Rosenberg

Neu konstituierter Ortschaftsrat Rosenberg Das Konzept der Sitzung mit anschließendem Bürgertreff kommt gut an / Ortsbroschüre entsteht neu / Nächstes Treffen voraussichtlich im Juli

„Den Bürgern einen direkten Dialog anbieten“

Der neugegründete Ortschaftsrat Rosenberg lässt aufhorchen – vor allem durch die ungewohnte Form seiner Sitzungen. Im Moment tagt das Gremium zwar nicht, doch die Arbeit läuft weiter.

Rosenberg. Im Mai des vergangenen Jahres wurden im Rahmen der Kommunalwahlen erstmals seit Jahrzehnten wieder Ortschaftsräte für den Hauptort Rosenberg gewählt. Im Juli konstituierte sich das Gremium. Sein Motto: „Für unser Rosenberg“. Ortsvorsteher ist Sven Baumann, die Ortschaftsräte sind Peter Beuschlein, Matthias Brand, Jan Griebaum, Reinhold Griebaum und Alexander Ullrich.

Neu ist die Form der Ortschaftsratssitzung: Das Gremium tagt im Bürgersaal des Rosenberger Rathauses wie vom Gemeinderat gewohnt an Tischen, die in „U“-Form stehen. Für die Zuhörer gibt es aber keine Stuhlreihen, sondern es sind Stühle und Tische aufgestellt, wie man es von Veranstaltungen kennt. So kann jeder während des offiziellen Teils schon mal trinken oder essen, den auch das ist möglich – bewusst soll so „Gemütlichkeit“ entstehen.

Wenn Tagesordnungspunkte abgehandelt werden, zu denen das Gremium gerne die Meinung der Zuhörer erfahren will, wird die Sitzung formell kurz unterbrochen und jeder kann mitdiskutieren. Das werde eher der Idee gerecht, die Bürger einzubinden als eine Fragestunde am Ende der Sitzung, wenn eh schon alles beschlossen ist, so die Ortschaftsräte. Ist der offizielle Teil dann rum, setzen sich die Ortschaftsräte und der Ortsvorsteher zu den Zuhörern an die Tische. Inzwischen ist das Gremium zusammengewachsenund hat einige Projekte in Angriff genommen.

Die FN haben dazu Fragen an die Ortschaftsräte und den Ortsvorsteher gestellt.

Wie kamen Sie auf die Idee, die Sitzungen teilweise wie einen Bürgertreff zu gestalten?

Sven Baumann (Ortsvorsteher): Nachdem es über 30 Jahre im Ortsteil Rosenberg keine öffentliche Sitzung eines Ortschaftsrates gab, hatten wir leider kein Vorbild. Vom Ablauf orientieren wir uns für den Sitzungsteil an der Art der Gemeinderatssitzungen, in denen ich auch schon mehrere Amtszeiten als Gemeinderat mit am Tisch saß. Danach stand für uns allerdings im Vordergrund, den Zuschauern einen direkten Dialog anzubieten, egal ob über den Sitzungsinhalt oder zu zukünftigen Anregungen.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Jan Griebaum: Die Besucher unserer Sitzungen haben uns durchweg positive Rückmeldungen gegeben und uns damit bestätigt, dass diese Form der Versammlung durch ihre Ungezwungenheit vor allem auch die Bürger nach den Sitzungen noch gesellig beisammen sein lässt. Dies führt unseres Erachtens dazu, dass dabei zusätzliche Wünsche und Anregungen, welche sich oft aus Gesprächen heraus ergeben, direkt an uns herangetragen werden können.

Matthias Brand: Es wurde von den Zuhörern sehr gut angenommen, das hat uns bestätigt, den Sitzungsstil beizubehalten.

Es gibt auch Kleinigkeiten zu essen oder zu trinken . . .

Alexander Ullrich: Wir haben von der ersten Sitzung an verschiedene Getränke für alle angeboten und servieren noch selbst belegte Brötchen oder was uns sonst noch Einfaches einfällt. Beides ist für alle kostenlos.

Wer organisiert und wer finanziert das?

Peter Beuschlein: Bei der Organisation wechselt sich der Ortschaftsrat ab. Finanziert, besser gesponsert, wird es von freiwilligen Spenden der Ortschaftsräte und der Sitzungszuhörer sowie aus Sitzungsgeldern.

Kommen die Bürger jetzt auch während des „offiziellen“ Teils? Oder nutzen sie nur den zweiten, eher „gemütlichen“ Teil?

Peter Beuschlein: Da wir mit dem „offiziellen“ Teil beginnen, sind alle Teilnehmer der Sitzung von Anfang an dabei und nutzen die Gelegenheit, sich im Anschluss daran auszutauschen. Vielleicht ändert sich das auch noch, wenn unsere Mitbürger sich daran gewöhnt haben.

Matthias Brand: Nach der öffentlichen Ortschaftsratssitzung bleiben sehr viele Zuhörer noch gerne sitzen und besprechen den Alltag, neue Projekte und verschiedene Dinge aus dem Ortsgeschehen. Das ist wie ein Bürgertreff.

Wieviele Zuhörer kommen zu den Treffen? Mehr als in den anderen Ortschaftsräten üblich?

Sven Baumann: Ich denke, wir hatten in den letzten öffentlichen Sitzungen einfach noch den Effekt, sehr lange ohne Ortschaftsrat gewesen zu sein. So ist das Interesse sehr groß. Natürlich standen auch immer wieder interessante Punkte an.

Reinhold Griebaum: Die Ortschaftsratssitzungen werden von der Bevölkerung sehr gut angenommen. Wir hatten in den Sitzungen etwa 30 bis 45 Besucher, die gerne nach der öffentlichen Sitzung noch sitzenblieben und ein Gespräch suchten. Das zeigte, dass die Bürger sehr interessiert sind.

Wie viele Sitzungen haben denn bereits stattgefunden – nach der Gründung des Ortschaftsrates bis zum Beginn der Corona-Beschränkungen?

Sven Baumann: Öffentliche Sitzungen hatten wir bisher drei. Nichtöffentlich haben wir uns sechsmal getroffen. Dazu kamen noch Sitzungen mit verschiedenen Vereinen sowie Ortsrundgänge oder sonstige inoffizielle Treffen zwischen den Ortschaftsräten.

Welche Projekte hat sich der Ortschaftsrat für die nächsten Monate vorgenommen?

Matthias Brand: Wir wollen unseren Ort für Besucher interessanter gestalten. Mehr Informationen zu Daten und Fakten, aber auch zur Geschichte anbieten. Rosenberg liegt direkt an mehreren Radwegen. Deshalb wollen wir, sagen wir jetzt mal „Info-Tafeln“ dazu, im Ort aufstellen. Eine solche „Info-Tafel“ gibt es schon in Rosenberg, darauf wird die Geschichte des Rosenberger Schlosses erzählt. Im selben Still soll es mehr Tafeln in Rosenberg geben. Fünf neue „Info-Tafeln“ haben wir schon entworfen.

Jan Griebaum: Eines unserer nahen Ziele ist es, eine Ortsbroschüre mitzugestalten und auf den Weg zu bringen. In dieser geben Vereine und Institutionen eine kurze Vorstellung von sich und ihrem Angebot. Diese Broschüre kann zum Beispiel für neu zugezogene Bürger Infomaterial über Vereinsaktivitäten liefern und generell das Angebot unserer Gemeinde nach außen hin klar und attraktiv präsentieren.

Alexander Ullrich: Es gibt auch Dinge, die nur langfristig erreichbar sind. Dazu gehört es zum Beispiel, den Zusammenhalt des Ortes zu stärken. Wir haben so viele verschiedene Vereine, für jeden Geschmack etwas. Dabei ist klar, dass nicht jeder alles mag, was der andere macht. Aber hier geht es dennoch nur zusammen. Jede Veranstaltung, jede Jugendarbeit, et cetera, können nur funktionieren, wenn jeder auch den anderen unterstützt und zum Beispiel die Veranstaltungen besucht. Nur das aktive Mitwirken der Bürger ermöglicht es dem Ortschaftsrat, Ziele für Rosenberg umzusetzen. Das Gremium fungiert als Planungsstab und Ausführungsorgan für alle Maßnahmen. Dafür sind sowohl Akzeptanz als auch Arbeitseinsätze mit Unterstützung der Bevölkerung notwendig.

Sven Baumann: Wir haben noch einige Themen auf der Agenda. Allerdings sind diese noch nicht soweit fortgeschritten, dass wir damit an die Öffentlichkeit gehen möchten.

Welche Projekte konnten Sie in der Kürze der Zeit bereits umsetzen?

Reinhold Griebaum: Das Ortswappen am Lindenbrunnen wurde in der Zwischenzeit wieder ansehnlich gemacht und ringsrum bepflanzt. Auch zwischen den Brücken an der Kirnau wurde das Gemeindebild aufgewertet.

Alexander Ullrich: Eines der ersten Projekte, die wir bereits umsetzen konnten, war ein Fußweg vom Neubaugebiet/Friedhof zum Heuweg. Dieser war bisher auf einer Länge von etwa 100 Metern nur über die viel befahrene Ortsverbindungsstraße nach Bofsheim für Fußgänger erreichbar. Nun hat der Gemeindebauhof dies hervorragend baulich umgesetzt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung, den anderen Ortsteilen Rosenbergs und mit Bürgermeister Ralph Matousek?

Sven Baumann: Die Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung ist nach anfänglichen Schwierigkeiten, die zum Beispiel die Aufgabenverteilung und den Zuständigkeitsbereich betrafen nun sehr gut. Bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rathauses und des Bauhofs stößt man immer auf offene Ohren und Hilfsbereitschaft. Ebenso haben auch die anderen Ortsvorsteher, die schon länger im Amt sind, ihre Unterstützung angeboten. Bürgermeister Matousek steht immer mit Rat und Tat zur Seite, egal wann. Er setzt sich sehr für unsere Arbeit im Ortschaftsrat ein.

Was glauben Sie, wann kann die nächste Ortschaftsratssitzung stattfinden?

Sven Baumann: Hoffentlich bald. Die Liste der Tagesordnungspunkte wird immer länger. Terminiert ist die nächste öffentliche Sitzung auf den 2. Juli 2020.

Und werden Sie dann die neue, so gut angenommene Form der Sitzungen wieder aufnehmen können?

Peter Beuschlein: In der derzeitigen Situation ist es schwierig zu sagen, was in sieben oder acht Wochen sein wird. Natürlich hoffen wir, diese Form schnellstmöglich wieder aufzunehmen, bei der ersten Sitzung wird das aber unwahrscheinlich sein. Wir werden uns aber auch da etwas einfallen lassen, damit die Sitzung wieder, so gut wie es dann eben geht, besucht werden kann.