s.Oliver Würzburg

Basketball Würzburg hatte gegen eine vor Spielfreude sprühende Berliner Mannschaft nicht den Hauch einer Chance

Alba erteilt eine Lehrstunde

Archivartikel

s.Oliver Würzburg – Alba Berlin 82:110 (15:32, 23:28, 20:27, 24:23)

Würzburg: Wells (21 Punkte/davon 1 Dreier), Hulls (15/2), L. Fischer (14), Rudd (8/1), Bowlin (7/1), Koch (7/1), Richter (4), Obiesie (3/1), Pipiras (2), Hoffmann (1), Haßfurther,

Berlin: Giffey (21/5), Giedraitis (14/2), Nnoko (13), Siva (12/4), Cavanaugh (12/1), Hermannsson (9/1), Schneider (7/1), Ogbe (6), Mattisseck (6/2), Delow (5/1), Sikma (3/1), Mason (2),

Zuschauer: 3140 (ausverkauft).

Das Umfeld und sicher auch das Team von s.Oliver Würzburg selbst erhofften sich eine Sensation. Am Ende kam das Team von Headcoach Denis Wucherer gegen den amtierenden Vizemeister ALBA Berlin gehörig unter die Räder. Mit 82:110 zogen die Unterfranken auch in der Höhe verdient den Kürzeren.

In der Startformation ließ sich Wucherer einen unerwarteten Kniff einfallen. Er beorderte den 24-jährigen Litauer Rytis Pipiras, der eigentlich nur für das Farmteam in der drittklassigen ProB vorgesehen ist, in seine Anfangs-Fünf. Geschuldet war dessen Beförderung natürlich auch der aktuellen Lücke auf der Position des Power Forwards, nach dem Neuzugang Brekkott Chapman schwer verletzt bis zum Ende der Runde ausfällt. „Notlösung“ Pipiras gab sein Bestes, war aber wie fast die komplette Würzburger Mannschaft restlos überfordert.

Selbst Wucherer schwärmt

Schon früh im Spiel stellten die Gäste, die keine 48 Stunden zuvor in der EuroLeague in Barcelona (84:103) ranmussten, die Weichen auf Sieg. „Vom Spielerischen her, gehören die Berliner zu den Top 3 in Europa“, schwärmte Würzburg-Coach Wucherer hinterher. Es war in der Tat die reine Augenweide, wie das Team der spanischen Trainerlegende Aito Garcia Reneses mit einem schnellen und klugen Passspiel, immer wieder zu völlig freien Würfen kam. Erst im zehnten Versuch, fand ein Dreipunkteversuch der Albatrosse einmal nicht den Weg durch die Reuse. Als nach zehn Minuten die Sirene das erste Viertel beendete, schienen die Würzburger Korbjäger erleichtert, endlich einmal durchschnaufen zu dürfen. 15:32 stand es da bereits – und im Grunde war das Spiel bereits zu diesem frühen Zeitpunkt gelaufen. „So eine Mannschaft lässt dich nach so einem Start nicht mehr zurückkommen“, stellte Wucherer nachher fest.

Teile des Publikums waren von der bloßen Schönheit des Berliner Spiels nicht sonderlich zufriedengestellt. Der mitunter blutleere Auftritt der „Baskets“ wurde Mitte des dritten Viertels mit vereinzelten Pfiffen von den Rängen quittiert. So etwas ist durchaus eine Rarität in der s.Oliver-Arena. Flügelspieler Florian Koch hatte nach der zweiten Niederlage im vierten Saisonspiel auch keine rechte Erklärung parat: „Wir wollten uns natürlich besser verkaufen. Gerade zuhause ist es wichtig, 40 Minuten Kampf zu zeigen. Wir haben Berlin heute aber viel zu viele Freiräume gelassen. Das haben die gnadenlos bestraft.“ Die kommende Aufgabe am nächsten Sonntag gegen den FC Bayern München wird nicht minder schwierig.

Rudd körperlich nicht fit

Mit dabei ist dann auch wieder Neuzugang Victor Rudd, der am gestrigen Sonntag mit acht Punkten in 20 Minuten eine allenfalls solide Heimpremiere feierte. Die basketballerischen Fähigkeiten des Euro-League-erfahrenen Flügelspielers sind unbestritten. Sein desolater Fitnesszustand allerdings auch. „Nächstes mal sollten wir besser in ein Flugticket investieren, damit vor der Verpflichtung jemand rüber in die USA fliegt, um den Zustand des Spielers zu kontrollieren“, moniert Denis Wucherer, der aber auch betont, dass Rudd „ein absoluter positiver Typ und Teamplayer ist“. Aber eben keiner, der den „Baskets“ auf die Schnelle weiterhelfen kann.