriege endete die Blütezeit des Klosters. Nach wechselvoller Geschichte wurde das Kloster 1803 aufgehoben.

Erhalten sind noch Torbogen, Teile der Kirche und Außenmauern. Heute ist Grünau ein beliebtes Ausflugsziel. Klar, die Speisekarte des Gasthauses liest sich verlockend. Wanderer, bleib stark! Bedenke, dass noch ein gutes Stück Weg vor dir liegt. Begnüge dich mit Proviant aus dem Rucksack und kurzer Rast an den idyllischen klösterlichen Fischteichen. Die Einkehr hole am Ende der Wanderung auf der Heimfahrt von Schollbrunn nach.

Der Weg durch das Kropfbachtal, entlang des munter dahinplätschernden Bächleins ist gewiss der reizvollste Wegabschnitt. Spätestens hier wird klar: Die Wanderung ist kein Sonntagsspaziergang, sondern verlangt Ausdauer und festes Schuhwerk. Der schmale Pfad, gesäumt von Buche, Kiefer und Birke, steigt zu einem Höhenweg an und geht in einen bequemen Schotterweg über. Ein schlichtes Steinkreuz mit den Initialen J.A.H.St. erinnert an Johann Adam Hasenstab, dem berüchtigtsten Wildschützen des Spessarts. An dieser Stelle wurde er am 3. Juni 1773 vom damaligen Revierförster Johann Sator erschossen – unweit des Forsthauses Kropfbrunn, der einstigen Außenstelle des Forstamts Bischbrunn. In der Stille ist das Murmeln einer Quelle zu hören. Wenn auch das kühle Wasser nicht zum Trinken geeignet ist, so ist es doch eine willkommene äußerliche Erfrischung für das letzte Wegviertel.

Pfad durch den Wald

Durch Buchenwald schlängelt sich der Pfad. Noch breiten die mächtigen Bäume ihr Blätterdach über den Wanderer, doch da und dort schimmert es golden durch das dichte Grün. Leise stiehlt sich der Herbst ins Land, noch zögernd wie ein schüchterner Gast.

Vorbei führt der Weg am ehemaligen „Kirchelhof“ bis er schließlich den Wildpark erreicht. Bald sieht der Wanderer die beiden Kirchtürme aus rotem Sandstein auftauchen. Eine Wanderung, wie sie vielseitiger kaum sein könnte, neigt sich dem Ende zu: Stille Waldwege, sonnendurchflutete Waldlichtungen und ein romantisches Tal im Wechsel mit jahrhundertalten Kulturzeugnissen. Spessart – einfach nur Wald? Von wegen!