Seckach

Politisches Abendgebet Im Zentrum standen Dietrich Bonhoeffer und das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen“

Zu Ungerechtigkeiten nicht geschwiegen

Archivartikel

Seckach.Unter der Überschrift „Dietrich Bonhoeffer – Widerstand und Ergebung“ hatten Siglinde Mack und Manfred Glittenberg von der Seelsorge-Initiative „fromm und politisch“ das politische Abendgebet am vergangenen Sonntag in der Klingekirche organisiert.

„Fromm und politisch“

Bonhoeffer hatte sich und sein Wirken ebenso ökumenisch verstanden wie es auch die Initiative „fromm und politisch“ tut. Ökumenisch gesungen – also im katholischen und evangelischen Kirchengesangbuch vertreten – ist das bekannte Lied mit seinem Text „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Dieses Lied war der rote Faden des politischen Abendgebets, fast zwingend gesungen vom ökumenischen Gospelchor Rosenberg unter Hyun-Soo Park.

Siglinde Mack und Manfred Glittenberg waren einer Frage nachgegangen, die sich Bonhoeffer wohl auch selbst gestellt hat: „Wer ist Dietrich Bonhoeffer?“ Auf jeden Fall kam der Wunsch des am 4. Februar 1906 in Breslau geborenen jungen Mannes, Theologie zu studieren, überraschend. Bereits 1928 reichte er seine Doktorarbeit „Sanctorum Communio“, eine dogmatische Untersuchung zur Soziologie der Kirche“ ein. Sicher entwickelte sich sein „fromm und politisch“ immer stärker. Vikar in der deutschen Gemeinde in Barcelona, praktische Pastoralarbeit in den Kirchengemeinden Harlems mit dem Fokus auf Frieden und Rassismus und die frühe Erkenntnis, was die antisemitischen Maßnahmen der Nazis bezweckten mit der Mahnung durch das Bibelwort: „Öffne deinen Mund für die Stummen“ beziehungsweise . für die Juden. Dass er ihn einmal selbst gehalten hat aus Angst, hat ihn so zornig über sich selbst werden lassen, dass er daraus Konsequenzen zog und nie mehr zu Ungerechtigkeiten schwieg und öffentlich Stellung nahm gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung.

Dabei vermisste er den Einsatz der Kirche in dieser „Bewährungsprobe“ mit der Mahnung: „Nur wer für die Juden schreit, darf auch gregorianisch singen.“ Denn für ihn war der Judengott auch der Gott des Neuen Testaments. Etwa ab 1938 schloss er sich dem Widerstand um Wilhelm Franz Canaris an. 1940 erhielt er Redeverbot und 1941 Schreibverbot. Am 5. April 1943 wurde er verhaftet und zwei Jahre später auf Befehl Adolf Hitlers als einer der letzten NS-Gegner, die mit dem Attentat vom 20. Juli 1944 in Verbindung gebracht wurden, hingerichtet. Einem Brief an sein Patenkind war 1944 noch die Hoffnung zu entnehmen „Bis Du groß bist, wird sich die Gestalt der Kirche sehr verändert haben. Es ist nicht unsere Sache, den Tag vorauszusagen – aber der Tag wird kommen, an dem wieder Menschen berufen werden, das Wort Gottes so auszusprechen, dass sich die Welt darunter verändert und erneuert.“ An Silvester 1944 im KZ, vier Monate vor seiner Hinrichtung, schrieb Bonhoeffer „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag“.

Schwere, innere Kämpfe

Diese Zuversicht kam nicht aus einem sonnigen Gemüt oder aus blauäugiger Naivität, sondern war das Ergebnis schwerer innerer Kämpfe. Er war fromm und politisch, stark und unsicher. Seine Erkenntnis: „Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich o Gott!“ Er wurde nur 39 Jahre alt. Seine letzten Worte waren: „Das ist das Ende – für mich der Beginn des Lebens.“ L.M.