Rhein-Main-Neckar

Neue Betrugsmasche Jugendliche fallen auf Trick herein und machen sich selbst strafbar

Junge Menschen im Visier

Archivartikel

Würzburg.In jüngster Zeit häufen sich bei den Kriminalpolizeiinspektionen in Unterfranken Fälle, in denen meist jüngere Menschen auf Betrüger hereinfallen und sich zum Schluss auch noch selbst in Strafverfahren verantworten müssen.

Viele junge Menschen entdeckten in den letzten Wochen vermehrt auf Verkaufsplattformen im Internet Angebote, als sogenannte Produkt-Tester schnell und unkompliziert Geld verdienen zu können. Daher wandten diese sich meist wie gefordert via WhatsApp an den Anbieter und folgten daraufhin den Anweisungen, die sie erhielten. Ohne zu ahnen, dass sie sich dadurch indirekt an einem Betrug beteiligten und sich zudem selbst strafbar machen konnten.

Die künftigen Produkt-Tester sollen beispielsweise Online-Banking-Software bewerten. Hierzu werden sie angehalten, sich verschiedene Banking-Apps unterschiedlicher Geldinstitute auf ihr Smartphone zu laden und jeweils unter geführter Anleitung ein Konto zu eröffnen. Sämtliche Anwender eröffnen demnach gutgläubig Konten bei den Banken und legitimieren sich mittels Online-ID-Verfahren.

Nur bei der Angabe der eigenen Telefonnummer geben die designierten Produkt-Tester, wie angewiesen, die Nummer des Auftraggebers an und folgen dann den letzten Schritten gemäß der Anleitung. Mittels eines ausgeklügelten, unübersichtlichen Anwenderticks bekommen die unbekannten Betrüger nun Zugriff auf die Onlinekonten, während die gutgläubigen jungen Menschen letztlich davon ausgehen, sie hätten den Vorgang abgebrochen und final kein Konto eröffnet.

Die Betrüger lassen sich von anderen Geschädigten in vorgetäuschten Verkäufen – beispielsweise über Online-Auktionen – Geld auf die Onlinekonten überweisen und transferieren diesen Betrag dann sofort ins Ausland. Der Geschädigte, welcher der Meinung war, er habe ein Schnäppchen gemacht, erkennt wenig später, dass er betrogen wurde und niemals Ware erhalten wird. Sein Geld sieht er auch nie wieder.

Auch wenn der designierte Produkt-Tester nichts von dem Betrug mitbekommt und auch eigentlich nichts mit den Geldverschiebungen zu tun hat, so kommt er doch dem Wortlaut gemäß §261 StGB mit dem Gesetz in Konflikt.

Dementsprechend muss er sich anschließend in einem Ermittlungsverfahren verantworten.

Doch damit nicht genug. Der ahnungslose App-Tester kann im Anschluss auch noch in Regress genommen werden, um dem Betrogenen dessen entstandenen Schaden zu ersetzen.

2018 bearbeiteten die Kriminalpolizeiinspektionen in Unterfranken insgesamt 212 derartiger Fälle. Derzeit verzeichnet die Polizei einen leichten Anstieg der Zahlen für das Jahr 2019.

Info: Weitere Informationen kann man unter www.polizei-beratung.de einsehen oder bei den Beratungsstellen der Kriminalpolizeiinspektionen einholen.