s.Oliver Würzburg

Basketball Der Würzburger Bundesligist verliert zwar den Test gegen Darüssafaka Istanbul, doch die Erkenntnisse für die bald beginnenden BBL-Saison sind positiv

Ball ist mehr und schneller in Bewegung

Lange ist es nicht mehr hin bis zum Saisonstart für die Würzburger Bundesligabasketballer – in zwölf Tagen hat das Warten ein Ende. Im einzigen Test vor heimischen Publikum, vor 1200 Zuschauern in der „s.Oliver Arena“, zeigte das Team von Headcoach Denis Wucherer am Donnerstagabend auch bereits, dass es durchaus eine spannende und unterhaltsame Saison werden kann, an deren Ende laut dem Ex-Nationalspieler Wucherer, der in seine zweite Saison als Würzburger Trainer geht, „alles nur nicht Platz neun herausspringen soll“.

Zwar ging die Partie gegen den türkischen Spitzenklub Darüssafaka Istanbul mit 74:82 verloren. Dennoch hielten die „Baskets“ gegen das europäische Schwergewicht, das in den vergangenen vier Jahren drei Mal an der Euro League, dem höchstens Vereinswettbewerb Europas, teilnahm, gut mit. Im Auftaktviertel hatte Würzburg noch mit der bemerkenswerten Athletik und der hohen individuellen Klasse der Gäste zu kämpfen. Ab dem zweiten Viertel kamen die Hausherren, in der noch nicht ganz so stimmungsvollen „Turnhölle“, wie man es von BBL-Spielen gewohnt ist, immer besser ins Rollen. Besonders hervor taten sich dabei Johannes Richter (10 Punkte) sowie die beiden Neuzugänge Luke Fischer (10 Punkte, 6 Rebounds, 3 Assists) und Brekkott Chapman (13 Punkte).

Zufriedener Wucherer

Coach Wucherer war trotz der Niederlage, die vor allem dem offensivschwachen Schlussviertel geschuldet war, zufrieden: „Wir waren über weite Strecken auf Augenhöhe mit dem Gegner, sind hintenraus aber etwas müde geworden und hatten eine schlechte Dreierquote. Das sind aber Sachen, die wir bis zum Saisonstart noch abstellen können, wenn wir etwas frischer und fitter sind.“ Zum Einsatz kam mit Rytis Pipiras auch ein brandneues Gesicht. Der 24-jährige Litauer ist allerdings nur für das Farmteam in der ProB vorgesehen, könnte aber bei bis zu fünf Spielen in der BBL aushelfen.

Den letzten Test vor dem Ligastart hat man im jüngst anberaumten nichtöffentlichen Vergleich im Trainingszentrum der „Baskets“ gegen den BBL-Konkurrenten Fraport Skyliners am Mittwoch um 15 Uhr. Als gelungener Vorgeschmack diente das Spiel gegen Istanbul in jedem Fall. Die Mannschaft spielte schnellen Basketball, bei dem der Ball viel durch die eigenen Reihen lief. Ganz nach Wucherers Geschmack: „Das ist unser Spielstil, den wir weiter verbessern wollen. Wer die Weltmeisterschaft aktuell verfolgt, sieht: Dort wo sich der Ball bewegt, schnell und miteinander gespielt wird, wird erfolgreich gespielt. Australien ist da ein wunderbares Vorbild.“

Um die Idealvorstellung des Trainers zu verwirklichen, müssen auch die Neuzugänge voll einschlagen. Kurz vor dem Ligastart konnten dahingehend schon einige wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden:

Brekkott Chapmann (23 Jahre alt/Power Forward): Der „Rookie“, der zuletzt am College in den USA spielte, deutete gegen Istanbul an, dass er ein wahres Spektakel sein kann. Sein schneller Antritt und seine gewaltige Sprungkraft, werden ihn schnell zum Publikumsliebling in der „Turnhölle“ machen. „Er ist sehr vielseitig, kann auf den großen Positionen überall eingesetzt werden. Mit ihm bin ich sehr zufrieden und wir werden mit ihm viel Spaß haben,“ befindet Denis Wucherer.

Noah Allen (24/Small Forward): Der US-amerikanische Flügelspieler ist derzeit nur mit einem Zwei-Monats-Vertrag ausgestattet und kämpft um eine längerfristige Anstellung in Würzburg. Seine 20-minütige Bewerbungen gegen Darüssafaka fiel grundsolide aus. Das sah auch sein Trainer so: „Er macht unaufgeregt seine Arbeit. Er ist einer der besseren Verteidiger bei uns im Team. Die letzten Tage war er etwas müde. Wenn man jemanden spät verpflichtet, weiß man eben nie, was er im Sommer gemacht hat. Die Intensität hier ist für ihn Neuland.“

Luke Fischer (24/Center): Der 2,11 Meter große Big-Man spielte zuletzt beim Euro-League-Teilnehmer Gran Canaria, kam dort allerdings (auch verletzungsbedingt) zu wenig Einsatzzeiten. Durch sein hohes Spielverständnis, seine Stärke im Postup und seiner Präsenz unter dem Brett, stellt er den ersten Eindrücken nach eine deutliche Verbesserung zu seinen Center-Vorgängern Olaseni und Morrisson dar. „Er ist eine echte Kante und er ist das schnelle Spiel aus der spanischen ACB gewohnt. Vielleicht muss er das hier in der BBL gar nicht ganz so schnell machen. Aber da wird er den Dreh noch rausbekommen. Mit ihm haben wir viel Qualität auf der Center-Position hinzugewonnen,“ so Wucherer über den US-Amerikaner mit armenischen Pass.

Nils Hassfurther (20, Point Guard): Mit der deutschen U20-Nationalmannschaft gewann der gebürtige Bamberger kürzlich bei der Europameisterschaft, als einer der herausragenden Akteure, Bronze. Bei den Nürnberg Falcons sammelte er bereits zwei Jahre Profi-Erfahrung in der ProA und möchte in Würzburg nun den nächsten Schritt machen. Den Saisonstart droht er wegen einer Bänderdehnung im Knöchel zu verpassen. Dennoch hält Wucherer große Stücke auf das wurfstarke Guard-Talent: „An ihm waren noch ganz andere Mannschaften dran und wir sind froh ihn bekommen zu haben. Nils hat in der Vorbereitung schon gezeigt, wie weit er in seinem Alter schon ist – vor allem was Spielverständnis auf hohem Niveau angeht. Außerdem war er zusammen mit Joshau Obiesie der Fitteste im Kader. Er wird in unserer Rotation eine wichtige Rolle spielen.“

William Sheehey (27/Small Forward): Der einzige Neuzugang, von dem bisher noch gar nichts zu sehen war. Der Grund ist eine Leisten-Operation noch vor Beginn der Saisonvorbereitung. Ebenso wie Allen, der für ihn nachverpflichtet wurde, hat Sheehey erstmal nur einen Zwei-Monats-Vertrag in Unterfranken unterschreiben dürfen. Mit beeindruckenden 19,4 Punkten und einer Dreierquote von 43,2 Prozent im letzten Jahr in der portugiesischen Liga für den FC Porto, klingt die Verpflichtung des US-Amerikaners vielversprechend. Ob er letztlich überhaupt ein Pflichtspiel im Trikot von s.Oliver Würzburg machen wird, steht noch in den Sternen. Für die Besetzung der Position des Small Forwards überprüft man noch weitere Optionen auf dem Spielermarkt.