s.Oliver Würzburg

Basketball Nach der ungewöhnlich hohen Niederlage gegen Bayreuth findet Würzburgs Trainer Denis Wucherer deutliche Worte / Ab ins Trainingslager

Auf der Suche nach einem Anführer

„Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierte der Fanblock am Mittwochabend während des Schlussviertels der Basketball-Bundesliga-Begegnung s.Oliver Würzburg gegen medi Bayreuth, bei der die Hausherren im fränkischen Derby eine hochverdiente 66:85-Schlappe kassierten (wir berichteten). „Das habe ich in zehn Jahren noch nie erlebt, dass die Fans so etwas über eine meiner Mannschaften gesungen haben“, stellte Würzburgs Headcoach Denis Wucherer nach der zweithöchsten Saisonniederlage fest: „Die Jungs kämpfen – das ist klar, auch wenn es nicht bei jedem so aussieht.“

Geschuldet waren die deutlichen Worte des Anhangs speziell der katastrophalen Leistung von Wucherers Team im zweiten Spielabschnitt. Im ersten bewegten sich die Unter- mit den Oberfranken noch auf Augenhöhe – 33:35 hieß es zur Pause. Was dann folgte, dafür fehlten auch dem Trainer etwas die Worte: „Erklären können wir uns das nicht, aber wir werden versuchen, es möglichst genau zu analysieren. Gründe gibt es wahrscheinlich Hundert, aber eine intakte Mannschaft würde all das, wie Schicksalsschläge, fehlender Rhythmus und Verletzungen, gemeinsam wegstecken. Das haben wir zuletzt nicht geschafft.“

Dabei hatte das Team hinter der Ersatzbank einen ungewohnt prominenten Unterstützer. Bernd Freier, der alleinige Gesellschafter des Klubs, tauschte seinen üblichen VIP-Platz mit dem direkt hinter den Spielern, an der Seite von Manager und Geburtstagskind Kresimir Loncar. Beflügelt hat die Nähe des Bosses offensichtlich keinen der Akteure – auch der direkte Vergleich gegen Bayreuth ging durch die 19-Punkte-Niederlage verloren (Hinspiel: 88:79 für Würzburg).

Vielmehr stürzen die Würzburger Baskets mit ihrer dritten Niederlage in Serie in ihr erstes ernstes sportliches Tief der laufenden Saison. „In den letzten Spielen haben wir es nicht geschafft, einmal über 40 Minuten BBL-Niveau zu erreichen“, so Wucherers schonungslose Worte. Schon die vorhergegangen Spiele verliefen nicht nach dem Gusto des Trainers, dem der Spielplan in der BBL – mit zuletzt mehreren spielfreien Wochen – überhaupt nicht zusagt. Im so wichtigen Duell der Playoff-Anwärter gegen Bayreuth setzten die Spieler freilich kaum etwas davon um, was der Coach vorab gebetsmühlenartig forderte. Nur vier von 19 Dreiern standen letztlich zu Buche – ein für Würzburger Verhältnisse inakzeptabler Wert (Saisondurchschnitt: 10,6).

Blutleere Würzburger

Offensiv klappte kaum etwas, die Bayreuther hatten defensiv keine großen Mühen und waren dementsprechend fast etwas verwundert. „Besonders freut mich, dass wir das Spiel über die Defensive gewonnen haben, was ja bisher nicht unbedingt unsere allergrößte Domäne war. Würzburg in eigener Halle auf 66 Punkten zu halten, ist aller Ehren wert“, erkannte Bayreuths Headcoach Raoul Korner. Der Österreicher und seine Mannen, die starke 15 Mal von jenseits der Dreipunktelinie erfolgreich waren, trafen aber auch auf ungewohnt blutleere Würzburger, bei denen sich in der kritischen Phase nach dem Seitenwechsel kein Anführer hervortat.

Das einzige was die Mannschaft an diesem rabenschwarzen Mittwochabend gemeinsam tat, war, schon Minuten vor Ende die Köpfe hängenzulassen. „Keine Ahnung, ob es jedem klar war, was für ein wichtiges Spiel das heute war“, sagte Flügelspieler Felix Hoffmann direkt nach Spielende: „Es kotzt mich massiv an, wie wir vor allem die letzten 15 Minuten aufgetreten sind. Das war desaströs und tut mir leid für alle Fans, die heute in die Halle gekommen sind. Hätten wir die Vorgaben vom Coach einfach befolgt, hätten wir gewonnen.“

„Wir müssen die letzten drei Wochen vergessen und uns neu einstellen“, gibt Denis Wucherer die Marschrichtung vor. Die nächste Gelegenheit, sich mit dem eigenen Anhang zu versöhnen und zurück in die Spur zu finden, lässt auf sich warten. Zunächst stehen zwei spielfreie Wochenenden (aufgrund des Nationalmannschaftsfenster und des BBL-Pokalfinals) an, ehe es am 1. März auswärts gegen Bonn und drei Tage später mit einem Heimspiel gegen Bamberg weitergeht.

Um sich für die letzten zweieinhalb Monate der Saison zu wappnen, wird der Würzburger Baskets-Tross am kommenden Montag für sechs Tage ins Trainingslager ins spanische Valencia reisen. „Das wird ein Charaktertest. Ab jetzt muss natürlich ein anderer Wind wehen“, kündigt der Trainer schon einmal an.

Mit zehn Siegen aus 19 Spielen ist die Ausgangslage dennoch weiterhin gut, trotz der jüngsten Negativerlebnisse, die Playoffs zu erreichen. Dabei wird Wucherer vermutlich noch einen Rückkehrer im Kader begrüßen dürfen. Power Forward Brekkott Chapman, der sich kurz nach dem Saisonstart am Knie verletzte, steht schon beim anstehenden Trainingslager vor einer Rückkehr ins Mannschaftstraining. „Er ist ein positiver Typ, der uns gerade sehr guttun würde“, findet Wucherer, der damit am Ende des Abends doch noch zumindest eine erfreuliche Meldung verkünden konnte.