Seckach

80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Zimmern Jubiläumsfeier aufgrund der Corona-Krise verschoben / Jugendabteilung vor 35 Jahren gegründet

Die Anfänge liegen im 16. Jahrhundert

Zimmern.In der über 1200-jährigen Geschichte von Zimmern als kleinster Ortsteil der Gemeinde Seckach dürfte es wohl das erste Mal sein, dass man sich im Ort nicht zum Feiern eines echten Jubiläums zusammenfindet. In diesem Jahr aber ergeht es der Freiwilligen Feuerwehr wie ihren Kameraden aus Großeicholzheim und anderen Vereinen, indem man 80 Jahre alt wird, aber aufgrund der Corona-Pandemie nicht feiern darf. Das Jahr 2020 hätte für Zimmern allgemein und spezielle für die Kameraden der Wehr einen ganz besonderen Höhepunkt bereitgehalten, nämlich am Wochenende nach Christi Himmelfahrt die zweitägigen Feierlichkeiten zum 80-jährigen Bestehen „ihrer“ Wehr.

„Nicht mehr wegzudenken“

Und Grund zum Feiern gibt es wahrlich genug, denn damals wie heute sind die Männer und Frauen im „blauen Rock“ stets zur Stelle, wenn es darum geht, Leib und Leben sowie Hab und Gut vor Feuersbrünsten oder anderen Unglücken zu bewahren. „Darüber hinaus ist die Freiwillige Feuerwehr Zimmern aber auch aus dem kulturellen Leben des Dorfes nicht wegzudenken“, lobt Bürgermeister Thomas Ludwig nicht ohne Stolz „seine Ortswehr“. Die Feierlichkeiten wurden deshalb von Abteilungskommandant Siegfried Barth und dem Abteilungsausschuss auch keinesfalls ersatzlos abgesagt, sondern nur verschoben, wobei ein Termin noch in diesem Jahr aufgrund der weiterhin angespannten Coronagefährdungslage eher unwahrscheinlich zu sein scheint. Gemeinsam feiern ist derzeit also leider nicht möglich, weshalb ein Rückblick und die Würdigung der erbrachten Leistungen auf diesem Wege erfolgt.

Lange Vorgeschichte

Geschichtlich betrachtet dürfte das Kriegsjahr 1940 als Zeitpunkt für die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr eher überraschen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich aber, dass das Feuerwehrwesen auch in Zimmern eine viel längere Vorgeschichte hat. Das erste Zeugnis hierzu findet sich bereits im 16. Jahrhundert, als das mainzische Oberamt Amorbach mit seiner Kellerei Buchen die Zimmerner Untertanen dazu verpflichtete, bei „Brandnot“, wie es damals hieß, Beistand zu leisten.

Eine sehr frühe Form von interkommunaler Zusammenarbeit lässt sich dann im Jahre 1829 nachweisen: Das Großherzoglich Badische Ministerium des Innern verfügte, dass die Gemeinden Eberstadt, Schlierstadt, Seckach und Zimmern zum Zwecke der gegenseitigen Hilfeleistung und der Anschaffung einer Feuerspritze eine „Feuerlöschconcurenschaft“ zu begründen hatten.

26-jähriges Zweckbündnis

Immerhin 26 Jahre hatte dieses Zweckbündnis Bestand, ehe dann doch wieder jede Ortschaft den Brandschutz für sich organisierte. Doch in den folgenden Jahrzehnten zeigte sich landauf, landab, dass Pflichtfeuerwehren ganz einfach nicht die Schlagkraft einer sich auf Freiwilligkeit gründenden Wehr besitzen. Gleichwohl entwickelte sich dieser Prozess aber sehr zäh, weshalb alle Gemeindewehren in Deutschland am 3. Oktober 1937 per Reichserlass zu Freiwilligen Feuerwehren umfunktioniert wurden.

Am 22. September 1940 fand dann endlich auch in Zimmern die Gründungsversammlung statt und ungeachtet der Kriegswirren traten auf Anhieb 41 Bürger in die Wehr ein, betont der Bürgermeister weiter. Nach Kriegsende ordnete die amerikanische Militärregierung schon im Dezember 1945 an, dass die Feuerwehren ihren Dienst wieder aufzunehmen haben und ein Jahr später wurde der Grundsatz der Freiwilligkeit erneut deutlich hervorgehoben. Seit dieser Zeit verzeichnet die Geschichte der Zimmerner Feuerwehr einen steten Aufwärtstrend. Meilensteine dieser Entwicklung waren in baulicher Hinsicht die Maßnahmen zur verbesserten Unterbringung am heutigen Standort des Feuerwehrgerätehauses in den Jahren 1951, 1964 und 2002, jeweils mit erheblichen Eigenleistungen. Aber auch ausrüstungstechnisch ging es voran, denn nach der Beschaffung der ersten Motorspritze im Jahre 1960 folgten das erste Tragkraftspritzenfahrzeug im Jahre 1985, der Mannschaftstransportwagen im Jahre 2003 und im Jahre 2013 mit der Indienststellung des Staffellöschfahrzeugs LF 10/6 das erste Einsatzfahrzeug mit Löschwasserbeladung.

Engagement der Bürger

Doch was wären Gebäude und Einsatzfahrzeuge ohne das entsprechende qualifizierte und engagierte Personal? Für die vergangenen acht Jahrzehnte kann festgestellt werden, dass sich in Zimmern stets engagierte Mitbürger fanden, die sich in den Dienst der guten Sache stellten – hoffentlich bleibt das auch künftig so. Hierzu passt ganz gut, dass die Jugendfeuerwehr Zimmern in diesem Jahr auf ihr 35-jähriges Bestehen zurückblicken kann, welcher ein Großteil der heutigen Einsatzabteilung entsprang und die bei Vergleichswettkämpfen immer wieder durch überragende Erfolge von sich reden macht. Da erscheint es nur konsequent, dass diese Jugendarbeit auch die Einsatzabteilung zu Höchstleistungen anspornt, denn die Erringung der Leistungsabzeichen in Bronze, Silber und Gold in den vergangenen vier Jahren ist eine große Leistung.

In das gesellschaftliche Leben des Ortsteils und der Gemeinde sind die Floriansjünger ebenso fest eingebunden. Unter anderem lädt die Wehr jährlich zum Kerweessen ein, veranstaltet Tage der offenen Tür und unterstützt die örtlichen Vereine regelmäßig bei ihren Aktivitäten wie den gemeinsamen Theaterabenden. „Die Jubelwehr hat ein zünftiges Feuerwehrfest mehr als verdient und deshalb wird sie auch baldmöglichst einen Ersatztermin festlegen, wozu die gesamte Bevölkerung schon heute recht herzlich eingeladen ist“, stellte Bürgermeister Thomas Ludwig fest. L.M.