Rosenberg

Leserbrief Zu "Aus für sechs Filialen" (FN, 8. Februar)

"Genossen, wehrt Euch!"

Das Aus für sechs Filialen der Volksbank Kirnau kommt nur dann, wenn sich die Mitglieder der Genossenschaft nicht wehren. Dieser Beschluss wurde in Hinterzimmern von Vorstand und Aufsichtsrat ausgeklüngelt und wird über die Köpfe der offensichtlich für zu dumm gehaltenen Kunden und Mitglieder hinweg als alternativlos präsentiert.

Besonders enttäuschend ist in diesem Zusammenhang das Verhalten von Ortsvorsteher Martin Herrmann, der immer betont, wie sehr ihm das Wohl der Einwohner am Herzen liegt.

Als Diplom-Volkswirt hätte er in der Lage sein sollen, kostensenkende Alternativen vorzulegen, anstatt das vom Vorstand ausgetüftelte Konzept "verständnisvoll" (FN vom 8. Februar) abzunicken.

Mitglieder sind keine Befehlsempfänger des Vorstandes - wehrt Euch! Eine Genossenschaft betreibt laut "Brockhaus" kein auf Gewinnerzielung gerichtetes Gewerbe und dient in erster Linie dem Wohl ihrer Mitglieder. Die Generalversammlung ist das höchste Willensbildungsorgan. Sollten Mitglieder und Kunden der betroffenen Orte mit dem vorläufigen Beschluss des Bank-Etablissements nicht einverstanden sein, dann müssen sie aktiv werden und sich in einer Interessengemeinschaft organisieren, damit ihre Interessen nicht unter den Tisch fallen.

Als kostensenkendes Alternativkonzept wäre eine Fusion auf Augenhöhe (zum Beispiel mit Krautheim oder Limbach) gut vorstellbar, allerdings keine 08/15 Fusion, bei der vorstandsgesteuerte Interessen (Selbsterhaltungstrieb) dominieren.

Laut FN haben sich die Vorstände gegen eine Fusion entschieden, angeblich nur, um selbstständig zu bleiben. Viel wahrscheinlicher ist, dass keiner seinen hochdotierten Posten gefährden will.

Wer als Vorstand vorschlägt, die Äste abzusägen, auf denen die Kunden und Mitglieder aus Hirschlanden, Sindolsheim, Buch, Berolzheim, Oberwittstadt und Hüngheim sitzen, der muss billigend in Kauf nehmen, dass als kostensenkende Alternative der Ast abgesägt wird, auf dem er selbst sitzt!

Nach der Philosophie des Utilitarismus (Nützlichkeitsprinzip) wäre es sogar zwingend geboten, denn ein Verhalten gilt dann als sinnvoll, wenn eine Handlung einen Beitrag zum größtmöglichen Glück für die größtmögliche Zahl von Menschen leistet. Folgt man dieser Maxime, ist es sinnvoller, einen Vorstandsast abzusägen, als sechs Filialäste, auf denen mehr als tausend Mitglieder und Kunden sitzen. Wer sich nicht wehrt, begeht eine Unterlassungssünde und muss mit den Konsequenzen leben - jammern verboten!

P:S.: Bei einem Ergebnis vor Steuern von rund 1,2 Millionen Euro ist ein akuter Handlungsdruck zu einer übereilten und radikalen Filialliquidierung nicht zu erkennen!

Die Mitgliederversammlung wäre der adäquate Ort, wo offen und für alle transparent über derart radikale Maßnahmen diskutiert und entschieden werden müsste.

Fazit: vox populi, vox Dei (Volkes Stimme (ist) Gottesstimme)