s.Oliver Würzburg

Interview Geschäftsführer Steffen Liebler zur aktuellen Situation bei s.Oliver Würzburg / Mittel- und langfristige Ziele stehen im Vordergrund

„Werden gestärkt aus der Krise herauskommen“

Archivartikel

Unmittelbar vor Beginn der neuen Saison in der Basketball-Bundesliga stand uns Steffen Liebler, Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten von s.Oliver Würzburg, für ein Interview zur Verfügung.

Herr Liebler, der Start der neuen Bundesliga-Saison inmitten der zweiten Corona-Welle steht bevor. Macht sich unter den derzeitigen Umständen trotzdem so etwas wie Vorfreude bei Ihnen breit?

Steffen Liebler: Natürlich ist das Gefühl vor dem Saisonstart ein anderes, da wir den Etat herunterschrauben mussten, sind die Voraussetzungen für uns ganz andere.. Vorfreude ist trotzdem da.

In den vergangenen Jahren spielte Würzburg stets um den Einzug in die Playoffs mit. Jetzt ist das oberste Ziel die Klasse zu halten. Wie gehen Sie mit diesem sportlichen Rückschritt um?

Liebler: Für mich ist es auch schwierig, den Anspruch runterzuschrauben. Wir werden uns bestimmt damit abfinden müssen, auch mal einige Spiele in Folge zu verlieren. Trotzdem bin ich mir sicher, dass die Jungs die nötigen Siege zum Klassenerhalt einfahren werden. Mit Denis(Wucherer haben wir einen Trainer, der in der Vergangenheit schon bewiesen hat , mit einem niedrigen Spieleretat umgehen zu können. Ich freue mich auf die Entwicklung unserer jungen Spieler wie Joshua Obiesie oder Nils Haßfurther.

Hätte man sich nicht durch etwas mehr Risikobereitschaft höhere sportliche Ziele vornehmen können?

Liebler: Was bringen mir viele Siege, wenn ich am Ende nicht weiß, ob ich meine Rechnungen noch bezahlen kann? Wir mussten viele drastische Maßnahmen treffen, damit wir in dieser ungewissen Zeit relativ stabil dastehen.

Verpasst man dadurch sportlich nicht den Anschluss?

Liebler: Unsere Orientierung richtete sich ja ganz klar nach oben aus. Unser Weg war klar vorgegeben, unter anderem mit langfristigen Verträgen für Spieler wie Hulls und Bowlin. Wir wollten eine Kontinuität im Kader haben. Jetzt mussten wir uns klein schrumpfen. Kleiner geht es vielleicht nicht. Aber wir sind nicht die Einzigen in der Liga, die Federn lassen mussten und bei denen das Sportliche etwas in den Hintergrund rückt. Für mich stehen gerade mehr mittel- und langfristigen Ziele im Vordergrund. Ich denke nicht, dass wir den Anschluss verlieren.

s.Oliver Würzburg hat seine Hausaufgaben gemacht. Das Hygienekonzept für bis zu 1000 Zuschauern bei den Heimspielenvon den Behörden genehmigt. Im November müssen aufgrund der Maßnahmen der Regierung die Ränge trotzdem leer bleiben. Wann rechnen Sie wieder mit Zuschauern?

Liebler: Vor sechs Wochen war ich fast noch euphorisch und habe gedacht, dass wir gegen Ulm 1000 reinlassen können. Aber dann sind die Infektionszahlen nach oben geschnellt. Es ist nachvollziehbar, dass Maßnahmen getroffen werden mussten. Es ist nicht wirklich abzuschätzen, wie sich alles entwickelt.

Wie viele Spiele ohne Zuschauer wären finanziell gesehen verkraftbar?

Liebler: Wir haben für diese Saison extrem defensiv geplant und natürlich auch ein Worst-Case-Szenario aufgezeigt. Das ist einfach etwas, womit man sich in so einer Phase auch beschäftigen muss. Klar wäre es kein Spaß, dauerhaft ohne Publikum zu spielen, aber insgesamt gesehen würden wir eine gesamte Saison ohne Zuschauer überleben, auch wenn das extrem schwierig darstellbar wäre. Wir haben uns so aufgestellt, dass wir durchkommen würden.

Das sportliche Worst-Case-Szenario wäre der Abstieg. Was würde dann passieren?

Liebler: Zunächst einmal bin ich mir sehr sicher, dass wir nicht absteigen werden. Aber wenn wir absteigen müssten, wäre das trotzdem nicht unser K.o. Wenn wir in Abstiegsgefahr geraten sollten, würden wir dafür nicht unser letztes Hemd riskieren, um dann vielleicht einen kompletten Scherbenhaufen zu hinterlassen. Wenn, dann würden wir als solider und nicht als komplett heruntergekommener und verwahrloster Klub absteigen. Dann müssten wir es eben wie vor sechs Jahren machen: Eine ProA-Saison spielen und versuchen, sofort wieder aufzusteigen.

Steckt in der Krise vielleicht sogar die Chance, einen neuen Weg in die Klub-DNA zu zementieren?

Liebler: Wir haben eine Klub-DNA. Wir wissen, wofür wir stehen wollen und worauf wir hinarbeiten. Die Aufgabe gerade ist durchaus reizvoll. Der Weg mit jungen Spielern, die sich hier entwickeln und dann zu einem Top-Klub oder sogar den Sprung in die NBA schaffen, passt mehr zu uns als der Weg vor ein paar Jahren mit großen Namen wie Robin Benzing. Ich bin wirklich zuversichtlich, dass wir uns gerade so aufstellen, dass wir den Bundesligastandort Würzburg noch lange erhalten. Vor uns stehen ein bis zwei harte Jahre, aber es soll trotzdem Schritt für Schritt nach vorne gehen. Mit dem neuen Gesellschafterkreis kommt zudem neues Know-How und Feuer rein. Ich bin guter Dinge, dass wir gestärkt aus dieser Krise herauskommen werden.

Wie ist eigentlich der Stand zur neuen Arena?

Liebler: Wir sind dafür eigentlich nicht die richtigen Ansprechpartner, weil die neue Arena von einer gemeinnützigen Stiftung und ihrer Projektgesellschaft realisiert wird. Wir stehen aber selbstverständlich voll hinter dem Projekt und hoffen, sobald wie möglich in einer der modernsten Multifunktionsarenen Europas spielen zu können. Das Projekt ist schon sehr weit gediehen. Der nächste Schritt ist der Antrag auf Baugenehmigung. Die Vorbereitungsarbeiten im Umfeld des Arena-Grundstücks haben bereits begonnen. Auch die Verhandlungen mit potenziellen Betreibern standen kurz vor dem Abschluss, aber dann kam die Corona-Pandemie. Jetzt ist wieder Geduld gefragt, weil Unternehmen aus der Veranstaltungsbranche im Moment aufgrund der unsicheren Lage natürlich keine verbindlichen Entscheidungen treffen können. Zuversichtlich stimmt uns, dass die Verantwortlichen, besondere Oberbürgermeister Schuchardt, weiterhin voll hinter dem Projekt stehen.