Seckach

Vor 125 Jahren Blitz schlug in den Kirchturm ein / Kunstmaler Julius Fehr schenkte der Gemeinde das Bild „Eins ist Noth“

Als die evangelische Kirche in Flammen stand

Archivartikel

Großeicholzheim.„Gewitterwolken ziehen auf, der Himmel wird schwarz und schwärzer und von ferne sind bereits die Donnerschläge zu hören. Das schwere Gewitter kommt näher und zieht am Montag, 13. Mai 1895 um 15 Uhr geradewegs über Großeicholzheim hinweg“.

Kirchendach ohne Blitzableiter

Als höchster Punkt in der Gemeinde galt damals wie heute die Kirchturmspitze der evangelischen Kirche. Als erste Angriffsfläche schlug in das damals noch ohne Blitzableiter ausgestattete Kirchendach, ein Blitz ein.

Der gesamte Kirchturm fing Feuer, welches sich rasch ausbreitete. Als die Dachkuppel nach unten stürzte, schlug sie nicht nur ein großes Loch in den Dachstuhl des Langgebäudes, sondern setzte es ebenfalls in Brand.

So zu lesen in einer schriftlichen Überlieferung in einem Schreiben des damaligen Ältestenkreises kurz nach dem Unglück an den Oberkirchenrat, das dem Museum des Vereins „Großeicholzheim und seine Geschichte“ vorliegt und lesbar aufgearbeitet wurde.

Dieses Schreiben enthielt auch die Bitte um finanzielle Unterstützung für einen Wiederaufbau, welches durch Pfarrer Ingolf Stromberger als Verantwortlicher für die Kirchengemeinde Großeicholzheim-Rittersbach zur Verfügung gestellt und in seiner Andacht in Erinnerung gerufen wurde.

In seiner Predigt erinnerte Pfarrer Stromberger unter anderem an die großen Schäden, die der Brand damals verursacht hatte.

Im Jahre 1895 gab es in Großeicholzheim noch keine Freiwillige Feuerwehr. Diese wurde erst 25 Jahre später gegründet. Aber natürlich gab es Menschen, die sofort versuchten, mit den vorhandenen bescheidenen Mitteln mit Eimer, Feuerspritzen oder Schläuchen den Brand zu löschen. Es wurde so eifrig gelöscht, dass die Orgel komplett unter Wasser gesetzt wurde.

Orgel unter Wasser gesetzt

Eine spätere Sanierung durch den Orgelbauer Pauly aus Mosbach kostete 261 Mark. „Die daraufhin notwendigen Renovierungsarbeiten wurden auch dazu genutzt, lange geplante bauliche Veränderungen in der Kirche umzusetzen“. Das 14 Seiten lange Schreiben des Großeicholzheimer Kirchengemeinderates an den Oberkirchenrat wurde „in geziemender Ehrerbietung“ von Pfarrer Paul Goos, Georg W. Wetterauer und Andreas Hettinger vor 125 Jahren unterschrieben.

Bereits zwei Tage nach dem Brand kam eine Kommission, um den Schaden zu schätzen und die Sicherungs- und Aufräumarbeiten begannen.

So wurde das Dach notdürftig mit 2000 Ziegeln verschlossen und die Pläne für einen Innenumbau weiter vorangetrieben. Wie der Überlieferung zu entnehmen war, sprach sich eine Mehrheit in einer am 23. Juni einberufenen Gemeindeversammlung für die vorgesehenen Umbauten aus.

Viele Veränderungen

So sollten das Pfarrgestühl entfernt, und der Taufstein, welcher als plump und unverhältnismäßig groß beschrieben wurde, ersetzt werden. Außerdem war ein weiterer Zugang zur Empore geplant.

Als schönstes Zeugnis des damaligen Umbaus wird das Gemälde von Julius Fehr bezeichnet. Der Kunstmaler aus Großeicholzheim war in die Umbaupläne involviert und schenkte seiner geliebten Gemeinde dieses Bild, das die Begegnung von Jesus mit den Schwestern Maria und Marta mit der Überschrift „Eins ist Noth“ zeigt.

Auch dies wurde der Kirchenbaubehörde als Begründung einer dringend notwendigen Sanierung mitgeteilt. L.M.