Seckach

„30 Jahre Wiedervereinigung“ Eine Standortbestimmung am Beispiel der Partnerstädte Seckach und Reichenbach / Film will kleinen Anstoß zur Annäherung geben

Jürgen Dettling filmt dort, wo die Menschen sind

Archivartikel

Seckach.Jürgen Dettling sieht sich als neutraler Beobachter, und in dieser Funktion sammelt der Filmemacher aus Waldkirch (Kreis Emmendingen) schon seit einigen Wochen Material zum Thema „30 Jahre Wiedervereinigung: eine Standortbestimmung am Beispiel der Partnerstädte Seckach und Reichenbach“.

Er greift damit eine hoch-aktuelle Thematik auf und beschäftigt sich vor allem mit der Frage, wie die Annäherung von „West“ und „Ost“ noch weiter gefördert werden kann.

Die von der Gemeinde Seckach im Bauland und der Stadt Reichenbach in der Oberlausitz am 12. Oktober 1990 besiegelte Städtepartnerschaft ist bis heute so lebendig, dass sie tausende von Menschen aus Ost und West in Freundschaft zusammengebracht hat.

Jürgen Dettling hatte sich gute zwei Wochen in Reichenbach umgeschaut, sich mit Bürgermeisterin Carina Dittrich ebenso ausgiebig unterhalten wie mit den Reichenbachern in den Vereinen und am Stammtisch. Und das gleiche hat er beim Seckacher Straßenfest auch mit Bürgermeister Thomas Ludwig begonnen und wird es in den verschiedenen Vereinen noch fortsetzen. Es geht ihm um das soziale Leben der Menschen, ihre Verwurzelung in der jeweiligen Heimat. Fragen gibt es viele. Beispielsweise zum Ortsteilezudenken, das auch 47 Jahre nach der Gemeindereform – heute meist humorvoll – noch kursiert.

Thomas Ludwig blieb keine Antwort schuldig, ob zur Klinge als Teil von Seckach, jedoch als Kinderdorf selbst verwaltet, oder zur Land- und Forstwirtschaft, durch die die Baulandgemeinde stark geprägt ist.

Ludwig machte deutlich, dass der Verbraucher mit „seinen Füßen“ entscheidet, ob die heimische Landwirtschaft überleben kann. „Es kommt darauf an, wo er einkaufen geht.“ Jürgen Dettling filmt dort, wo die Menschen sind: in Vereinen, auf Plätzen, bei Veranstaltungen und Treffpunkten, Festen, Stammtischen, Kirchen, Schulen und ähnliches. Und am vergangenen Sonntag eben auf dem Straßenfest im Kinder- und Jugenddorf Klinge.

Er ist als Dokumentarfilmer aus eigenem Interesse und freien Stücken unterwegs, aber nicht im Auftrag eines Fernsehsenders, einer Stiftung, einer Interessensgruppe.

Von der Oberlausitz war er so begeistert, dass er beabsichtigt, dort hin zu ziehen. Sein Film über Reichenbach und Seckach und die Menschen in beiden Kommunen beabsichtigt, einen kleinen Anstoß zur Annäherung und zum gegenseitigen Verständnis der Bürger in den „alten“ und in den „neuen“ Bundesländern zu geben. Er soll spätestens Ende 2019 fertig sein und möglichst weit verbreitet werden. Öffentliche Premieren in Seckach und Reichenbach könnten den Anfang machen.