Rhein-Main-Neckar

Bilanz E-Business-Umsatz legt im ersten Quartal 2020 bei Würth um 9,5 Prozent zu / Auswirkungen von Corona spürbar

Zukunftsgerichtete Investitionen

Archivartikel

Künzelsau/Schwäbisch Hall.Die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Rezession der globalen Wirtschaft gehen auch am Weltunternehmen Würth, das in diesem Jahr auf sein 75-jähriges Bestehen zurückblickt, nicht spurlos vorüber. Zwar meldet der Weltmarktführer im Vertrieb von Montage- und Befestigungsmaterial für 2019 noch einen neuen Rekordumsatz von 14,3 Milliarden Euro (Vorjahr: 13,6 Milliarden Euro).

Das Betriebsergebnis, der Gewinn, ging allerdings um runde zehn Prozent von 870 Millionen Euro auf 770 Millionen Euro zurück, wie Konzernsprecher Robert Friedmann in der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag informierte.

„Auf einem guten Weg“

Die unter Druck geratene Rohertragsmarge sei unter anderem ausschlaggebend für diesen Rückgang. Die steigenden Einkaufspreise konnten nicht eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden. Obgleich der Ausbruch der Corona-Pandemie die Entwicklung des Gesamtkonzerns natürlich beeinflusst, sieht sich das Unternehmen auf einem guten Weg: Im ersten Quartal 2020 verzeichnet die Würth-Gruppe ein Umsatzwachstum von 2,8 Prozent.

Wesentlich schlechter verlief allerdings das Geschäft für den April 2020, den der Konzern mit einem Umsatzminus von 20 Prozent abschloss. Trotz der schlechteren Entwicklung in der Würth-Gruppe Deutschland (+ 2,2 Prozent) aufgrund der Abkühlung in der Automobilindustrie hat sich der Umsatz über den Multikanalvertrieb im Bereich E-Business erhöht: Der E-Business-Umsatz wuchs überproportional und liegt bei 2,6 Milliarden Euro.

Damit hat sich der Anteil am Konzernumsatz auf 18,3 Prozent erhöht. Auch im ersten Quartal 2020 legt der E-Business-Umsatz um 9,5 Prozent zu.

Die Versorgungssicherheit des Handwerks war zu jeder Zeit gewährleistet. Der Digitalisierungsschub zeige, so Friedmann, dass die Multikanalstrategie, besonders unter den Herausforderungen von Corona ein Erfolgsgarant ist.

Eine verlässliche Prognose sei aufgrund der volatilen Lage der Weltwirtschaft zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Die Würth-Gruppe nutzt aber das Potenzial der Multikanalstrategie und ist damit auch unter der Corona-Pandemie zuverlässiger Partner des Handwerks und der Industrie, wie in der Pressekonferenz unterstrichen wurde.

Keine Auslieferungsengpässe

Besonders hart getroffen hat es die Würth-Gesellschaften in den von Covid-19 stark betroffenen Ländern wie Italien, Frankreich und auch Spanien.

Dennoch erzielte Frankreich trotz kompletten Lockdowns einen E-Business-Zuwachs im ersten Quartal 2020 von 29,1 Prozent, Italien lag ebenfalls bei fast 30 Prozent und in Österreich sowie weiteren Landesgesellschaften wurden die Click & Collect-Aufträge verdoppelt (Bestellung per App oder telefonisch und Abholung in Paketstationen vor der Niederlassung).

Zu Auslieferungsengpässen kam es aber nicht. In Deutschland konnte sich der Konzern mit einigen wenigen Einschlägen der Krise sehr gut entgegenstellen. Der Elektrogroßhandel Deutschland konnte den Umsatz im ersten Quartal 2020 sogar um 9,2 Prozent steigern. Lediglich die im automobilnahen Bereich tätigen Gesellschaften mussten in Kurzarbeit gehen.

Auch die Umsätze der Adolf Würth GmbH & Co. KG entwickeln sich unter den gegebenen Umständen sehr gut, wie Norbert Heckmann, Sprecher der Geschäftsleitung der Adolf Würth GmbH & Co. KG betonte, da das Handwerk so gut wie durchgängig arbeiten konnte. Im ersten Quartal 2020 verzeichnet das Unternehmen einen Umsatzzuwachs von 7,6 Prozent.

Sehr zufrieden ist man bei Würth auch mit der konstant finanziellen Stabilität: Das Eigenkapital der Gruppe stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr um 7,4 Prozent auf 5.554 Milliarden Euro – ein Plus von 382 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liegt damit zum Jahresende bei 44,0 Prozent (2018: 47,1 Prozent). Das oberste Gebot der aktuellen Stunde ist für die Geschäftsführung die Sicherung der Liquidität.

Die Liquiditätsreserven der Würth-Gruppe belaufen sich per Ende April 2020 auf über 800 Millionen Euro und bestehen aus liquiden Mitteln von über 400 Millionen Euro und der bis 2023 fest zugesagten, nicht ausgenutzten Kreditlinie im Umfang von 400 Millionen Euro.

Die Zahl der Beschäftigten hat sich 2019 von 77 080 um 1606 auf 78 686 erhöht.

Für die Zukunft setzt der Konzern auf seine Innovationsstrategie – den Wandel vom Händler zum Hersteller.

Verzögerte Fertigstellung

Die Investitionen in die Herstellerkompetenz und Innovationsprojekte am aktuellen Entwicklungsstandort gehen zukunftsgerichtet weiter, auch wenn sich die Fertigstellung des neuen Innovationszentrums aufgrund der aktuellen Situation etwas verzögern wird.

In der Endausbaustufe werden dort rund 250 Menschen beschäftigt sein.