Sommerserie

Auf den Spuren der Römer

Archivartikel

Für Geschichtsliebhaber ist das Römermuseum mit Kastell in Osterburken eine wahre Fundgrube. Aber auch jeder andere, der sich auf eine Reise in die Zeit von Augustus und den Germanen machen will, ist hier richtig.

Direkt am Limes gelegen, war Osterburken lange Zeit das Zuhause vieler römischer Soldaten, die die Grenze des Reiches bewachten und gegen die germanischen Stämme sowie andere Feinde verteidigten. Neben dem Kastell, das ihnen als Wehranlage diente, entstand schon bald eine Siedlung, welche durch die Kultur und Lebensgewohnheiten der Römer geprägt war.

Mit dem Leben der Krieger, der Bevölkerung vor Ort, deren Glauben und dem Limes als Grenze des Römischen Reiches, befasst sich das Römermuseum in Osterburken. Auf drei Stockwerken sind Fundstücke aus dem Raum Osterburken, das auch als „Römerstadt“ bezeichnet wird, ausgestellt. Die meisten Exponate wurden vor rund 40 Jahren bei Grabungen entdeckt.

Die Reise in die Vergangenheit beginnt bereits, ohne dass der Besucher auch nur einen Fuß in das Gebäude setzen muss. Schon davor findet sich ein schwarzes Muster auf dem Boden, das den Grundriss des römischen Bads darstellt, welches früher an der Stelle emporragte, an der nun das Römermuseum seinen Platz hat.

Die Ausstellung selbst lässt sich in vier Themenbereiche unterteilenund umfasst viele interessante Ausstellungsstücke. Der erste Ausstellungsteil im Erdgeschoss des Museums ist wie eine Landkarte aufgebaut. Sofort springt eine grüne Linie ins Auge, die den Limes darstellt. Auf der einen Seite werden die Römer behandelt, auf der anderen die Germanen thematisiert.

In der Mitte des Raumes findet sich ein Modellbau von Osterburken zur damaligen Zeit. Das Kastell, ein Tempel und das Römerbad sind zu sehen. Auch die Wachtürme am Limes ragen in der Nähe des Dorfes empor.

Spannende Funde

Rund 500 bis 600 Soldaten lebten im Militärlager und hinterließen einige Spuren. So fand man bei den Ausgrabungen Schuhe und Gürtelschnallen, aber auch Speerspitzen und Teile von Rüstungen.

Etwas ganz Besonderes ist außerdem der Schädel eines Germanen, den man in der Nähe des Kastells fand. Man geht davon aus, dass der Germane beim Sturm auf das Kastell, welcher gleichzeitig das Ende der Römer in Osterburken besiegelte, von der Befestigung gefallen ist und dabei ums Leben kam. Rückschlüsse darauf kann man anhand der vielen Frakturen am Schädelknochen ziehen.

In der oberen Etage des Museums dreht sich alles um Jupiter, Juno, Minerva und die anderen Götter Roms. Der Glaube, welcher zu damaligen Zeiten mehr oder weniger öffentlich gelebt wurde, spielt hier die Hauptrolle. Dementsprechend ist auch das Erste, das einem ins Auge fällt, das riesige Bild, auf dem alle Götter abgebildet sind. Es erstreckt sich über eine komplette Wand des Ausstellungsraumes, welcher leicht verdunkelt ist. Dadurch, dass die Götter von hinten angestrahlt werden,kommen die Farben der Kleidung besonders gut zur Geltung und man kommt nicht umhin, die Details zu betrachten.

Im Raum verteilt stehen einige Steinaltäre, die von Beamten aufgestellt wurden, als deren Dienst in Osterburken getan war, alles gut verlaufen ist und sie noch am Leben waren. Am Anfang jeder Inschrift steht in Großbuchstaben I.O.M. für „Iovi optimo maximo“ (Jupiter, dem Besten und Größten), danach wurden alle anderen Götter geehrt. Jedoch stellte man solche Altäre nicht nur auf, um den Göttern zu huldigen. Es ging auch darum, den Leuten vor Ort zu zeigen, das der Stifter alles getan hat, um nicht den Zorn der Götter auf den Ort zu richten.

Im Untergeschoss des Museums, welcher wie eine Art Archiv aufgebaut ist, finden sich noch einige andere Ausstellungsstücke und Stationen die gerne von Schulklassen genutzt werden, die einen Ausflug in das Römermuseum machen.

Das kleine Bad

Zum Herzstück des Römermuseums kommt man, wenn man an der Kasse vorbei ins nächste Gebäude geht und vom kleinen Balkon hinunter sieht. Das kleine Bad – beziehungsweise das, was davon übrig blieb. Hier haben es sich die Römer vor Jahrhunderten gut gehen lassen, außerdem ist es für damalige Verhältnisse ein durchaus beachtliches Bauwerk mit vielen innovativen Details.

In einem separaten Ofen wurde Feuer gemacht. Die warme Luft hat man unter das Gebäude geblasen, so dass der Effekt einer Fußbodenheizung genutzt werden konnte. Je weiter man vom Ofen weg kam, desto niedriger wurde die Temperatur. So gab es am Eingang ein kaltes Bad und am Ende ein heißes Bad, dazwischen ein lauwarmes. Die einzelnen Räume waren durch kleinere Kammern abgetrennt, damit kein Luftzug entstand. Hinter dem Bad, findet der Besucher noch die Nachbildung eines Weihebezirks mit Tempel und Altären.

Rund 300 Meter vom Römermuseum entfernt liegt das Kastell. Es ist in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen und lässt jeden erahnen, wie es in Zeiten der Römer dort ausgesehen haben muss.

Das Gelände um das Kastell ist als Park angelegt und wurde rund 160 n. Chr. gebaut. Der Anbau welcher heute noch zu sehen ist, wurde errichtet, da das eigentliche Kastell wohl bei einem Aufstand in Mitleidenschaft gezogen wurde. Daher entstand das Annexkastell, also der Anbau.

Hier lebten die römischen Soldaten während ihrer Dienstzeit in Osterburken am Limes. Jeden Tag machten sie sich auf zum Wachturm, welcher einige hundert Meter weiter den Hang hinauf liegt. Dort sicherten sie die Grenze des Römischen Reiches gegen Feinde – meist gegen die Germanen.

Zum Fall des Kastells kam es circa 260 n. Chr. mit einem Angriff der Germanen an der oberen Seite. Dort wurden bei Ausgrabungen auch die Speerspitzen sowie der Schädel gefunden, die man im Museum betrachten kann.

Wer nach einem Besuch im Kastell noch Lust hat, kann dem Wachturm am Limes einen Besuch abstatten. Dieser liegt an der Alten Römerstraße 6 den Hügel hinauf. Zu Fuß ist er in knapp 20 Minuten erreichbar.

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