Rhein-Main-Neckar

Leserbrief Zur Berichterstattung über das Coronavirus

„Orte, wo ich zurzeit nicht sein möchte“

Mein Mann und ich spielen morgens ab und an ein kleines Motivationsspiel, das heißt „Wo wärst Du jetzt am liebsten?“. Da uns im Moment kein Ort einfällt, an dem wir tatsächlich lieber wären als zuhause, habe ich es umgewandelt in „Wo wärst Du garantiert jetzt nicht am liebsten?“ und da ich jetzt in selbstverordneter, überwiegender Isolation bin, habe ich viel Zeit darüber nachzudenken.

Also hier meine „Hitliste“ der Orte, wo ich zurzeit nicht sein möchte:

– In den USA um nicht aus Versehen von einem schießwütigen Amerikaner erschossen zu werden, der glaubt, ich wolle seinen Toilettenpapiervorrat plündern

– Auf der ISS, zwar virenfrei, aber zu klaustrophobisch.

– In Australien zwischen den verbrannten Überresten meiner Existenz.

– In Fukushima.

– An den Supermarktkassen.

– In Rom im Krankenhaus und entscheiden, wer beatmet wird und wer nicht.

– In allen Ländern mit mangelhafter Gesundheitsversorgung.

– In Afghanistan, Syrien, Sudan und all den anderen Ländern, in denen Krieg und Terror herrschen.

– Auf Lesbos im Flüchtlingslager.

Wenn ich also fertig bin mit dem Putzen, Fernsehen, Radio hören, Chatten, Mailen, Skypen, Basteln, Spielen, Lesen, Yoga, Briefe schreiben, Kochen, Backen, Nähen, Stricken und Sonne genießen, und mir fällt die Decke auf den Kopf, hole ich einfach meine Liste heraus.