s.Oliver Würzburg

Basketball s.Oliver Würzburg wird künftig kleinere Brötchen backen müssen / Gespräche mit Sponsoren laufen / Kapitän Cameron Wells verlässt „die Baskets“

Wucherer wird „unsere Konstante“ sein

Archivartikel

Derzeit finden im Münchner Audi-Dome die Viertelfinalpartien des Final-Turniers statt. Die BBL war die erste relevante Basketballliga weltweit, die sich inmitten der Corona-Pandemie wieder aus der Deckung wagte. Bewusst auf eine Teilnahme verzichtet hatte der unterfränkische Bundesligist s.Oliver Würzburg. Bereut hat man diese Entscheidung nicht, auch wenn es sportlich reizvoll geworden wäre.

„Auf lange Sicht betrachtet denke ich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben“, findet s.Oliver Würzburg-Geschäftsführer Steffen Liebler und fügt an: „Durch eine Teilnahme hätten wir noch einmal enorme Kosten gehabt, denen keine Einnahmen gegenüber gestanden hätten. Das wäre gegenüber unseren Fans und Sponsoren in der aktuellen Situation nicht vertretbar gewesen. Wir bekommen von ihnen sehr viel Unterstützung durch den Verzicht auf Rückerstattungen und Regressansprüche. Dann können wir aber nicht gleichzeitig für die Teilnahme an dem Turnier Geld ausgeben, das wir momentan gar nicht haben.“

Der Gürtel wird gerade sehr eng geschnallt – im gesamten Klub. Die Geschäftsstelle zieht derzeit um ins Trainingszentrum, um weitere Kostenersparnisse zu erzielen. „Wir schauen überall, wo wir sparen und effizienter werden können“, sagt Liebler. Das wohl größte Betätigungsfeld des Managements besteht derzeit darin, mit den Sponsoren im Kontakt zu bleiben und deren individuelle Situation zu betrachten. Von Premiumsponsor Knauf gab es nun positive Signale (wir berichteten). Auch mit den weiteren Unterstützern verliefeb die Gespräche positiv, berichtet Liebler. Allerdings ist es aufgrund der und ungewissen Lage vieler Firmen derzeit noch nicht möglich, Entscheidungen hinsichtlich eines Sponsorings zu fällen. Unklar ist auch noch die Höhe des Engagements von Hauptgeldgeber s.Oliver. „Wir haben die Zusage, dass das Unternehmen weiter hinter uns steht. Details müssen noch besprochen werden“, sagt Liebler dazu.

Zuschauer-Einnahmen elementar

In jedem Fall ist jetzt schon klar, dass die Würzburger Korbjäger künftig „kleinere Brötchen“ backen müssen, wie es schon seit Wochen immer wieder betont wird. Neben den Sponsorendeals wird vor allem die Zuschauerfrage maßgeblich entscheidend sein, in welcher Größenordnung sich das Budget für die kommende Saison bewegen wird.

„Wir sind wie fast alle in der BBL ein regionaler Klub, der auf die Zuschauereinnahmen angewiesen ist.“ Als Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch verkündete, dass Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober verboten bleiben, war der Jubel bei den Basketballbundesligisten gewiss nicht groß. „Wirtschaftlich betrachtet war das natürlich keine schöne Meldung“, gesteht Liebler. Ein später Saisonstart bleibt ein Thema zwischen den Klubs und der Liga. „Wir haben ein großes Interesse daran, die Chance zu erhöhen vor Zuschauern spielen zu können“, sagt Liebler: „Für unsere Partner und Fans ist es extrem wichtig, das Erlebnis in der Halle zu haben.“

Die Hoffnung liegt dabei auf Lockerungen, die zumindest ein gewisses Zuschauerkontingent zulassen. Dafür bereitet man sich aktuell auf verschiedene Szenarien vor, auch wenn Liebler zugibt, dass die veraltete s.Oliver Arena nicht der ideale Ort ist, um Hygienekonzepte durchzusetzen. „Wenn es soweit ist, wollen wir bereit sein“, sagt er.

Wenn es dann wieder losgeht, wird mit Denis Wucherer auch weiterhin der Headcoach der vergangenen zwei Jahre an der Bande stehen. Der 47-Jährige verlängerte seinen Vertrag in Würzburg im März um zwei Jahre. Anfang des Monats machten Gerüchte die Runde, dass Ligakonkurrent Hamburg Towers seine Fühler nach dem Trainer der „Baskets“ ausgestreckt hat. Auch Bamberg soll angeblich Interesse an ihm haben. s.Oliver Würzburg erteilte den ganzen Gerüchten kürzlich eine klare Absage. „Gerüchte gibt es immer wieder in diesem Geschäft, aber wir wollten damit auch einfach ein klares Zeichen an unsere Fans uns Sponsoren senden, dass wir auf jeden Fall weiter mit Denis planen“, erklärt Liebler: „Er ist ein sehr wichtiger Faktor für die neue Saison. Er wird unsere große Konstante sein.“

Was das Team anbetrifft muss man die in den vergangenen zwei Jahren durchgesetzte Kontinuität teilweise über Bord werfen – mit Felix Hoffmann, Joshua Obiesie, Nils Haßfurther und Jonas Weitzel stehen aktuell vier deutsche Spieler für die kommende Saison unter Vertrag.

Mit Cameron Wells hat der Spielführer und beste Einzelakteur mittlerweile einen neuen Verein gefunden. Der 31-jährige US-Amerikaner unterzeichnete einen Zwei-Jahres-Vertrag beim französischen Erstligisten BCM Gravelines. „Für ihn gab es in den letzten Wochen Anfragen aus ganz Europa“, berichtet Liebler: „Man kann ihm nur beglückwünschen zu einem tollen Vertrag.“ In den Planungen für den Kader 2020/21 spielte Wells aber ohnehin keine Rolle mehr. Zum „kleinere Brötchen backen“ passt ein Spieler seiner Kategorie gewiss nicht. Der Trainerstab ist aktuell beim Scouten potenzieller Neuzugänge. Allerdings ist auch dort Geduld gefragt, bis das endgültige Budget für die neue Saison steht.