s.Oliver Würzburg

Basketball Würzburg liegt im Derby gegen Crailsheim schon am Boden, doch das Team rappelt sich trotz des hohen Rückstandes auf und gewinnt nach Verlängerung

Ein Wahnsinns-Sieg, der viele Gesichter hat

Archivartikel

Als ein „Wahnsinns-Basketballspiel“ bezeichnete TV-Live-Kommentator Chris Schmidt das Bundesliga-Derby zwischen s.Oliver Würzburg und den Hakro Merlins aus Crailsheim. Und das empfanden wohl auch alle, die die begeisternden 4 mal 10 Minuten plus fünfminütiger Overtime miterlebt haben (wir berichteten). Die Hohenloher führten bereits mit 20 Punkten, doch wie schon so oft entpuppten sich die Unterfranken als wahre „Mentalitäts-Monster“. In der Verlängerung krönten sie ihre Aufholjagd und feierten unter dem frenetischen Jubel ihrer Anhänger einen am Ende natürlich etwas glücklichen 92:88-Sieg. Glücklich deshalb, weil genauso gut die Crailsheimer hätten gewinnen können.

Für die Würzburger war es natürlich ein Sieg, der viele Gesichter hatte. Zu allererst muss man hier natürlich die Fans nennen, die die altehrwürdige s.Oliver-Arena wieder einmal in ein Tollhaus verwandelten. Es herrschte eine prächtige Stimmung, fast wie in den Playoffs. Einen großen Anteil daran hatten auch die Anhänger der Merlins. Angespornt von den bisherigen Erfolgen ihrer Mannschaft, fanden so viele wie noch nie den Weg zum Derby in Würzburg, wo sie kräftig Stimmung machten.

Auf dem Parkett war wieder einmal Cameron Wells der alles entscheidende Spieler. Er war erneut Denker und Lenker im Würzburger Spiel, übernahm immer wieder Verantwortung und war mit 25 Zählern Top-Scorer der Partie. Darunter waren auch die zwei vermutlich wichtigsten Punkte der Begegnung, als er 1,6 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit den Ball über den ausgestreckten Arm von Aaron Jones zum 84:84 in den Korb legte.

Starker Florian Koch

Zu den stärksten Spielern auf Würzburger Seite gehörte dieses Mal auch Florian Koch, der 16 Punkte (darunter auch vier Dreier) zum Sieg beisteuerte. Er freute sich ganz besonders, dass das Team in der hartumkämpften Partie Charakter gezeigt hat. „Nach den ersten fünf Minuten haben wir Crailsheim gezeigt, dass das hier unser Zuhause ist und es für sie nicht so einfach werden wird. Wir geben uns nie auf.“

Schwächen in der ersten Hälfte, aber eine deutliche Leistungssteigerung im zweiten Spielabschnitt, zeigten Junior Etou und Luke Fischer. Der Kongolese und der US-Boy sammelten insgesamt 26 Punkte und – was im Endeffekt noch wichtiger war – 17 Rebounds, wobei Fischer sogar ein „Double-Double“ (jeweils zweistellige Werte bei Punkten und Rebounds) gelang.

Zum „MVP“ wurde Lokalmatador Felix Hoffmann gekürt. Der sorgte mit neun Zählern für eine persönliche Saisonbestleistung und mit acht Rebounds sogar für einen Karriere-Bestwert. „Bei ihm kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Besonders seine Intensität sticht hervor“, analysierte Coach Denis Wucherer, der nun sogar überlegt, ob er den „Würzburg Warrior“, wie Hoffmann von den Fans liebevoll genannt wird, künftig sogar wieder in die Anfangsformation stellen soll.

Ein Sonderlob des Trainers verdiente sich Victor Rudd. Dessen Stärke liest man weniger aus den Statistikzetteln heraus, sondern sie ist vielmehr in seiner Präsenz auf dem Feld begründet. „Seine Verteidigung gegen Spielmacher DeWayne Russell war ein wichtiger Schachzug für uns , nachdem in der ersten Hälfte nichts funktioniert hat. Auch als Playmaker hat er seine Qualität immer wieder unter Beweis gestellt. Er kann ein Spiel richtig gut lesen.“

Merlins wie aus einem Guss

Bei all der Freude über den eigenen Sieg hat im Würzburger Lager niemand übersehen, wie die Gastgeber in der Anfangsphase von den „Zauberern“ aus Crailsheim förmlich an die Wand gespielt wurden.

„Wenn ich nicht Coach der gegnerischen Mannschaft gewesen wäre, hätte ich das sehr genossen. Es war moderner Basketball mit hoher Spielintelligenz und schneller Ballbewegung“, sagte Denis Wucherer. „So würden wir auch gerne spielen, aber entweder bin ich als Coach nicht gut genug oder meine Spieler sind dafür nicht clever genug. Wahrscheinlich ist es eine Mischung von beidem“.

Auch Crailsheims Trainer Tuomas Iisalo hat die Anfangsphase seines Teams natürlich sehr gefallen: „Wir hatten einen unglaublichen Start in dieses Spiel, in der ersten Halbzeit haben wir super Basketball gespielt.“ Doch in der zweiten Hälfte haben die Merlins dann ihren Rhythmus verloren. Vor allem unter den Körben griffen sie nicht mehr beherzt genug zu. 34:13 für die Gastgeber lautete das Reboundergebnis nach der Pause. „Den großen Unterschied hat heute das Rebounding ausgemacht“, resümierte Iisalo nach der Partie. So wurde es letztes Endes nichts mit dem Auswärtssieg, der durchaus möglich gewesen wäre. „Wir haben es in der Hand gehabt, aber am Ende den Sack nicht zumachen können“, fasste Crailsheims Sportlicher Leiter Ingo Enskat den Spielausgang treffend zusammen..