Sommerserie

Genuss für Gaumen und Auge

Archivartikel

Die Stadt Volkach mit ihrer malerischen Innenstadt liegt eingebettet in Hügel mit grünen Weinerbergen an der einzigartigen fränkischen Mainschleife.

Die Seele baumeln lassen. Den Alltag für ein paar Stunden vergessen. Dies gelingt in der pittoresken Altstadt von Volkach mit seinen zahlreichen historischen Gebäuden vorzüglich. Und da es genauso viele Weinstuben und fränkische Gaststätten gibt wie altehrwürdige Häuser, ist der Bummel und das Verweilen im Stadtkern ein Genuss für Gaumen und Auge gleichermaßen.

Allerdings empfiehlt es sich nicht, gleich die historische Altstadt von Volkach anzusteuern. Dafür hat die Umgebung einfach zu viel zu bieten, wie etwa den beeindruckenden Blick von der Vogelsburg auf die Mainschleife. Der Fluss schlängelt sich nicht nur durch die derzeit sattgrünen Hügel, sondern macht eine Kehre. Die Mainschleife ist die größte Flussmäanderlandschaft in Bayern und wurde nicht nur zum Landschaftsschutzgebiet, sondern auch zum Geotop erklärt.

Wen der Blick auf die Mainschleife von der Vogelsburg aus so fasziniert, dass er gerne mehr davon hätte, der kann mit der Mainschleifenbahn auf den Hügeln entlangfahren und ohne Stress den Ausblick auf die Landschaft genießen. Und wer dann immer noch nicht genug von der Landschaft hat, kann mit dem Schiff die Natur aus einer ganz anderen Perspektive genießen, nämlich von unten auf die Weinberghänge. Dies ist genauso entschleunigend und beeindruckend, wie der Blick von oben.

Wem dann der Sinn nach etwas Bewegung steht, sollte die Altstadt von Volkach erst einmal rechts liegen lassen und zur katholischen Wallfahrtskirche Maria im Weingarten fahren. Vom Parkplatz aus heißt es, einige Minuten auf einem leicht ansteigenden, ein paar hundert Meter langen Fußpfad zur spätgotischen Kirche zu wandern. Die kleine Anstrengung lohnt sich. Das Gotteshaus beherbergt neben den berühmten Bildnissen der Pietà auch die Rosenkranzmadonna von Tilman Riemenschneider. Die von 1521 bis 1524 entstandene, schwebende Madonna im Rosenkranz (auch „Riemenschneider-Madonna“) ist sicherlich der bedeutendste Schatz des Gotteshauses. Nicht nur für gläubige Christen, sondern auch für Kunsthistoriker ein Muss.

Nachdem man mit Natur pur begonnen hat, dann ein wenig christliche Kunstgeschichte hinzugefügt hat, folgt mit dem Besuch der Altstadt der Gang in die Stadtgeschichte, zumindest was die prunkvollen Gebäude betrifft. Der Trubel in der Fußgängerzone hingegen führt einem vor Augen, dass man sich im 21. Jahrhundert befindet: Zahlreiche Radfahrer schieben ihr E-Bikes übers Kopfsteinpflaster.

Parkplätze gibt es zwischen Main und Stadtmauer, so dass der Fußmarsch bis zum historischen Stadtkern nur einige Minuten dauert.

Es empfiehlt sich, den historischen Stadtbummel an der evangelischen Kirche St. Michael zu beginnen. Das heutige Gotteshaus wurde 1862 nach einem Großbrand neu errichtet. Der Vorraum der Kirche ist von 8 bis 18 Uhr geöffnet (Winterhalbjahr bis 17 Uhr)

Von dort geht die Wanderung weiter zum Oberen Tor, neben dem Kirchturm eines der markanten Bauwerke der Altstadt, das bereits von weither sichtbar ist. Hier war einst das Stadtgefängnis beheimatet. Die Gefängniszellen sind im Inneren immer noch vorhanden. Erbaut wurde der Turm im 13. Jahrhundert.

Nut wenige Meter entfernt steht die katholische Kirche St. Bartholomäus. Für das heutige Kirchengebäude wurde 1413 der Grundstein gelegt. Bis ins 18. Jahrhundert wurde gebaut. Die Kirche ist täglich von 8 bis 18 Uhr (Winterhalbjahr 17 Uhr) geöffnet. Übrigens: Der Kirchturm ist 54 Meter hoch.

Weiter geht’s zum Marktplatz mit dem Rathaus als Herzstück der Altstadt. Im Erdgeschoss des Rathauses (1544) befindet sich die Touristinformation Volkacher Mainschleife. Wer noch ein paar Tipps für Ausflüge braucht, ist hier richtig. Den Marktplatz lässt man aber zunächst einmal links liegen, um am Ende dort umso länger zu verweilen.

Der kleine Stadtrundgang führt zuerst zum Schelfenhaus, das wenige Meter abseits der Route zwischen Oberem und Unterem Tor liegt. Es ist ein besonderes Bauwerk (1719), benannt nach dem Erbauer Johann Adam Schelf.

Das Gebäude kann bei einer Stadtführung besichtigt werden. Es beherbergt unter anderem die Stadtbibliothek. Die Fassade besticht mit ihrem barockem Pomp.

Wer seine Kenntnisse in der Volkacher Heimatgeschichte vertiefen möchte, sollte einen Abstecher in die Weinstraße zum Heimatmuseum Barockscheune machen. Geöffnet ist das Museum alljährlich von Ostern bis 1. November. Anziehungspunkt ist unter anderem das Volkacher Salbuch (Stadtchronik).

Endpunkt der kleinen Route ist das Untere Tor, erbaut im 13. Jahrhundert. An diesem Tor sind die Hochwassermarken der Vergangenheit angebracht. Im Volksmund wird dieses Tor auch als „Gaibacher Tor“ bezeichnet.

Doch sollte dies nicht das Ende des Aufenthalts sein, vielmehr empfiehlt es sich, zum Marktplatz zurückzukehren – allerdings nicht auf direktem Weg. Vielmehr ist eine kleiner Schlenker angesagt, der am Gänseplatz mit Brunnen vorbeiführt. Der Platz entstand nach einem großen Brand im Jahr 1804. Ursprünglich gab es dort Häuser. Der Name „Gänseplatz“ bezieht sich auf die historische Nutzung. 1996 wurde der Platz mit heutigen Gänsebrunnen und Sitzgelegenheiten neu gestaltet.

Nun aber zum Marktplatz. Nachdem es viel zu sehen gab, wird es Zeit, den Gaumen zu verwöhnen. Der Marktplatz ist seit jeher der Treffpunkt in der Altstadt. Markant ist der Brunnen mit der Figur „Maria Immaculata“. Im Sommer ist der sogenannte „Brunnenschoppen“ – ein Glas Wein am Brunnen genießen – ein Muss. Bei den edlen Rebensäften ist die Auswahl riesengroß – ob weiß oder rot. Auch bei den Weinen trifft zu: Tradition steht in Einklang mit der Moderne. Und: Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

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