Seckach

85. Geburtstag Peter Schmackeit feiert an diesem Mittwoch / Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk erhalten

Ehrenamtlicher Redakteur ist die Klinge-Zeitung in Person

Archivartikel

Seckach-Klinge.Inzwischen mit der Verdienstmedaille des Bundesverdienstkreuzes für sein Lebenswerk im Kinder- und Jugenddorf Klinge ausgezeichnet, gilt er noch immer als „der“ Chronist und ehrenamtliche Redakteur sowie einziger Artikelschreiber der vierteljährlich erscheinenden Klingezeitung. Die Rede ist von Peter Schmackeit, der an diesem Mittwoch seinen 85. Geburtstag feiert – zusammen mit seinen beiden Töchtern und dem Enkelsohn.

Geboren wurde der Jubilar am 11. März 1935 in Jugenheim an der Bergstraße, wo er auch seine ersten Lebensjahre verbrachte. Doch natürlich blieb auch sein Leben nicht unbeeinflusst von den Wirren des Zweiten Weltkrieges.

Bange Momente

Als der Arbeitgeber seiner Mutter Martha Maria, der bekannte Fotograf Hanns Tschira, in seinem Berliner Atelier und Fotoarchiv ausgebombt und der Betrieb verlegt wurde, siedelte die Fotografin mit der Firma Tschira und ihrem Sohn um nach Lübchen in Niederschlesien. Leider mussten alle schon ein knappes Jahr später, im bitterkalten Januar 1945, fliehen. In einem wochenlangen Treck, immer in Angst vor der Roten Armee, gelangten sie zunächst ins Erzgebirge und später auf teilweise abenteuerlichen Wegen an den Bodensee, wo sie mit dem Einmarsch der Franzosen am 19. März das Kriegsende erlebten. Der mittlerweile zehnjährige Peter konnte ab 1946 das Konstanzer Gymnasium besuchen, bis die Firma Tschira 1950 nach Baden-Baden umzog. Für seine Mutter war es eine Selbstverständlichkeit, ihrem Arbeitgeber die Treue zu halten, und so machte Sohn Peter schließlich 1955 sein Abitur in Baden-Baden, um anschließend sein Lehrerstudium in vier Semestern in Heidelberg durchzuziehen. „Das war nichts Ungewöhnliches. Es gab noch keine langen Semesterferien und während unseres Acht-Stunden-Tags am Pädagogischen Institut wurde von Anfang an großer Wert auf schulische Praxis gelegt“, erklärte der Jubilar in der ihm eigenen bescheidenen Art. Während seines letzten Semesters erwischte auch ihn der „Klinge-Virus“ im Rahmen einer „Exkursion ins Hinterland“. Dabei standen zum einen der Deutsche Ritterorden in Bad Mergentheim auf dem Programm und danach die riesige „Baustelle Jugenddorf Klinge“. Und Pfarrer Magnanis Idee von einem Kinderdorf begeisterte ihn so sehr, dass er den Dorfgründer fragte: „Kann man hier auch als Lehrer arbeiten?“ Er folgte: „Sie müssen sich nur bewerben“.

Und so trat der Jubilar am 2. April 1957 dort seine erste Stelle als Grund- und Hauptschullehrer an. Es war eine Herausforderung, denn es gab so gut wie nichts an dieser privaten „Schule“ ohne Schulhaus, und die Erstellung der Lehrmittel war der Kreativität des Lehrkörpers überlassen. Dennoch, oder gerade deswegen, blieb Schmackeit und widmete seine Arbeit nach der Hälfte seiner Dienstzeit lernbehinderten Kindern und Jugendlichen. Doch Peter Schmackeit erinnert sich noch sehr gut an die schwierige und finanziell immer „am Abgrund“ schwebende Anfangszeit, bis Hilfe von höherer Stelle in Form einer neuen Verwaltungsstruktur kam, deren Grundlagen bis heute greifen.

„Karriere“ bei der Klinge-Zeitung

1958 heiratete er seine Frau Verena, die er in Baden-Baden kennengelernt hatte. Als der Jubilar 1999 den wohlverdienten Ruhestand antrat, kam fast nahtlos und vollkommen überraschend mit der redaktionellen Bearbeitung der Klinge-Zeitung eine neue „Karriere“ auf ihn zu. Eigentlich zunächst als Vertretung gedacht, blieb der Job an dem passionierten Hobbyfotografen hängen. Inzwischen geht nichts mehr in der Klinge ohne den Chronisten, der überall gerngesehen ist. Eine seiner Zeitungsrubriken trägt die Überschrift „Im Album geblättert“, und genau unter diesem Titel und als Zusammenfassung der bis dato erschienenen „Einzelreportagen“ erschien zum 60. Geburtstag der Klinge ein ganz besonderes Nachschlagewerk in zwei Bänden vom „Ring der Ehemaligen“. Seit 2001 hat der heute verwitwete Peter Schmackeit eine weitere ungewöhnliche, aber sehr nützliche Beschäftigung entdeckt. Während einer ersten Reise nach St. Petersburg mit Pfarrer Duffner hatte er sich bereiterklärt, Texte der dortigen, noch jungen Caritas, die bereits für die Sponsoren in Deutschland aus dem Russischen übersetzte, aber doch noch mit sprachlichen Schwächen behaftet waren, noch einmal zu überarbeiten. Diese Arbeit fordert ihn bis heute und wird von den St. Petersburgern seit mittlerweile fast 20 Jahren, in denen er insgesamt fünfmal dort war, wertgeschätzt.

Die Gratulationscour zum Ehrentag wird also sicher international ausfallen und viele Honoratioren bringen. Den Glückwünschen von Freunden und Verwandten schließen sich die Fränkischen Nachrichten mit den besten Wünschen gerne an. L.M.