s.Oliver Würzburg

Basketball Für s.Oliver Würzburg beginnt am Sonntag der BBL-Pokalwettbewerb – in einer Gruppe, in der man keine realistische Chance auf ein Weiterkommen haben sollte

BBL-Tauglichkeit wohl erst ab November

Jahrelang „maulten“ die Fans von Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg, dass bei der Kaderplanung kaum Kontinuität zu erkennen war. Häufig hat sich das Gesicht der Mannschaft von einer zur nächsten Saison grundlegend verändert.

Während der Spielzeit 2019/20 wurden dann frühzeitig mit vielen Spielern Kontrakte für die Zukunft geschlossen – auch mit Trainer Denis Wucherer. Die Zukunft am Würzburger Basketball-Himmel schimmerte rosarot – und dann kam Corona. Vermutlich ist kein einziger Bundesliga-Standort in Deutschland von der Pandemie so hart getroffen worden wie Würzburg. Das Budget für die Saison 2020/21 ist – dem Vernehmen nach – wohl nicht einmal mehr halb so groß wie zuvor. Und das führt natürlich zu Konsequenzen. Die langfristigen Verträge mit gestandenen „Stars“ wie Skyler Bowlin und Jordan Hulls mussten aufgelöst werden, weil man schlichtweg nicht mehr in der Lage war, solche „Gut-Verdiener“ zu bezahlen. An eine Weiterverpflichtung von anderen Top-Leuten wie zum Beispiel Cameron Wells oder Luke Fischer war natürlich auch nicht mehr zu denken. Und mehr noch: Das so begeistert aufspielende Farmteam musste aus der 2. Liga abgemeldet werden. In Würzburg ist tatsächlich nichts mehr so, wie es einmal war.

Trainer Denis Wucherer ist einer, der sich mit „Low-Budget“ auskennt. Bereits in Gießen musste er misind t einem der niedrigsten Etats der gesamten Liga ein schlagkräftiges Team formen – und es ist ihm damals hervorragend gelungen.

Von Null aufs raue BBL-Parkett

Doch die Aufgabe in Würzburg erscheint nun ungleich schwerer, weil man jetzt nicht unbedingt bei Null, aber schon recht weit unten anfangen muss. Verpflichtet wurden viele junge und unerfahrene Spieler, die auf dem doch recht rauen BBL-Parkett erst einmal Erfahrungen sammeln – und dabei auch vermutlich viel Lehrgeld zahlen müssen. Hinzu kommen einige Spieler, die in der vergangenen Saison fast durchgängig verletzt waren und deshalb jetzt erst einmal kleinere Brötchen backen müssen: Brekkott Chapman, Tyson Ward und Justin Sears haben lange pausiert und hoffen nun, die Chance, die sich ihnen bietet, tatsächlich auch nutzen können.

In Würzburg habe er, so Wucherer, in den vergangen Jahren beinahe schon im „Luxus“ wirken können. Er habe die Zeit gehabt, eine Mannschaft aufbauen zu können, mit der man höhere Ziele in Angriff hätte nehmen können. „Doch dieses Team gibt es jetzt nicht mehr. Meine Aufgabe hier ist nun eine ganz andere als damals, als ich den neuen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben habe. Aber sie ist auf keinen Fall weniger interessant. Sie ist für uns Trainer aber definitiv deutlich schwerer.“

Erstes Pokalspiel am Sonntag

Ein erster Härte st wartet auf das junge Team am kommenden Wochenende, wenn in Weißenfels das erste Pokalspiel stattfindet. Dieser Wettbewerb wurde wieder einmal total reformiert, was in den vergangenen Jahren schon mehrfach der Fall war. Es gibt vier Vierergruppen, die an verschiedenen Standorten in Deutschland an zwei Wochenende ihren Gruppensieger ausspielen, der dann am „Final Four“ teilnimmt.

Würzburg hatte, wie in den vergangenen Jahren fast immer, kein sonderliches Pokal-Losglück. Die „Baskets“ sind in einer Gruppe mit dem Vizemeister MHP Riesen Ludwigsburg (18. Oktober, 15 Uhr), dem fränkischen Erzrivalen Brose Bamberg (24. Oktober, 15 Uhr) und dem ambitionierten Team von rationpharm Ulm (25. Oktober, 15 Uhr). Man muss kein Prophet sein, um die Aussichten auf ein Weiterkommen als minimal zu bezeichnen.

Denis Wucherer sagt zwar, dass diese Partien „ein echter Härtetest“ seien. „Im Pokal geht es um was. Dementsprechen seriös werden wir an die Sache herangehen.“ Aber indirekt gibt er auch zu, dass sein Augenmerk ganz klar auf dem Beginn der regulären BBL-Saison (7. November) liegt. „In den Pokalspielen werden wir sehen, wo wir momentan stehen. Dann werden wir daran arbeiten, damit wir ab November unsere Bundesliga-Tauglichkeit unter Beweis stellen können. Wir werden bis dahin die Zeit nutzen, um ständig besser zu werden“, sagt Wucherer

Das Team stehe gegenwärtig in etwa da, wo er es zu diesem Zeitpunkt auch erwartet habe. „Vom BBL-Niveau sind wir derzeit noch ein Stückchen entfernt.“ Das sei aber keinesfalls schlimm, denn auch die anderen Mannschaft hätten mit Sicherheit noch nicht ihren Zenit erreicht hätten.

Wiedersehen mit Jordan Hulls

Gegen die MHP Riesen Ludwigsburg treffen die „Baskets“ auf einen alten Bekannten, der eigentlich in dieser Saison noch das Würzburger Trikot getragen hätte: Jordan Hulls hat in dieser Woche bei den Barockstädtern unterschrieben (wir berichteten). Wucherer rechnet eigentlich nicht damit, dass der „Sniper aus Indiana“, wie er in der Basketball-Szene genannt wird, schon viele Einsatzminuten haben wird. „Er hat ja seit März nicht mehr gespielt“.

Bei Würzburg fehlen wird definitiv Brekkott Chapman, der sich verletzt hat (wir berichteten). Um ihn herum soll eigentlich die neue Truppe aufgebaut werden. Dabei sein werden vermutlich beide Nachverpflichtungen (Micah Downs und Mark Ogden).

Als Kapitän wird in dieser Saison übrigens das Würzburger „Urgestein“ Felix Hoffmann das Team auf das Feld führen. Er war die ganze Zeit der Team-Senior – bis zur Verpflichtung Micah Downs, der bereits 34 ist und damit drei Jahre älter